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Hochwasserschutz mit einfachen Mitteln

Mechernichs Feuerwehr-Pressesprecher Georg Leyendecker (l.) und Wehrleiter Jens Schreiber geben praktische Tipps zum Verhalten bei Hochwasser. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress Mechernichs Feuerwehr-Pressesprecher Georg Leyendecker (l.) und Wehrleiter Jens Schreiber geben praktische Tipps zum Verhalten bei Hochwasser. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress Jens Schreiber und Georg Leyendecker von der Mechernicher Feuerwehr geben Tipps, wie Hausbewohner sich bei Hochwasser richtig verhalten – Vorwarnung mit Smartphone-App Katwarn

Mechernich – Kleine Bäche werden zu reißenden Flüssen, Wasser zeigt seine Zerstörungskraft, dringt in Keller ein, reißt Gastanks mit sich, lässt ganze Hänge abrutschen. Die Unwetter mit Hochwasserfolgen nehmen zu: Ende Mai traf es unter anderem Kallmuth, Anfang Juni Eiserfey. Beim vorerst letzten, am 21. Juli, waren Kommern, Firmenich und Obergartzem besonders schlimm betroffen.

Viele Bürger treffen solche lokalen Unwetter unvorbereitet. Dabei können sie Maßnahmen treffen, um zu verhindern, dass das Wasser in Häuser eindringt. „Als ich durchs überschwemmte Kommern gegangen bin, habe ich mir auch die Frage gestellt, wie man sich bei Hochwasser und Unwettern generell zu verhalten hat“, sagte Jens Schreiber, Mechernichs Feuerwehrleiter, und fand: Da muss man Aufklärung betreiben.

Besonders Bürger, die in Bachnähe wohnten, müssten sich schützen, so Schreiber. „Das geht mit einfachen Mitteln, etwa Brettern und Sandsäcken“, sagte der Wehrleiter. Allein auf die Feuerwehr könnte man sich bei einem vollgelaufenen Keller nämlich nicht verlassen. „Wir erhalten von der Leitstelle sogenannte Blitzmeldungen über Einsätze, bei denen Menschenleben in Gefahr sind“, erklärt Schreiber. Beim letzten Hochwasser waren das etwa ein umgestürzter Baum, der ein Auto auf der Bundesstraße 266 unter sich begraben hatte, das eingedrungene Wasser im Keller des Kreiskrankenhauses sowie ein Brandmeldeeinlauf. „Auch wenn Personen in ihrem Haus eingeschlossen sind, hat das Vorrang“, ergänzt Georg Leyendecker, Pressesprecher der Mechernicher Wehr.

In Satzvey hat ein Hausbewohner mit Sandsäcken seinen Lichtschacht gesichert, um das Eindringen von Wasser in den Keller zu verhindern. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

In Satzvey hat ein Hausbewohner mit Sandsäcken seinen Lichtschacht gesichert, um das Eindringen von Wasser in den Keller zu verhindern. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Bei dem Unwetter Anfang Juni hatten Eiserfeyer Bürger mit Doppelstegplatten eine Barriere errichtet und so verhindert, dass das Wasser auf ihre Grundstücke lief. „Da muss man bei Gewitter natürlich aufpassen, wenn man im Wasser steht, begibt man sich in Lebensgefahr“, sagte Schreiber. Grundsätzlich sei die Idee aber gut gewesen.

Denkbar ist auch, mit Brettern das Wasser am Eindringen ins Haus zu hindern. Damit man die auch möglichst schnell anbringen kann, empfiehlt Schreiber das Anbringen einer Metallschiene vor Hausöffnungen, in die man das passende Brett bei Bedarf nur noch stecken muss. Eine solche Maßnahme ist zwar keine Garantie dafür, dass das Wasser nicht doch eindringt. „Aber man hält es zunächst einmal auf“, so Mechernichs Feuerwehrchef.

Optimieren kann man das Ganze, indem man zwischen Brett und Haus noch Folie anbringt. „Die kann man mit Steinen befestigen oder noch besser mit Sandsäcken.“ Wichtig bei Sandsäcken, die es in vielen Baumärkten gibt (natürlich ohne Sand): auf keinen Fall randvoll machen, damit sie formbar bleiben. Außerdem muss der passende Sand eingefüllt werden. Bausand mit einer Körnergröße von zwei bis sechs Millimetern eignet sich am besten.


Wasser wird auf

Überschwemmungsflächen umgeleitet


In Satzvey haben viele Bürger nach dem Hochwasser vor 14 Jahren ihre Grundstücke mit einem Hochwasserschutz umfriedet. Das Wasser wird von den Grundstücken ferngehalten und auf Überschwemmungsflächen umgeleitet. Die sollten sich nicht direkt am Bach, sondern eher in Hausnähe befinden, so Schreiber.

Gerade in Obergartzem verfügen viele Häuser in Bleibachnähe über Pumpensümpfe vor dem Haus, die verhindern sollen, dass der Keller vollläuft. „Dafür braucht man aber Strom und der ist bei dem Hochwasser ausgefallen“, sagte Schreiber. Aus diesem Grund hatte die Feuerwehr das Technische Hilfswerk angefordert, das die Ortschaft mit Notstrom versorgte.

Wichtig ist natürlich auch, zunächst einmal über ein Unwetter informiert zu werden. Das geht in der heutigen modernen Zeit am besten über Smartphone-Apps. Der Kreis Euskirchen war einer der Vorreiter in Sachen Katwarn, einem Warnsystem, das im Gegensatz zur App des Deutschen Wetterdienstes nicht nur vor Unwetter, sondern auch vor Terroranschlägen, Chemieunfällen oder sonstigen Katrastrophen warnt. Ausgelöst wird es von der jeweiligen Rettungsleitstelle.

Nicht nur Häuser wurden überschwemmt. In Bleibuir wurde dieses VW-Käfer-Gespann, das auf einem unter Straßenniveau gelegenen Grundstück geparkt war, von den Wassermassen überrascht. Foto: Sarah Winter/pp/Agentur ProfiPress
Nicht nur Häuser wurden überschwemmt. In Bleibuir wurde dieses VW-Käfer-Gespann, das auf einem unter Straßenniveau gelegenen Grundstück geparkt war, von den Wassermassen überrascht. Foto: Sarah Winter/pp/Agentur ProfiPress
Gründe, warum aus Unwettern so schnell Hochwasser werden, gibt es viele. Bachläufe wurden bei der Flurbereinigung vor vielen Jahren begradigt. Die Fließgeschwindigkeit nimmt zu. „Bäche sollten vor Ortschaften abgefangen werden“, meint Schreiber dazu. Dazu müssten sie aber wieder in ihre ursprüngliche Form zurückgebracht werden, also wieder so kurvenreich werden wie früher.

„Viele Bäche werden unter Bebauungen durch enge Kanäle geleitet“, ergänzt Leyendecker. Auch so entsteht ein enormer Druck, das Wasser schießt aus dem Kanalrohr raus. Verstopfte Wehre in Bächen tun ihr Übriges.

Und dann will Leyendecker auch einen Zusammenhang zwischen Hochwasser und der gestiegenen Zahl der Maisfelder nicht ausschließen. „Die Böden sind so hart, dass sie kaum Wasser aufnehmen“, so der Feuerwehrmann.


                                                                                                       pp/Agentur ProfiPress

                                                                                                                                                           (4. August 2016)


 
Tipps für das richtige Verhalten bei Unwetter

Wen ein Unwetter im Freien überrascht, der sollte versuchen, Schutz in einem Gebäude zu suchen. Bei starkem Sturm empfehlen sich allerdings keine Hallen mit großen Deckenspannweiten. Ungeschützte Orte sollte man meiden, da einen dort vom Sturm mitgerissene Gegenstände oder Hagelkörner treffen können. Gibt es bei Hagel keinen Schutz, empfiehlt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), sich auf den Boden zu legen, mit dem Gesicht nach unten, und Nacken und Kopf mit den Händen zu schützen.

Bei Gewitter sollte man offenes Gelände, Berggipfel, Bäume, Türme, Masten, Antennen und Zäune meiden. Zu Überlandleitungen sollte ein Abstand von 50 Metern eingehalten werden. Auch das Aufspannen von Regenschirmen oder das Verwenden von Fahrrädern sollte vermieden werden. Wird man auf freiem Feld vom Gewitter überrascht, rät das BBK, sich mit eng zusammenstehenden Füßen, möglichst in einer Mulde, hinzuhocken.

Ist man während eines Unwetters zu Hause, sollten bei Hagel und Wirbelstürmen die Fenster sowie die Roll- und Fensterläden geschlossen werden. Hat man keine Roll- und Fensterläden, sollte man sich von den Fenstern fernhalten. Das BBK empfiehlt, sich im Erdgeschoss aufzuhalten, keinesfalls im Keller, da dieser überflutet werden kann. Empfindliche Geräte gehören vom Stromnetz, es sei denn, ein Überspannungsschutz wird verwendet.

Nach dem Unwetter sollte genau kontrolliert und dokumentiert werden, was durch Wassereinbruch oder Glasbruch zerstört wurde. Wenn im Keller Heizöl oder gefährliche Substanzen freigesetzt worden sind, ist die Feuerwehr zu verständigen. Beim Betreten überfluteter Keller besteht die Gefahr eines Stromschlags, wenn der Hausanschlusskasten im Keller angebracht ist. Bei Schäden am Dach oder starken Beschädigungen am Haus empfiehlt es sich, die Feuerwehr zu verständigen. Elektrische Geräte sollten nur dann in Betrieb genommen werden, wenn sie nicht feucht geworden sind.

                                                                                                  pp/Agentur ProfiPress