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„Verteidigung der Christenheit nicht dem Mob überlassen“

Der scheidende Kirchenmanager und Koordinator Bertram Jannes (62) mit Enkelsohn beim Abschiedsempfang im Mechernicher Johanneshaus. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress Der scheidende Kirchenmanager und Koordinator Bertram Jannes (62) mit Enkelsohn beim Abschiedsempfang im Mechernicher Johanneshaus. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress Bewegender Abschied und klare Ansagen zum Abschied von Berti Jannes (62) aus dem Kirchendienst – Ehrenamtliche Kirchenvorstände, Kollegen, fünf Geistliche und 123 Mitarbeiter beim Gottesdienst an St. Johannes Baptist – Anschließend Empfang im Johanneshaus – Kritische Worte für die Bistumsleitung und zwei Pfarrgemeinden vor Ort

Mechernich – Weit über hundert Gläubige, größtenteils in den katholischen Kirchengemeinden am Mechernicher Bleiberg engagierte Laien, haupt- und nebenamtliche Mitarbeiter, fünf Geistliche und zwei

Messdiener am Altar, vor allem aber ein stimmgewaltig für ihn singender Kirchenchor Mechernich unter der Leitung seines Schwagers Rainer Pütz nahmen am Montagabend in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist Abschied von Bertram Jannes (62), dem bisherigen Verwaltungsmanager des Kirchengemeindeverbandes Mechernich sowie Koordinator und Rendanten zahlreicher Pfarrgemeinden im Raum Schleiden und Mechernich.

Zu seinen Ehren hatten sich als Konzelebranten von Eifeldekan Erik Pühringer der in der Gemeinschaft der Gemeinden St. Barbara Mechernich als Subsidiar tätige Pfarrer Felix Dörpinghaus, Pfarrer Heinz-Josef Arenz und der frühere Holzheim-Harzheim-Nöthener Pfarrer Wilfried Reidt eingefunden. Es assistierte Diakon Manfred Lang.

Dekan Pühringer lobte in launigen Worten die Verdienste von Berti Jannes, was nicht ohne Humor und nicht ohne Bekenntnis der Freundschaft beider Kirchenmänner ging, die in schwierigen Zeiten seit dem Jahr 2000 mit den anderen Geistlichen und Laien der Pfarrgemeinden zusammengehalten und das Beste für Mechernich und Umgebung herausgeholt hatten. Nur zwei Pfarreien hatten auf eigenen Pfaden versucht, die Bistumskrise zu durchwinden, was schiefgegangen sei und Jannes bis heute auf die Palme bringt.

Mit lachendem und weinendem Auge

Beim Stehempfang im Johanneshaus vorne von rechts die Pfarrer Heinz-Josef Arenz und Felix Dörpinghaus, links von hinten Eifeldekan Erik Pühringer.  Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress
Beim Stehempfang im Johanneshaus vorne von rechts die Pfarrer Heinz-Josef Arenz und Felix Dörpinghaus, links von hinten Eifeldekan Erik Pühringer.  Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress
Daraus machte er auch in seiner Abschiedsrede nach dem Gottesdienst in St. Johannes Baptist keinen Hehl. Er gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge, bekannte der bald 63-Jährige, der als „letzte Amtshandlung“ seiner Frau Erna Jannes als Sakristanin von Mechernich die Kündigungspapiere zukommen ließ, damit beide gemeinsam den Ruhestand antreten und ausgiebig verreisen können.

„Das weinende Auge trauert den vielen netten Menschen nach, die mir in all den Jahren ans Herz gewachsen sind. Mit denen ich überlegen, planen und gestalten durfte. Mit denen ich Bauprojekte in den Kirchengemeinden durchführen und die Finanzen der Gemeinden in Ordnung halten
konnte.

Die vielen angenehmen, in der Sache zum Teil auch harten Kirchenvorstandssitzungen werden mir in Erinnerung bleiben. Ganz besonders fehlen wird mir aber »mein Kind«, der Kirchengemeindeverband“, sagte Bertram Jannes, bevor minutenlanger Applaus ihm den Beweis dafür lieferte, das auch er den meisten anderen Kirchenengagierten eng ans Herz gewachsen ist.

Der in Mechernich geborene und in Strempt aufgewachsene Tausendsassa, der 1975 für einen „Übergangsjob“ nach der Bundeswehr zur Kirchenverwaltung kam und 42 Jahre blieb, schied nicht ohne kritische Worte an die Adresse seiner alles in allem doch geliebten Kirche aus dem Amt. Denn nur um den, den man liebt, weint man – und das tue er angesichts der Verhärtung im Aachener Generalvikariat gegenüber der Basis in den Gemeinden, so Jannes.


Dramatische Veränderungen in der Kirche

Die Bewirtung übernahm die Mechernicher Weltjugendtagsgruppe mit (von links) Agnes Peters und Steffi Schäfer-Groeb. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress
Die Bewirtung übernahm die Mechernicher Weltjugendtagsgruppe mit (von links) Agnes Peters und Steffi Schäfer-Groeb. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress
Für die bevorstehenden noch dramatischeren Veränderungen in der Kirche, fühle er sich persönlich „zu müde“: „Es liegt die Vermutung nahe, dass in Kürze die flächendeckende Fusion von Kirchengemeinden angeordnet wird. Statt der kleineren wird es nur noch eine große Kirchengemeinde Mechernich geben – oder wie immer sie auch heißen mag – mit nur einem Kirchenvorstand und auch nur noch einer Buchführung.“

Seines Erachtens habe die Amtskirche aus den Fehlern der kommunalen Neugliederung der weltlichen Gemeinden nichts gelernt:



„Ohne die Basis an Prozessen zu beteiligen, wird von Aachen nur noch von oben herunter entschieden und angeordnet. Eine negative Entwicklung, die seit einer, durch die damalige Bistumsleitung verschuldeten Finanzkrise, mehr und mehr um sich greift.  In nicht einmal mehr zehn Jahren werden wir im Bistum nach neuesten Schätzungen nur noch 80 Pfarrer haben. Es deutet also alles auf große Veränderungen hin.“


Wo zwei oder drei in Jesu Namen versammelt sind


Vertreter der Pfarrgemeinde St. Willibrordus Nöthen mit (von links) Pastoralreferentin Katharina Sedlak und Ex-Pfarrer Wilfred Reidt. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress
Vertreter der Pfarrgemeinde St. Willibrordus Nöthen mit (von links) Pastoralreferentin Katharina Sedlak und Ex-Pfarrer Wilfred Reidt. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress
Bertram Jannes ermutigte seine bisherigen Mitstreiter im Ehrenamt, aber auch die hauptamtlichen Kollegen, mit denen er stets ein gutes Verhältnis gepflegt hatte, „das kirchliche Leben in jedem einzelnen Ort weiter zu leben und die kirchlichen Feste zu feiern - ob mit oder ohne Priester, getreu dem Versprechen Jesu »Wo zwei oder drei in meinem Namen zusammen sind, da bin ich mitten unter ihnen«.“

Jannes warnte bei seinem Abschied vor einer Dienstleistungskirche, in der sich die Gläubigen als Konsumenten von hauptamtlichen Gottesdienstangeboten entspannt zurücklehnen.

Laien sollten sich melden, ausbilden lassen und als Gottesdienstleiter selbst spirituelle Angebote in den Gemeinden machen. Jannes. „Wir dürfen unsere Außenvertretung nicht dem rechten Mob überlassen, der bei Pegida-Demonstrationen im Namen der Christenheit und unseren Glauben als Deckmäntelchen missbrauchend Montag für Montag in Dresden aufmarschiert und angeblich für die Erhaltung des christlichen Abendlands demonstriert.“

Nach der Heiligen Messe und Berti Jannes` engagierten Abschiedsworten gab es im Johanneshaus neben der Kirche einen lockeren Empfang, bei dem die Weltjugendtagsgruppe der Pfarre St. Johannes Baptist die Bewirtung übernahm.

                                                                                                         pp/Agentur ProfiPress

                                                                                                                                                              (01. Februar 2017)