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Hochwasser: Bürger müssen selbst aktiv werden

Helmut Schmitz (.) und Jörg Nußbaum, die beiden Verantwortlichen der Mechernicher Stadtwerke, wollen mit ihrer Aufklärungskampagne die Bürger zum Thema Hochwasserschutz sensibilisieren. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress Helmut Schmitz (.) und Jörg Nußbaum, die beiden Verantwortlichen der Mechernicher Stadtwerke, wollen mit ihrer Aufklärungskampagne die Bürger zum Thema Hochwasserschutz sensibilisieren. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress Flyer der Stadt Mechernich informiert über Vorbeugung und Verhalten bei Starkregen, Sturzfluten und Hochwasser

Mechernich – Die Extremwetterereignisse im vergangenen Sommer, die schwere Zerstörungen verursacht und in Einzelfällen Häuser unbewohnbar gemacht haben, haben eines deutlich vor Augen geführt: Es gibt vor diesen Naturgewalten – der Erftverband spricht von einem Jahrtausend-Hochwasser – trotz noch so guter Prävention keinen absoluten Schutz. Dies gilt jedenfalls dann, wenn Niederschläge in einer derartigen Menge niederprasseln und Bäche zu reißenden Flüssen machen.

Hatte bereits wenige Wochen nach den Überflutungen im Stadtgebiet die Mechernicher Feuerwehr die Bürger aufgeklärt, wie sie sich bei Hochwasser richtig verhalten und mit einfachen Mitteln dem Schlimmsten vorbeugen können, so sehen die beiden Verantwortlichen der Stadtwerke Mechernich, Helmut Schmitz und Jörg Nußbaum, die Bürger in den gefährdeten Regionen ebenfalls in der Eigenverantwortung. „Eigentümer müssen selbst Vorkehrungen treffen. Dabei sind wir ihnen behilflich“, sagt Helmut Schmitz. Hochwasser-Risikomanagement lautet das Schlagwort. Bestandteil ist beispielsweise ein von Jörg Nußbaum erstellter Flyer, der kostenlos an alle gefährdeten Haushalte verteilt wird und den Bürgern wertvolle Ratschläge gibt. Zusätzlich sollen auf der städtischen Homepage www.mechernich.de kurzfristig Hochwasserrisikokarten verlinkt werden.

Auch wenn die Fluten wieder abgelaufen sind: Die Angst vor dem nächsten Hochwasser ist da und begründet. Was Bürger selbst tun können und müssen, erklärt die Stadt Mechernich in einem Flyer. Foto: pp/Agentur ProfiPress
Auch wenn die Fluten wieder abgelaufen sind: Die Angst vor dem nächsten Hochwasser ist da und begründet. Was Bürger selbst tun können und müssen, erklärt die Stadt Mechernich in einem Flyer. Foto: pp/Agentur ProfiPress

„Solche Starkniederschläge hat es immer gegeben und kann es jederzeit erneut geben. Insbesondere der Klimawandel erhöht das Risiko“, führt Schmitz weiter aus. Als Beispiel führt er das Magdalenenhochwasser des Jahres 1342 an, eine historisch beispiellose, verheerende Überschwemmungskatastrophe nach einer längeren sommerlichen Trockenperiode mit darauffolgenden extrem heftigen Niederschlägen. Dabei kam es zu ungewöhnlich starken Oberflächenabflüssen, die Erosionsrinnen und Schluchten entstehen ließen und riesige Flächen fruchtbaren Ackerbodens mit sich rissen.

„Dieses historische Ereignis widerspricht ganz klar Behauptungen, die eine vermehrte Versiegelung und Bebauung verantwortlich machen für das Hochwasser im vergangenen Sommer“, betont Schmitz, „denn zu dieser Zeit war wesentlich weniger Bebauung vorhanden.“

Auch Wissenschaftler sind sich sicher, dass vor allem die Niederschlagsmenge und nur zu einem geringen Teil die Landnutzung ausschlaggebend für derartig große Überflutungen sind. So hatten beispielsweise Rüdiger Glaser, Direktor des Instituts für Physische Geographie an der Uni Freiburg, und andere Forscher bei einem Modellversuch eines früheren Neckarhochwassers simuliert, was passieren würde, wenn das Einzugsgebiet entweder völlig bewaldet oder komplett versiegelt wäre. Am Ende fiel das Hochwasser in der Betonvariante tatsächlich nur um ein Zehntel stärker aus.

Einfach und wirkungsvoll: In Satzvey hatte ein Hausbewohner mit Sandsäcken seinen Lichtschacht gesichert, um das Eindringen von Wasser in den Keller zu verhindern. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress
Einfach und wirkungsvoll: In Satzvey hatte ein Hausbewohner mit Sandsäcken seinen Lichtschacht gesichert, um das Eindringen von Wasser in den Keller zu verhindern. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress
„Technische Anlagen wie Kanäle und Rückhaltebecken können nicht für solche extremen Belastungsfälle ausgelegt werden“, stellt Jörg Nußbaum klar. „Vor zwei Jahren fielen in Bottrop 200 mm Niederschlag in zwei Stunden. In Grimma ereignete sich 2002 eine Jahrhundertflut, 2013 stand die Stadt erneut völlig unter Wasser“, nennt Schmitz weitere Beispiele. Tatsächlich lag die statistische Wiederholungswahrscheinlichkeit des Hochwassers von 2002 in Grimma bei 100.000 Jahren. Dass auf solche Statistiken kein Verlass ist, warnen Experten schon lange. Sie rechnen durch den Klimawandel mit einer erheblichen Zunahme der Niederschläge.



Bei der Stadt Mechernich setzt man sich seit dem Sommer 2016 intensiv mit dem Thema auseinander. Ziel ist keine Panikmache, sondern die Optimierung des Risikomanagements. Dazu beteiligt sich die Stadt beispielsweise an einem Forschungsprojekt zur Frühwarnung und hat in Zusammenarbeit mit dem Erftverband und der Bezirksregierung einen Katalog von zahlreichen kurz- und mittelfristigen Maßnahmen erstellt, die eine verbesserte Ableitung des Wassers und eine Entschärfung der Hochwassersituation bewirken sollen.

Beim Unwetter im Juli lief in Bleibuir ein tiefer gelegenes Grundstück voll Wasser, auf dem sich unter anderem ein Gastank befindet. Das gestapelte Brennholz machte sich selbstständig. Foto: Sarah Winter/pp/Agentur ProfiPress
Beim Unwetter im Juli lief in Bleibuir ein tiefer gelegenes Grundstück voll Wasser, auf dem sich unter anderem ein Gastank befindet. Das gestapelte Brennholz machte sich selbstständig. Foto: Sarah Winter/pp/Agentur ProfiPress
Gleichermaßen gelte aber auch, dass der Schutz von privaten Anlagen primär von den Eigentümern zu leisten seien, erklären Schmitz und Nußbaum.
Ähnlich hatte sich auch schon Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick geäußert, als es ihm im Sommer nach vehementem Einsatz gelungen war, finanzielle Soforthilfe für die Flutopfer im Stadtgebiet Mechernich durch das Land zu erhalten. Bereits da hatte er unmissverständlich klargestellt, dass solche Schäden auf Dauer nicht sozialisiert werden dürfen, sondern die Bürger für ihr Hab und Gut selbst Vorsorge zu treffen haben.





                                                                                                       pp/Agentur ProfiPress


                                                                                                                                                          (13. Januar 2017)