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Moderner Wilhelm Busch

Der eher hanseatisch kühl wirkende Autor Christian Maintz überraschte bei der Lit.Eifel 2017 mit einem oft zum Brüllen komischen Versfeuerwerk. Nebenbei verriet der Hamburger dem interessiert lauschenden Eifeler Publikum, dass seine Familie vom Mechernicher Bleiberg stammt.  Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress Der eher hanseatisch kühl wirkende Autor Christian Maintz überraschte bei der Lit.Eifel 2017 mit einem oft zum Brüllen komischen Versfeuerwerk. Nebenbei verriet der Hamburger dem interessiert lauschenden Eifeler Publikum, dass seine Familie vom Mechernicher Bleiberg stammt. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress Christian Maintz begeisterte bei der Lit.Eifel 2017 mit seinen Gedichten „Liebe in Lokalen“ im zum Lokal umgebauten „Mord-mit-Aussicht“-Kommissariat der alten Schule Kallmuth

Mechernich-Kallmuth/Eifel – „Der Iltis führt ein Räuberleben/ Im Iglo wohnt der Eskimo/ Der Interpret liegt meist daneben/ Der Interviewer sowieso“: Selbst scheinbarer Nonsens wie in seinem „Kleinen Abc des Allgemeinwissens“ steckt bei Christian Maintz voller Wahrheit und augenzwinkerndem Wortwitz.
Der Mann, der viel mit Harry Rowohlt auf die Beine stellte und 2000 als sein erstes von vielen (Hör-)Büchern den Gedichtband

„Lieber Gott, Du bist der Boss, Amen, Dein Rhinozeros“ herausgab, war jetzt Gast der Lit.Eifel in Kallmuth.

Maintz, der eher kühl wirkende Hanseat, der seine Zuhörer mit geradezu prustendem Humor begeistert, las aus seinem neuesten Gedichtband „Liebe in Lokalen“ (Verlag Antje Kunstmann, München, ISBN 978-3-95614-093-8, Hardcover, 143 Seiten, 14,95 Euro). Und zwar in der zum Lokal umgebauten ehemaligen Volkschule Kallmuth, die als Kommissariat der satirischen Krimireihe „Mord mit Aussicht“ der Eifel und dem Mechernicher Bleiberg zu einiger medialer Berühmtheit verholfen hat.

Eifel in Richtung Elbe verlassen

Dort überraschte Christian Maintz Ortsvorsteher Robert Ohlerth und das knapp zweidutzendköpfige Publikum mit der Auskunft, dass seine Familie väterlicherseits vom Bleiberg stamme. Sein Ururgroßvater habe in Mechernich einen Bauernhof bewirtschaftet, der Urgroßvater habe aber dann dem Landstrich enttäuscht den Rücken gekehrt, als er den Hof nicht erbte. Er zog an die Elbe.
„Bei uns in der Küche hing früher ein Bild der Alten Kirche von Mechernich“, berichtete der Dichter und Literaturwissenschaftler seinem interessiert lauschenden Publikum. Er habe sie sofort wiedererkannt, als er am Nachmitttag in Mechernich aus dem Zug stieg: „Auf den alten Fotos sieht sie aber nicht so schön weiß angestrichen aus wie heute.“

Dann entfachte der zweifache Träger des Wilhelm-Busch-Preises für humoristische Verdichtung ein wahres Feuerwerk brillanter und teils zum Brüllen komischer Verse, die das Publikum am Ende – schwache Resonanz hin oder her – nicht weniger als vier Zugaben fordern ließ. „Es war ein Klasseabend“, resümierte am Ende Ortsbürgermeister Robert Ohlerth.
Maintz las auch einige Kurzgeschichten und eine noch unveröffentlichte Ballade von Spatz und Spätzin, in der der Mann der Monotonie aus Nestbau und Jungtieraufzucht überdrüssig nach Wuppertal entfleucht und sich dort mit einer leichten Meisin einlässt.

Was dem Spatz aber nicht bekommt, denn auf dem Rückflug wird der Ermattete von einem Falken geschlagen, den wiederum ein Förster Zille mit gezieltem Schrotschuss vom Himmel holt. Was dem Waidmann aber nicht hilft in Maintzens Gedicht, denn Zille überrollt ein Traktorfahrer mit zwölf Promille . . .
So abgedreht die Handlung sein mag in den Gedichten und Storys von Christian Maintz, so hintergründig und witzig-weise sind sie auch. Beispielweise seine Hommage an die Frauen, die er alle auf ihre Weise liebt:

Erotik ist der rote Faden

„Ich mag die langen Bohnenstangen/ Die Mäuschen, Gänse und die Schlangen“ – „Die bangen und die burschikosen/ Und die in engen Reiterhosen“ – „Die Biere zapfen hinterm Tresen/ Ich mag die, die Gedichte lesen“ – „Die auf der Matte mit mir ringen/ Und die mich in den Schlummer singen“.

Liebe und Erotik ziehen sich wie ein roter Faden durch seine Verse, nicht anders als im so genannten „richtigen Leben“, nur übertreibt und überzeichnet der Literat Christian Maintz natürlich stark, wie in seiner in Kallmuth heftig beklatschten „ICE-Romanze“, in der es zwei bis dahin völlig Unbekannte, Herr Hollmann und Frau Struwe, nach sieben Slibowitzen im leeren Dienstabteil des Schaffners treiben.

Das Tête-a-Tête endet mit völlig widersprüchlichen Einschätzungen: „Es tagt, Herr Hollmann summt spontan/ Ein Lied von Roland Kaiser/ Und denkt: „Ich bin ein Dschingis Khan!/ Ein Tier! Ein Womanizer!“/ Frau Struwe sinnt: „Wo bin ich hier?/ Und wer ist der Affe?/ Ich brauche schleunig drei bis vier/ Sehr schwarze Tassen Kaffee“.

Und schließlich, am Zielbahnhof: „Die Luft ist kühl und winterlich/ Und Regen fällt auf Bremen;/ Am Bahnsteig sieben trennt man sich/ In stillem Einvernehmen.“ In seinen Kurzgeschichten ließ Christian Maintz außerhalb seines Buches „Liebe in Lokalen“ einen Prinzen und eine Steuerfachangestellte sich verlieben – und zwar im Kurpark Bad Oldesloe.

Und er ließ das kesse „Rotbäckchen“ (wegen ihres „Arsch-Tattoos“) auf den graumelierten Herrn Wolf im Treppenhaus treffen, mit dem sie zur Oma – einer Mitfünfzigerin im knappen Lederdress – in der Schrebergartenkolonie entschwindet. Am Ende – Ende offen – erwacht Herr Wolf auf dem Sofa zwischen beiden märchenhaften Damen . . .      

                                                                                                          pp/Agentur ProfiPress

                                                                                                                                                                   (04. Mai 2017)
   

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