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Ein Tag an der Sekundarschule

„Das Lernbüro ist ein wichtiges Standbein der Sekundarschule“, erklärt Schulleiterin Dagmar Wertenbruch. Das Lernbüro ist in der dritten Stunde der langen Tage eingebaut. Dort können die Schüler Hausaufgaben und Übungen in Einzelarbeit unter Aufsicht eines Lehrers machen.  Foto: Felix Lang/pp/ Agentur ProfiPress „Das Lernbüro ist ein wichtiges Standbein der Sekundarschule“, erklärt Schulleiterin Dagmar Wertenbruch. Das Lernbüro ist in der dritten Stunde der langen Tage eingebaut. Dort können die Schüler Hausaufgaben und Übungen in Einzelarbeit unter Aufsicht eines Lehrers machen. Foto: Felix Lang/pp/ Agentur ProfiPress Eine Reportage von ProfiPress-Reporter Felix Lang, der vor nicht allzu langer Zeit selbst noch zur Schule ging – Sein Fazit: Lehren und Lernen mit Computer-Unterstützung, Multimediales „Whiteboard“ statt Tafel und Kreide, partnerschaftliche Methoden, hohe Selbsteinschätzung- und -kontrolle, bemerkenswerte Disziplin, Team-Teaching nicht nur im integrativen Bereich

Eine „Kultur der Anerkennung, der Wertschätzung, des Förderns und Forderns“ soll sich an der neuen Sekundarschule Mechernich-Kall entwickeln.

Die „Pänz“ sollen sich wohlfühlen – und gleichzeitig optimal fürs Leben lernen.

Das haben sich Schulleiterin Dagmar Wertenbruch und ihr noch überschaubares Kollegium fest vorgenommen. So fest, dass sie es als „Leitlinie“ der neuen Schulform auf ihre Website gestellt haben.

Bereits zum Start im laufenden Schuljahr 2013/2014 haben sich spontan nicht weniger als 170 Schüler für die neue Schulform angemeldet, die einen optimalen Schnitt aus den früheren Real- und Hauptschulen bildet und allen Kindern alle Bildungschancen und Schulabschlüsse eröffnen soll. Noch dazu an zwei Schulstandorten in unterschiedlichen Kommunen, Mechernich und Kall.

Schüler essen in der Kantine

An den langen Tagen, also acht Schulstunden bis in den Nachmittag, bekommen die Kinder in der Kantine etwas zu essen. Pizza und Salat sind beliebte Speisen auf der Karte. Foto: Felix Lang/pp/Agentur ProfiPress
Da hat die die Stadt Mechernich in ihrer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit begleitende Agentur ProfiPress vor den Weihnachtsferien einmal die Probe aufs Exempel gemacht und nachgeforscht, wie sich denn nun so ein Schulalltag an der gänzlich neuen Schulform anfühlt. Der junge Reporter und Fotograf Felix Lang, der gerade selbst Abitur am Mechernicher Turmhof-Gymnasium gemacht hat, hat sich umgesehen.

Der Redaktionsassistent hat einen ganz normalen Schultag an der Sekundarschule verbracht, die sich eines neuartigen Unterrichtssystems bedient, bei dem nicht die Lehrer die Klassen abwechselnd unterrichten, sondern die Schüler von Hörsaal zu Fachunterrichtsraum wechseln.

Und zwar, um ihre spezielle Fächerkombination und ihren erforderlichen Lernstoff mit Computer- und Multi-Media-Wand-Unterstützung an so genannten Whiteboards zu erlernen.

Rein rechnerisch ist die neue Sekundarschule Mechernich-Kall sechszügig, vier Klassen in Mechernich und zwei in Kall. Einige Dinge werden hüben und drüben von den gleichen Lehrpersonen unterrichtet, andere Dinge, wie bereits einen gemeinsamen Wandertag und Schulgottesdienste wie zuletzt vor Weihnachten, unternehmen Schüler und Lehrer beider Schulstandorte gemeinsam.

Das Besondere an der Sekundarschule ist, dass nicht nur Schüler mit Empfehlungen für die verschiedenen Sekundarstufen I der Haupt-, Realschule oder des Gymnasiums zusammen unterrichtet werden, sondern dass es auch Inklusionsklassen gibt, in denen Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf mit den anderen Kindern lernen können

Textilgestaltungsunterricht mit Schulleiterin Dagmar Wertenbruch
Im Textilgestaltungsunterricht mit Schulleiterin Dagmar Wertenbruch nehmen die Schüler das Thema „von der Wolle bis zum Faden“ durch. Als Teil des Unterrichts modellieren die Schüler mit Fäden und Kleister ihr eigenes Gesicht dreidimensional nach. Foto: Felix Lang/pp/Agentur ProfiPress
Wie sieht ihr Schultag aus? Unser Reporter notiert: Es ist Mittwochmorgen vor der ersten Stunde, Kinder laufen durch das Foyer. Soweit ich das beurteilen kann, sind sie gut gelaunt. Sie spielen, es scheint noch etwas Zeit zu sein, ehe der Unterricht anfängt.“

Unser Beobachter wechselt den Standort: „Auch im Lehrerzimmer herrscht Aufbruch-Stimmung. Ein Lehrer sucht noch Arbeitsblätter im Regal, ein anderer verlässt mit Aktentasche in der einen Hand und CD-Player unter dem anderen Arm den Raum. Angestrengt versucht er, die Tür hinter sich mit dem Fuß zu schließen, eine Lehrerin hilft ihm dann doch.“

Und dann draußen auf den Fluren: „ Alles läuft schnell, aber geordnet ab. Die Gänge werden von einem Strom aus Schülern ausgefüllt, der sich nach und nach an den Türen der Lehrerräume bricht, und am Ende des Flurs ganz versiegt ist.“

Jetzt befindet sich der Reporter im Raum von Sheryl Bauchwitz, gemeinsam mit der 5a, einer der sechs Eingangsklassen der Sekundarschule Mechernich-Kall in Mechernich. Es ist die Inklusionsklasse aus Schülern mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf. „Der Gong zum Stundenanfang ertönt um 7.30 Uhr. Sheryl Bauchwitz, die ihre Schüler liebevoll »Misses B.« nennen, gibt das Zeichen zum Aufstehen und Guten-Morgen-Sagen. Dass es sowas noch gibt . . . Aber tatsächlich: Alles wird still, die Kinder stehen zur Begrüßung auf. Und dann? Alles klatscht kollektiv mit den Händen: Erst zwei kräftige Schläge mit den Handinnenseiten auf die Oberschenkel, danach klatschen alle zweimal in die Hände, und dann noch dreimal auf die Oberschenkel. Währenddessen rufen die Kinder mit jedem „Klatscher“ eine Silbe: „Gu-ten Mor-gen Frau Bauch- witz!“

Schüler spielen Basketball
In der siebten und achten Stunde können sich die Schüler so richtig auspowern. Im Sportunterricht mit Richard Kröber ist Basketball Thema. In schnellen, fairen und kollegialen Spielen wechselte der Ball oft die Seiten. Foto: Felix Lang/pp/Agentur ProfiPress
Der Reporter notiert: „Wer nach dieser lautstarken und tatkräftigen Begrüßung noch nicht wach ist, dem hilft Sheryl Bauchwitz mit ein zwei netten Worten auf die Sprünge: »Ordner und Hefte rausholen, wir fangen jetzt an.«“

Die Materialien, mit denen gearbeitet wird, kennt der Berichterstatter aus seiner eigenen, erst kürzlich vergangenen Schulzeit: „Auch der Klassenraum sieht nicht ungewöhnlich aus. An der einen Seite stehen Schränke mit Büchern. An der anderen Seite hängen Landkarten und Pin-Wände. Aber da, wo im Gymnasium am Turmhof die Schultafeln hängen, was ist das?

Eine weiße Wand mit zwei Lautsprechern links und rechts, und einem Kasten, der über der Mitte der Tafel heraus ragt. Und von Kreide keine Spur.“

Sheryl Bauchwitz unterrichtet Technik und Biologie, in der Eingangsklasse der Sekundarschule ist Biologie mit Physik als „Naturwissenschaft“ zusammengefasst. Außerdem gibt sie Englisch. Der Reporter notiert: „Sheryl Bauchwitz startet den Computer, der auf ihrem Schreibtisch steht, und schaltet die weiße Multi-Media-Wand ein, die an Stelle der Tafel die Stirnseite der Klasse ausmacht und sie zu so etwas wie einem Hörsaal an der Uni macht.“

Das System nennt sich „Easiteach“, das heißt  „leichtes Unterrichten“. Der Reporter fragt sich, ob es auch „leichtes Lernen“ für die Kinder bedeutet und beobachtet, wie das System „hochfährt“, wie man in der Computersprache sagt, und anfängt, zu arbeiten: „Auf der weißen Fläche des »Whiteboards« erscheint tatsächlich die elektronische Tafel. »Das ist unsere Kreide«, sagt Sheryl Bauchwitz und hält einen weißen überdurchschnittlich großen Stift mit Tasten an jeder Seite hoch. Sie klickt an der weißen Tafel, auf der ein projizierter Bildschirm erscheint. Ein neues Programm geht auf, die Lehrerin beginnt, zu schreiben.“

Englischunterricht
Auch im Englischunterricht mit der 5c bei Katharina Gutorski wird nicht nur rumgesessen. Nach einer disziplinierten Schulstunde spielen die Schüler noch ein Spiel bei dem ein Ball einem Mitschüler zugeworfen wird, um ihn darauf in Englisch zu verabschieden. Foto: Felix Lang/pp/Agentur ProfiPress
Thema der bis dahin letzten Stunde war die Herstellung von Papier. Man hatte sich auf dem „Whiteboard“ multimedial einen Lehrfilm angesehen. Jetzt fragt Sheryl Bauchwitz , was hängen geblieben ist. „Sie erklärt mir, dass es nicht nur in der Inklusionsklasse mit den sechs speziell zu fördernden Schülern wichtig sei, am Anfang der Stunde die gelernten Inhalte zu wiederholen. »Was von allen Schülern in einer »Mindmap« zusammengefasst wird, muss jeder einzelne Schüler auch im eigenen Ordner übernehmen und für sich vervollständigen.« Die Schüler lernen in Einzel- und Partnerarbeit an Lernstationen.“

Sheryl Bauchwitz berichtet, dass sie vor Gründung der Sekundarschule Mechernich-Kall Lehrerin an der städtischen Mechernicher Realschule im Feytal war. Es sind zum Teil die gleichen, allerdings umgebauten Räumlichkeiten, in denen sie jetzt unterrichtet. „Das ist Wahnsinn, wie die Räume modernisiert wurden“, so Bauchwitz, und fügt an, dass das System „Easiteach“ einen Quantensprung im Unterrichten und Lernen darstelle. „Ich unterrichte gerne“, verrät sie im Interview, „und durch  »Easiteach» ist das Lehren und Lernen noch effektiver geworden.“  In ihrer 5a können sie beobachten, wie sich die Kinder gegenseitig beim Lernen unterstützen und helfen.

Unser Reporter notiert: „Dann ertönt der Gong. Es ist 8.15 Uhr. Die erste und zweite Stunde mittwochs morgens sind zu einer Doppel-Stunde zusammengefasst. Neben dem Technikunterricht bei Sheryl Bauchwitz unterrichtet Katharina Gutorski in der 5c Englisch. Nach der Fünf-Minuten-Pause geht es um 8.20 Uhr mit dem Unterricht weiter. Die Schüler Katharina Gutorskis sitzen nach der einen oder anderen Aufforderung wieder still an ihren Plätzen bei der Arbeit. Ihre Aufgabe ist es, einen englischen Text über den Schulalltag durchzuarbeiten.“

Und weiter: „Neben der Tür hängt ein Plakat, auf dem die Klassenregeln zusammengefasst sind. Ich lese eherne Vorsätze wie »Ich arbeite leise«, »Ich höre zu, wenn andere sprechen« oder »Ich bin nett und höflich zu anderen«. Das hat man den Schülern nicht einfach aufgedrückt – sie haben es tatsächlich unterschrieben – und Tatsche ist, dass sie leise am arbeiten sind . . .“

Insgesamt 17 Lehrer unterrichten an der Sekundarschule Mechernich-Kall. Acht davon unterrichten an beiden Standorten und müssen pendeln. Hier stehen fünf mit Schulleiterin Dagmar Wertenbruch (r.) vor einer der neuen multimedialen „Whiteboards“
Insgesamt 17 Lehrer unterrichten an der Sekundarschule Mechernich-Kall. Acht davon unterrichten an beiden Standorten und müssen pendeln. Hier stehen fünf mit Schulleiterin Dagmar Wertenbruch (r.) vor einer der neuen multimedialen „Whiteboards“. Foto: Felix Lang/pp/Agentur ProfiPress
Nachdem die Schüler den Text durchgearbeitet haben, spielt Katharina Gutorski ihnen eine CD vor. Jemand liest den Stundenplan vor, den die Schüler gerade im Englischen durchgearbeitet haben, und baut dabei an manchen Stellen absichtlich Fehler ein. Das sollen die Kinder merken und aufdecken – und sie merken es und melden sich.

„Damit wollen wir das Hör-Verstehen der Schüler trainieren“, sagt Gutorski dem Agentur-Reporter. Der Reihe nach müssen die Schüler erkennen, ob die Person das richtige oder falsche Fach der Zeit zugeordnet hat und dann die Antwort „That is right“ oder „That is wrong“ geben.

Als nächstes müssen die Schüler im Chor gemeinsam den „Schul-Rap“ aus dem Englischbuch rezitieren: „Ab und zu unterbricht Katharina Gutorski die Übung und hilft einzelnen Schülern bei der richtigen Aussprache. Nachdem der Rap sitzt, lernen die Schüler in kleinen Dialogen über ihre Hobbys Englisch - und das, wie es scheint, fast spielerisch. Auch die zweite Stunde ging so schnell rum wie die erste. Um 9.05 Uhr packen die Kinder zusammen. Nach dem Hörsaal-Prinzip wechseln sie die Räume, nicht die Lehrer.“

Auf dem Flur erklärt Dagmar Wertenbruch unserem Reporter die  Besonderheiten der langen Unterrichtstage Montag, Mittwoch und Donnerstag: „Jetzt in der dritten Stunde haben wir das sogenannte Lernbüro. Dort können die Schüler in stiller Arbeit ihre Hausaufgaben und Wochenpläne abarbeiten, damit sie dann auch wirklich nach der achten Stunde Schluss haben.“

Schüler Pascal kann das unserem Beobachter nur bestätigen: „ »Das ist cool, dass wir, wenn wir schon den ganzen Tag arbeiten müssen,  nachmittags frei haben.«  Was ihm an der Sekundarschule am besten gefällt, will ich wissen: »Die Tafel ist cool und die Lehrer sind nett.« Richard Kröber, Deutsch- und Sportlehrer, betreut eins der Lernbüros und hat fächerübergreifend ein offenes Ohr für Fragen. Er gibt den Schülern gerne Hilfestellung, wie er sagt.“

Im Textilgestaltungsunterricht hält Schulleiterin Dagmar Wertenbruch ein gut gelungenes „Woll-Portrait“ von einem ihrer Schüler in die Luft
Im Textilgestaltungsunterricht hält Schulleiterin Dagmar Wertenbruch ein gut gelungenes „Woll-Portrait“ von einem ihrer Schüler in die Luft. Aufgabe war es sein eigenes Abbild mit Kleister und Wolle dreidimensional nachzubilden. Foto: Felix Lang/pp/Agentur ProfiPress
„Das Gute am Lernbüro ist, dass die Schüler ihr eigenes Tempo bestimmen können und an Knackpunkten auch mal was mehr Zeit aufwenden können, um die einzelnen Lernschritte nochmal nachvollziehen oder ein paar Übungsaufgaben bewältigen zu können,“ sagt Kröber unserem Reporter. „Auch die Lehrer profitieren vom Lernbüro“, so Kröber: „Man kann auch die Vorgehensweise von anderen Lehrern kennenlernen. Das hilft bei Vertretungsstunden. Man weiß, wo die anderen Klassen im Lehrplan dran sind!“

Von 9.55 bis 10.20 Uhr ist große Pause, aber nicht für unseren Berichterstatter. Richard Kröber gibt ihm Nachhilfe am „Whiteboard“ und erklärt ein paar technische Raffinessen des neuen Computer-gestützten Systems. „Zum Beispiel gibt es ein Online-Klassenbuch“, zeigt Kröber am Computer, es funktioniere wie ein „Cloud“ (englisch = Wolke), ein Datenspeicher im Netz.

„Hier hab ich jetzt eine Liste von allen Schülern“, erklärt er, „und da kann ich alle meine Schüler einem Sitz-Plan zuordnen, und auf einen Blick erkennen, falls jemand fehlt.“ Das Verfahren erleichtert es außerdem, streitbare Nachbarn und kollektive Störenfriede zu trennen.

Richard Kröber zeigt uns auch ein anderes Lernsystem namens „Moodle“, das Unterrichtsmaterial der Lehrer passend zum Lehrplan speichert. „Das bedeutet zwar, dass wir jetzt am Anfang mehr Arbeit haben als die, die dann auf unser schon erarbeitetes Material zugreifen können. Aber es ist auch ein tolles Gefühl, Pionierarbeit zu leisten und etwas mit aufzubauen“, so Richard Kröber. 

Unser Reporter stellt dem engagierten jungen Mann die Frage aufs Exempel: „Glaubt er, dass er die Sekundarschüler im Lehrstoff beieinander zu halten vermag? Die Antwort kommt spontan: »Oh ja!«. Dann kramt er in seiner Aktentasche herum und holt Papier ans Tageslicht. Es sei der Bewertungsbogen der bis dahin letzten Klassenarbeit im Fach Deutsch. Dann erklärt Kröber mir: »Hier sind die drei Würfel mit jeweils einem, zwei oder drei Punkten drauf.« Ich verstehe: Die Kinder können den Schwierigkeitsgrad bei Klassenarbeiten selbst bestimmen. Ein Punkt auf dem Würfel zeigt die leichteste Stufe an, drei Punkte die schwerste.“

Natürlich hat die Sache auch einen Haken: Wer nur einen Punkt nimmt, kann automatisch keine gute oder sehr gute Note bekommen. Der Vorteil ist, dass die Schüler sich selbst sehr gut einschätzen lernen, so Richard Kröber: „Manche Jungen und Mädchen ahnen, dass sie die schwerste Klassenarbeit mit den drei Punkten nicht gut zu Ende führen würden, und nehmen dafür eine leichtere Aufgabenstellung, mit der sie eher fertig werden, wenn es dafür auch keine Eins gibt, sondern »nur« eine solide Drei-plus. Natürlich werden die Kinder bei der Auswahl des Schwierigkeitsgrades vom Lehrer beraten.“

Lehrer gibt einem Schüler Hilfestellung
Im Lernbüro können die Schüler an den langen Schultagen ihre Hausaufgaben und Wochenpläne abarbeiten, sodass sie nach Schulschluss ihre Freizeit genießen können. Die Lehrer geben fächerübergreifend Hilfestellungen. Foto: Felix Lang/pp/Agentur ProfiPress
Auf dem Pausenhof spielen sich Szenen ab, wie auf vermutlich allen Schulhöfen dieser Welt: In einer Ecke spielen die Fußball-Cracks und schießen auf torähnliche Markierungen. In der Mitte des Schulhofs spielen größere Gruppen Nachlaufen und Fangen. Aber es gibt auch ruhigere Ecken, wo zwei sich unterhalten oder Karten spielen. Der Gong trennt sie alle und delegiert sie in die Unterrichtsräume zurück.

„Die vierte Stunde beginnt um 10.20 Uhr“, notiert unser Reporter: „Katharina Gutorski und Schulleiterin Dagmar Wertenbruch versammeln ihre Schützlinge in einem Klassenraum, in dem sich die eine Hälfte mit Wolle und Kleister an die Arbeit macht, und die andere sich mit Kopfhörern bewaffnet in Zweierreihen hinter Katharina Gutorski aufstellt, um im geordneten Zug in Richtung Computerraum zu wechseln.“

Dort öffnen die Kinder an den Rechnern ein Lernportal im Internet, das an die eigenen Schulbücher gekoppelt ist, die sogenannte „online-Diagnose“. Online-Diagnosen am Computer können die Schüler in Englisch, Mathematik und Deutsch machen. Ziel der Diagnose ist es, Defizite und Stärken jedes einzelnen Schülers zu ermitteln und individuell zugeschnittene Lernmaterialien zu erstellen.

Daran können die Schüler im Verlaufe des Schuljahres arbeiten und absolvieren die Aufgaben später wieder, Lehrer und Schüler erkennen so individuelle Lernfortschritte. Die 5d hat heute Englisch-Diagnose und braucht für das Hörverstehen die Kopfhörer.

Währenddessen und auch noch in der fünften Stunde von 11.10 bis 11.55 Uhr arbeiten die Schüler mit Dagmar Wertenbruch im Fach Textilgestaltung. „Von der Faser zur Wolle“ lautet der Titel der Unterrichtsreihe. Nachdem die Schüler gelernt haben, wie ein Wollfaden entsteht, beginnen sie damit, mit Wolle zu arbeiten, beispielsweise dreidimensionale Wollgesichter auf Papier zu gestalten.

„Nach der fünften Stunde ist an den Lang-Tagen bis 13.05 Uhr Mittagspause. Es wird wieder lauter auf den Fluren. Die Schüler stellen sich vor den Klassenräumen an einer Seite auf, dann ziehen sie im geordneten Zug mit jeweils einem Lehrer pro Klasse in die Kantine. Die Kinder verhalten sich diszipliniert, sie stellen sich mit ihrem Lehrer in der Schlange an und warten geduldig auf die Ausgabe ihrer Mittagsessen. Aber das Mittagsangebot besteht nicht nur aus Pizza, Nudeln, Salat und Braten. Es gibt ein so genanntes »Mittagsangebot».“

In den Fächern Mathematik, Deutsch und Englisch machen die Schüler regelmäßig sogenannte Online-Diagnosen
In den Fächern Mathematik, Deutsch und Englisch machen die Schüler regelmäßig sogenannte Online-Diagnosen. In kleinen Tests im Netz werden die Schüler geprüft umso Stärken zu fördern und Schwächen zu bekämpfen. Foto: Felix Lang/pp/ Agentur ProfiPress
„Ja, die Schüler sollen den ganzen Tag ein ausgewogenes Programm haben.“, sagt Schulleiterin Dagmar Wertenbruch unserem Reporter. Der notiert: „Martin Nieder, Mathematik- und Naturwissenschaftslehrer, zum Beispiel geht mit einigen Schülern im nahe gelegenen Wald wandern. Ein Highlight jeder Mittagspause ist der Soccer-Court oberhalb des Mechernicher Aschenplatzes. »Mrs. B.«, die Unparteiische des Mini-Turniers, und wilde Horden von Mitschülern stehen um den Platz und feuern ihre Klassenkameraden im Freundschaftsspiel an. Knapp vor Schluss fällt das 1:0 und »Mrs. B.« beendet die Partie.“

Im Sportunterricht der 5a mit Richard Kröber steht Basketball auf dem Plan.

Auch Sonderpädagogin Marita Santema, mit voller Stundenzahl von der Förderschule am Veybach zur Sekundarschule abgeordnet, ist mit im Unterricht.

Zwei ihrer besonderen Schützlinge, Leonie und Pascal, sind auch dabei. Besonders, weil die zwei mit sehr unterschiedlichem sonderpaedagogischem Förderbedarf auf die Sekundarschule gekommen sind. „Es ist super, mit anzusehen, wie sich die Schüler gegenseitig unterstützen und nicht wie viele Kritiker dachten, die „Schwachen auf der Strecke bleiben würden“, so Santema.

Sie fügt an, dass nicht nur die zu fördernden Schüler am Lernerfolg der anderen teilhaben, da sie von ihnen Hilfe bekommen, sondern auch die anderen – „sogar in unserer Gesellschaft sieht man zu oft, dass das Zwischenmenschliche auf der Strecke bleibt. Man kann das nicht unterrichten, aber die Kinder lernen es hier doch.“

Leonie sagt unserem Reporter, dass es ihr gut auf der Sekundarschule gefällt. Sie gehe sehr gerne zu Schule – am liebsten hat das Mädchen Deutsch bei Herrn Kröber. „Was auch toll ist, sind die Stunden mit Frau Santema. Wenn ich oder ein anderer mal nicht weiter kommt, können wir mit ihr in einen speziellen Klassenraum gehen und da in Ruhe weiterarbeiten.“

Marita Santema erklärt dem Berichterstatter, dass die 5a, die integrative Eingangsklasse der Sekundarschule Mechernich-Kall, 24 Stunden in der Woche doppelt besetzt ist. „Das Team-Teaching mit zwei Lehrern bringt nicht nur den Lehrern Entlastung. Man kann auch einzelne Schüler, die einer spezieller Förderung bedürfen, für kurze Zeit, zum Beispiel eine Schulstunde, getrennt vom Klassenverband unterrichten.“ Im Ergebnis würden die Kinder individueller gefördert, wenn sie die Möglichkeiten hätten, sich an zwei Lehrer zu wenden.

Santema gefallen am System Sekundarschule Wahlmöglichkeiten und Chancenangleichung: „Der eine ist technisch begabt und kann deswegen in Naturwissenschaften und Textilgestaltung gut punkten, hat dafür aber Probleme mit Sprachen.“

„Die Resonanz der Schüler klingt ähnlich“, notiert unser Mann an der Sekundarschule: „Felix erzählt mir, dass er auf die Realschule gegangen wäre, wenn es die Sekundarschule nicht gegeben hätte. »Was mir gut gefällt ist, dass ich hier noch Platz nach oben habe, um mich zu verbessern«, erklärt der Junge mir. Felix erzählt von seiner Lese-Rechtschreib-Schwäche, aber das sei an der Sekundarschule nicht wirklich ein Problem: »Lehrer und Sonderpädagogen helfen mir«.“

„Bei Fernando liegt die Sache ähnlich“, schreibt der Schulalltags-Reporter der Agentur ProfiPress: „Der Schüler ist nicht nur wegen seiner Freunde sehr viel lieber auf der Sekundarschule als irgendwo anders. »Die Tafeln sind ziemlich cool«“, erzählt er mir: »Damit können die Lehrer gut arbeiten, und wir besser lernen«, so Fernando. Auch das Lernbüro sei eine tolle Einrichtung, erzählt der Junge, weil man dort machen kann, was man üben muss, oder zu tun hat, zum besser und erfolgreicher zu werden.“

An der Sekundarschule Mechernich-Kall sind zurzeit insgesamt 17 Pädagogen beschäftigt. Acht pendeln zwischen den Schulstandorten Kall und Mechernich hin und her und unterrichten an beiden Standorten, nämlich Najla Azizi (Englisch und Geschichte), Martina Baum (Musik, Deutsch und Katholische Religion), Sheryl Bauchwitz (Technik, Biologie und Englisch), Florian Fiedler (Sport und Biologie), Stefanie Klapper (Deutsch und Geschichte), Leonhard Klein (Geschichte und Evangelische Religion), Schulleiterin Dagmar Wertenbruch selbst (Deutsch und Textilgestaltung) und die stellvertretende Schulleiterin Anna Maria Wloszkiewicz(Technik und Physik).

Nur in Mechernich unterrichten zurzeit Katharina Gutorski (Englisch und Textilgestaltung), Richard Kröber (Sport und Deutsch), Martin Nieder (Mathematik und Physik), Sarah Przybilla (Katholische Religion und Biologie). Dem Schulstandort Kall ausschließlich zugeteilt sind derzeit Gerlinde Hamann (Englisch, Mathematik und Katholische Religion), und Ludwiga Leisten (Katholische Religion und Deutsch).

Zu den Lehrern kommen noch die mit jeweils drei Stunden abgeordneten Sonderpädagogen Christiane Knoll und Karsten Liebl, und die mit voller Stundenzahl abgeordnete Mechernicher Sonderpädagogin Marita Santema.


Felix Lang/pp/Agentur ProfiPress 

(2.1.2014)