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Charmanter Sprachkünstler

Der 1953 geborene Maler, Musiker, Chansonnier, Kabarettist, journalistische Essayist und Schriftsteller Thommie Bayer las bei der „Lit.Eifel 2017“ aus seinem neuesten Roman „Seltene Affären“. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress Der 1953 geborene Maler, Musiker, Chansonnier, Kabarettist, journalistische Essayist und Schriftsteller Thommie Bayer las bei der „Lit.Eifel 2017“ aus seinem neuesten Roman „Seltene Affären“. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress Breisgauer Thommie Bayer brillierte bei der „Lit.Eifel 2017“ in der Alten Schule von Bleibuir mit seinem neuesten Roman „Seltene Affären“ – Exkursion in die Welt der Phantasie und Schriftstellerei

Mechernich-Bleibuir – Da, wo sonst die Reihe „Kultur om Dörp“ stattfindet, im ehemaligen Klassenzimmer der alten Schule im Mechernicher Stadtteil Bleibuir, war am Freitagabend die „Lit.Eifel 2017“ mit einem Kulturschaffenden erster Güte zu Gast. Und selten finden die Begriffe „Kultur“ und „Schaffen“ in einem Menschen so viel Widerhall:

Es las der Maler, Musiker, Chansonnier, Kabarettist, journalistische Essayist und vor allem Schriftsteller Thommie Bayer.

Der am 22. April 1953 in Esslingen geborene und als Thomas Bayer-Heer aufgewachsene Autor rezitierte aus seinem neusten Roman „Seltene Affären“. Es wurde für die knapp zwei Dutzend Zuhörer, die zum Teil recht weit – beispielsweise aus Herzogenrath, Neuss und Aachen – angereist waren, ein ausgesprochen kurzweiliger und sprachlich hochwertiger literarischer Abend, an dessen Ende Thommie Bayer bereitwillig Auskunft über seine Recherchen, seine komplexen Charaktere und das Schreiben gab.

Intensive Gespräche mit dem Publikum, dessen offene Anerkennung und herzlicher Applaus sowie reichlich Absatz am Büchertisch der Mechernicher Buchhandlung Schwinning waren der Lohn für den im Breisgau lebenden Autor, der sich mit Büchern wie „Das Herz ist eine miese Gegend“, „Die gefährliche Frau“, „Singvogel“, dem für den Deutschen Buchpreis nominierten Roman „Eine kurze Geschichte vom Glück“, „Die kurzen und die langen Jahre“, „Weißer Zug nach Süden“ und „Das Aquarium“ in die deutschsprachige belletristische Spitzengruppe geschrieben hat.

Objekt der Begierde

Ein Teil des Publikums bei der Thommie-Bayer-Lesung in der Stadt Mechernich. Die Zuhörer reisten zum Teil recht weit an, um einen ausgesprochen kurzweiligen und sprachlich hochwertigen literarischen Abend in der Eifel zu verbringen. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress
Ein Teil des Publikums bei der Thommie-Bayer-Lesung in der Stadt Mechernich. Die Zuhörer reisten zum Teil recht weit an, um einen ausgesprochen kurzweiligen und sprachlich hochwertigen literarischen Abend in der Eifel zu verbringen. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress
„Seltene Affären“ sei nicht sein erstes Buch, in dem er Zwillingsbrüder, Peter und Paul, die Hauptprotagonisten sein lässt, in dem Fall jetzt beide Autoren von Kurzgeschichten, der eine, Paul, als Schriftsteller, der andere, Peter, als nicht minder begabter Wochenendautor. Unter der Woche führt Peter Vorden ein Feinschmeckerrestaurant in Lothringen, am Wochenende schreibt er in seiner deutschen Wohnung Storys für Paul.


Der Konfliktstoff der beiden von Kindheit an harmonischen und zum Verwechseln ähnlichen Brüder heißt Anne, Pauls Frau einerseits, andererseits auch Peters Objekt der Begierde, die „einzige Frau, die für mich in Frage kam“.

Peter vertröstet sich angesichts des ungelösten Konflikts mit seltenen Affären. Das lässt Thommie Bayer schon auf den ersten Seiten erahnen, wenn er die Zufallsbegegnung mit einer nicht unattraktiven Rollerfahrerin beschreibt: „Ein Hintern auf einem Roller ist nicht direkt abendfüllend, aber die Büsche links und rechts des Hohlwegs kannte ich, der Roller war uninteressant – was blieb mir anderes übrig, als die Frau zu betrachten, die da scheu und souverän zugleich den Berg emportuckerte – so langsam, dass nicht einmal ihr glattes dunkles Haar sich in irgendeinem Fahrtwind bewegen konnte.“

„Träumen Sie mich?“

Thommie Bayer las Eingangs- und zwei kleinere Fortsetzungspassagen aus „Seltene Affären“, führte sozusagen in den Roman ein, ließ das Ende aber auch im Publikumsgespräch offen. Der Mann ist kein Langweiler, aber ein fein zeichnender Sprachkünstler, detailgenauer Beschreiber und ausgefeilter Konstrukteur vielschichtiger Charaktere. Die Zuhörer waren begeistert. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress
Thommie Bayer las Eingangs- und zwei kleinere Fortsetzungspassagen aus „Seltene Affären“, führte sozusagen in den Roman ein, ließ das Ende aber auch im Publikumsgespräch offen. Der Mann ist kein Langweiler, aber ein fein zeichnender Sprachkünstler, detailgenauer Beschreiber und ausgefeilter Konstrukteur vielschichtiger Charaktere. Die Zuhörer waren begeistert. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress
Bayer las Eingangs- und zwei kleinere Fortsetzungspassagen aus „Seltene Affären“, führte sozusagen in den Roman ein, ließ das Ende aber auch im Publikumsgespräch offen. Der Mann ist kein Langweiler, aber ein fein zeichnender Sprachkünstler, detailgenauer Beschreiber und ausgefeilter Konstrukteur vielschichtiger Charaktere.

Hohe Sprachkunst mischt sich mit Humor und tiefer Andacht vor den Geschöpfen der eigenen Phantasie. Das offenbart Bayer beispielsweise, wenn er Peter Vorden seine Begegnung mit der Frau auf dem Roller im Schlaf reflektieren lässt. Er spricht sie an, und sie antwortet: „Sie träumen mich“. Und er fragt zurück: „Und Sie? Träumen Sie mich auch?“

Noch drei kurze Beispiele für Thommie Bayers eigenwillige, aber ins Schwarze treffende Einschätzungen aus dem am Freitag in Bleibuir anlässlich der Lit.Eifel Vorgetragenen. Erstens zum Kalten Krieg: „Die Abwesenheit von Krieg ist echter Friede . . . egal mit welchen Mitteln das aufrechterhalten wird.“ Zweitens zur 68er Revolution: „Jetzt wird alles anders, und wir sind diejenigen, die es ändern.“ Und drittens zum Ausdruck von Lebensfreude auch im fortgeschrittenen Alter: „Leute wie ich tanzen nur noch innerlich.“


Thommie Bayers Zuhörer waren begeistert, einige davon offenbarten sich später im Gespräch mit dem charmant plaudernden Autor als waschechte Fans. Ein Aachener Deutschlehrer darunter, der sich freute, „auf diese Weise die Eifel und dieses endzückende Dorf Bleibuir kennengelernt“ zu haben.

Der Redakteur und Autor Manfred Lang begrüßte Autor und Zuhörer zur Lit.Eifel-Veranstaltung in der Alten Schule, die der Förderverein um Klaus-Peter Hoss zur Verfügung stellte und bewirtete. Einmal mehr spiegelte die quantitative Resonanz die qualitative Wertigkeit einer tadellosen Lit.Eifel-Veranstaltung nicht wider.

                                                                                                          pp/Agentur ProfiPress

                                                                                                                                                                   (27. Juni 2017)