Logo der Stadt Mechernich
Bilderleiste Kopf
Blauer Kasten
  Stadtplan // eCards // Datenschutz // Sitemap // English
 
   Kontakt // Impressum
 

„Monumentalwerk“ aus Mechernich

Im Bürgermeister-Zimmer, vor einem Gemälde des in Bleibuir geborenen Malers Josef Dederichs, fand jetzt die Übergabe des Bewilligungsbescheides der NRW-Stiftung statt: (v.l.) Edith Busch, Prof. Dr. Michael Grade, Dieter Schröder, Ralf Sawatzki, Lutz Neumann und Dr. Hans-Peter Schick. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress Im Bürgermeister-Zimmer, vor einem Gemälde des in Bleibuir geborenen Malers Josef Dederichs, fand jetzt die Übergabe des Bewilligungsbescheides der NRW-Stiftung statt: (v.l.) Edith Busch, Prof. Dr. Michael Grade, Dieter Schröder, Ralf Sawatzki, Lutz Neumann und Dr. Hans-Peter Schick. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress Im Herbst erscheint die 800-Seiten-Enzyklopädie der Eifelmaler

Im Mechernicher Ortsteil Hostel befindet sich die „Redaktion“ für ein einzigartiges Buch. Genauer gesagt, im Haus von Dieter Schröder, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Maler der Eifel vor dem Vergessen zu retten und bereits vergessene wieder zu entdecken.

Seit 48 Jahren forscht er an diesem Thema, seine Recherchen füllen 180 Aktenordner. Im Februar 2016 gründete sich zur seiner Unterstützung der gemeinnützige Verein „Forschungsgruppe Eifelmaler“, der mit ihm gemeinsam das Ziel verfolgt, das Ergebnis

der jahrzehntelangen Detektivarbeit in Sachen Eifelkunst für die Nachwelt zu erhalten. Im Herbst dieses Jahres soll es so weit sein: Dann erscheint die 800 Seiten starke Enzyklopädie in einer Auflage von 750 Stück zum Preis von 39,80 Euro. „2000 Eifelmaler – Vor dem Vergessen gerettet und neu entdeckt“ wird der Titel lauten.

Auch die Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege, kurz NRW-Stiftung, mit Sitz in Düsseldorf, hat Interesse daran, dass dieses Monumentalwerk veröffentlicht werden kann. Sie bewilligte dem Verein, der nun mitten in der Produktion des Buches steckt, einen Zuschuss in Höhe von 5.000 Euro. Die Förderzusage überbrachte Ralf Sawatzki, Regionalbotschafter der NRW-Stiftung, jetzt bei einem Treffen des Vorstandes der Forschungsgruppe im Zimmer von Mechernichs Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick. Den Bewilligungsbescheid nahmen Prof. Dr. Michael Grade, erster Vorsitzender der „Forschungsgruppe Eifelmaler“ und selbst Maler, zweiter Vorsitzender und Geschäftsführer Dieter Schröder und Kassierer Lutz Neumann entgegen. Begleitet wurden sie zu diesem Anlass von Beisitzerin Edith Busch, der Witwe des berühmten Eifelmalers Theo Busch (1921 – 1999).

Ein Gemälde des Malers Josef Dederichs aus Bleibuir ziert auch den Festsaal der Alten Schule in Bleibuir. Dieter Schröder (r.), hier bei der Übergabe an Klaus-Peter Hoss vom Förderverein Alte Schule, schenkte das Bild 2013 der Stadt Mechernich. Es zeigt Oberstdorf in den Allgäuer Alpen. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPres
Ein Gemälde des Malers Josef Dederichs aus Bleibuir ziert auch den Festsaal der Alten Schule in Bleibuir. Dieter Schröder (r.), hier bei der Übergabe an Klaus-Peter Hoss vom Förderverein Alte Schule, schenkte das Bild 2013 der Stadt Mechernich. Es zeigt Oberstdorf in den Allgäuer Alpen. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress
Schon seit längerem gibt es zahlreiche Vorbestellungen, so unter anderem von Museen und Hochschulen. „Ich weiß von keinem vergleichbaren Regionalwerk“, vermutet Grade den Grund für das große Interesse.

Die Enzyklopädie enthält präzise und teils in detektivischer Detailarbeit recherchierte Biographien verstorbener Eifelmaler, ergänzt durch Fotos von Gemälden der Künstler. Als „Maler der Eifel“ definiert die Gruppe jeden verstorbenen Künstler, der nachweislich mindestens ein Eifelmotiv in seinem Werk verzeichnet. Dazu zählen auch auswärtige Künstler, die kürzere oder längere Zeit in oder nahe der Eifel verweilten, sowie „nur durchgereiste“ Maler wie etwa Albrecht Dürer, die die Eifel thematisiert haben. Der mit Abstand größte Teil der in dem Buch verewigten Altmeister lebte und wirkte allerdings dauerhaft in der Region.

Zu ihnen gehört auch der 1873 in Bleibuir geborene Malers Josef Dederichs. Entdeckt und gefördert wurde er vom Grafen von Aremberg, in dessen Diensten der Vater des Malers, der Förster Heinrich Dederichs, stand. Als Kind wurde Josef Dederichs von einer Jagdkutsche angefahren und hinkte seitdem. Daraufhin ermöglichte der Graf dem Jungen eine künstlerische Ausbildung. Nach dieser ließ sich der Künstler in Köln nieder, wo er 1958 verstarb. Zu seinen bevorzugten Motiven zählten selbstredend sein Heimatort Bleibuir und Eifellandschaften. Weitere Schwerpunkte seiner Malerei waren Alpen- und maritime Motive sowie Blumen.

Die Forschungsgruppe hat über die bekannten Eifelmaler hinaus auch zahlreiche Biographien von inzwischen vergessenen oder kaum bekannten Malern rekonstruiert. Dieser Kategorie widmet die Gruppe ihre besondere Aufmerksamkeit. Dabei entdeckte man im Laufe der Jahre Nachlässe von bis zu 1.000 durchaus hochwertigen Bildern, die noch nie in der Öffentlichkeit zu sehen waren.

Die Vorstandsmitglieder des Vereins „Forschungsgruppe Eifelmaler“: (v.l.) Prof. Michael Grade, Lutz Neumann und Dieter Schröder. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress
Die Vorstandsmitglieder des Vereins „Forschungsgruppe Eifelmaler“: (v.l.) Prof. Michael Grade, Lutz Neumann und Dieter Schröder. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress
Als „unbezahlbar“ lobte Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick das ehrenamtliche Engagement von Schröder und seinen Mitstreitern. Im Hinblick auf den Zuschuss in Höhe von 5.000 Euro erklärte Schick, dass die NRW-Stiftung bereits mehrere große Projekte im Stadtgebiet finanziell unterstützt habe. Als Beispiele nannten er und Sawatzki die Römerkanal-Brücke in Vollem und die St.-Barbara-Kapelle/Alte Dorfschule von Bergheim. Die Dorfgemeinschaft Eiserfey erhielt 18.000 Euro, um die Brücke als Teil der römischen Wasserleitung für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. In Bergheim stellte die NRW-Stiftung sogar

einen Zuschuss in Höhe von 80.000 Euro für die Errichtung eines Bergbau-Informationszentrums mit den Schwerpunkten „Soziologie des Bergbaus am Mechernicher Bleiberg“ und „Flora und Fauna am Bleiberg“ zur Verfügung.

„Es kommt viel in die Region zurück“, stellte Dr. Hans-Peter Schick fest.
Auch die Forschungsgruppe Eifelmaler selbst beweist Kreativität, um das Geld für die Veröffentlichung der Enzyklopädie aufzubringen. So wurden bereits zweimal hunderte Gemälde verlost, deren Erben selbst kein Interesse an den Werken ihrer Vorfahren haben.

                                                                                                         pp/Agentur ProfiPress

                                                                                                                                                                  (31. Mai 2017)