„Menschen begleiten ist ein Geschenk“
„Schnelle Auffassungsgabe und Einfühlungsvermögen“ – das ist das, was Elisabeth Nosbers, seit mehr als sieben Jahren Leiterin der Caritas-Pflegestation Mechernich (CPS), an ihren Mitarbeiterinnen besonders schätzt. Mehr als 200 „Kunden“ müssen die 29 Pflegekräfte, die meisten davon examiniert, versorgen.
14 weitere Mitarbeiterinnen sind zudem als mobile Haushaltshilfen sowie als Seniorenbegleiterinnen bei Arztbesuchen oder Behördengängen im Einsatz.
Die 1981 gegründete Caritas-Pflegestation Mechernich, die ihre Büro- und Beratungsräume in der Weierstraße hat, ist als sozialer Dienstleister aus dem Stadtgebiet nicht mehr wegzudenken. Dies nicht nur wegen der umfangreichen Leistungen im Pflegebereich, sondern auch, weil man Allgemeine Soziale Beratung anbeitet, sich intensiv um Schuldner- und Insolvenzberatung kümmert und im Bereich der Schwangerschaftsberatung („Rat und Hilfe“) eine steigende Nachfrage bilanziert wird.
Im Extremfall bis zu sechs Hausbesuche
Für die vertraglich zu pflegenden Menschen ist in Mechernich quasi eine „24-Stunden-Versorgung“ gewährleistet. In der Regel sind Pflegekräfte zwischen 6 und 23 Uhr im Einsatz. Elisabeth Nosbers: „Morgens fahren wir elf Touren, mittags zwei und abends nochmals drei.“ Es gebe Menschen, die im Extremfall auch bis zu sechs Besuche täglich in Anspruch nehmen. Auch in den Nachtstunden werden die Kunden im Notfall versorgt. Dazu hat man eigens einen Hausnotruf installiert. „Es handelt sich dabei um pflegerische Notfälle, denn wir sind kein Notarzt-Ersatz“, betont die CPS-Leiterin.
Die Ansprüche der Kunden auf Leistungen sind entsprechend der Pflegestufen 0 bis 3 unterschiedlich. Angefangen von der reinen Körperpflege reicht die Bandbreite bis hin zu medizinischen Leistungen wie beispielsweise Blutdruck messen oder Insulin spritzen, oftmals aber auch eine Kombination dieser Leistungen. Falls Pflegegeldbezieher von Familienangehörigen betreut werden, werden diese regelmäßig von Caritas-Mitarbeiterinnen aufgesucht, weil die Pflegekassen als Leistungsträger eine gesicherte Betreuungs-Qualität nachweisen müssen.
Ambulante Palliativbetreuung
Zentral gelegen, gut erreichbar, Parkplätze in der Nähe: Das Caritashaus in der Weierstraße mit Büro- und Beratungsräumen. 47 Mitarbeiterinnen sind in der Pflegestation beschäftigt. Foto: Rudolph Greuel/pp/Agentur ProfiPress„Immer mehr schwer erkrankte Patienten möchten angesichts des nahenden, unabwendbaren Todes zuhause sterben“, weiß Elisabeth Nosbers. Mit besonders geschultem Personal, das auch den speziellen 160-Stunden-Palliativcare-Kurs absolviert haben muss, steht man diesen Menschen im Rahmen einer ambulanten Pflege zur Seite.
Oftmals waren sie zuvor stationär in einem Krankenhaus mit Palliativstation, wo sie von Fachärzten bezüglich der Schmerzindikation eingestellt wurden. „Wenn sie dann nach Hause kommen, übernehmen wir in Absprache mit geschulten Ärzten die Pflege und Betreuung“, sagt Nosbers, „die Zusammenarbeit mit den Ärzten funktioniert sehr gut, diese sind selbst nachts ansprechbar, wenn wir Hilfe benötigen.“
Doch Elisabeth Nosbers, ihre Stellvertreterin Silke Baumann und die examinierten Pflegekräfte haben oftmals feststellen müssen, dass nicht nur die Patienten ihrer Hilfe bedürfen: „Die Angehörigen sind angesichts der Situation, dass Eltern, Partner oder Kinder zum Sterben nach Hause kommen, oftmals ziemlich hilflos. Da ist sensible psychologische Hilfe angesagt.“ Doch wie verkraften die Kolleginnen emotional die Arbeit im Palliativbereich?
Die CPS-Leiterin, die in diesem Bereich selbst oftmals tätig war, empfindet es als eine Gnade, den sterbenden Menschen helfen zu können. „Menschen bis zum Tod begleiten ist ein Geschenk.“ 2010 waren es immerhin 83 Männer und Frauen, die bis zu ihrem Tode daheim von den Caritas-Kolleginnen betreut wurden.
Vor dem Vertrag steht die Beratung
Wie kommen Verträge zwischen Kunden und Caritas zustande? „Wenn jemand anruft und wegen einer Pflege anfragt, will er nicht sofort über Geld sprechen“, berichtet Nosbers. Sie selbst oder ihre Stellvertreterin Silke Baumann eruieren in einem Erstgespräch beim Neukunden zunächst den Hilfebedarf. Ein Kostenplan wird erstellt, die Finanzierung abgesprochen und auch Kontakt zum Sozialamt oder anderen Leistungsträgern hergestellt. Wenn alle Formalitäten erledigt sind, stellt sich noch die wichtige Frage, welche Pflegekraft für den neuen Kunden infrage kommt, „denn die Chemie zwischen dem Kunden und unserer Mitarbeiterin muss stimmen“.
„Die meisten neuen Kunden bekommen wir durch Mund-zu-Mund-Propaganda“, weiß Nosbers. Das ist für sie sehr positiv und veranlasst sie auch zu einer ganz spontanen Eigenbenotung: „Unser Pflegeteam ist richtig gut, hat eine positive Ausstrahlung. Wir nehmen uns Zeit für unsere Klientel, die Kolleginnen können geduldig zuhören, trösten oder auch Mut machen. Und vor allem: Sie sprechen in der Regel auch Platt, was die Kommunikation mit den meist älteren Kunden doch erleichtert.“
MenüService mit Nebeneffekt
Natürlich ist die Caritas, hier allerdings von der Zentrale in Schleiden gesteuert, auch im Mechernicher Stadtgebiet mit ihrem MenüService für zuhause dabei. Momentan hat Bettina Zimmer 25 Haushalte auf ihrer Kundenliste. Die Kunden können in der Regel für sieben Tage (einige wollen gar für 14 Tage) die tiefgekühlte Kost anliefern lassen. Darunter ist auch Kundschaft, die keine Pflege in Anspruch nimmt.![]()
Bettina Zimmer versorgt derzeit 25 Haushalte mit dem MenüService, die Kunden können alternativ für sieben oder vierzehn Tage ihre Kost ordern. Foto: Rudolph Greuel/pp/Agentur ProfiPressDer MenüService habe aber auch einen Nebeneffekt. Die Kollegin, die das Essen ausliefere, stelle bisweilen fest, dass die Kundin eigentlich auch einer persönlichen Hilfe bedürfe. In solchen Fällen könne man dann tätig werden und auf Wunsch weitere Dienste der Caritas vermitteln.
Beratung bei Schulden, Schwangerschaft und allgemeinen sozialen Problemen
Des Weiteren sind in Mechernich drei hochqualifizierte Mitarbeiterinnen im Fachbereich „Soziale Arbeit“ tätig:
die Diplom-Sozialpädagoginnen Miriam Keutgen und Uschi Grab sowie die Diplom-Sozialarbeiterin Andrea Zens. Wenn Menschen in finanzielle Not geraten sind, Beratung bei ungeplanter Schwangerschaft oder unter unklaren Problemlagen leiden und nicht mehr weiter wissen, dann stehen sie mit Rat und Tat zur Seite. „Eine von uns Dreien ist in Notfällen immer ansprechbar“, sagt Andrea Zens, die über eine 20-jährige Berufserfahrung verfügt.
Sie ist im Caritashaus in der Weierstraße speziell für die Schuldner- und Insolvenzberatung zuständig. Wer nun annimmt, ihre Klientel käme aus einer speziellen, sozialen Schicht, der irrt. „Die Bandbreite derer, die in eine finanzielle Schieflage gekommen sind, ist groß“, sagt sie. Der eine hat sich gewaltig beim Hausbau übernommen, der andere geriet wegen der Scheidung in Not, Krankheitsfälle und Arbeitslosigkeit sind weitere Gründe für Finanzmiseren. Bei der Ursachenforschung wegen unbezahlter Rechnungen spielen mitunter auch Suchtproblematiken eine Rolle. Dann stehe man mit einer Suchtberatungstelle in Kontakt, um eine Besserung der Situation zu erreichen.
Ehemals Selbstständige, denen die Kundschaft die Rechnungen nicht bezahlt hätten, seien Pleite gegangen und säßen auf Altschulden, obwohl sie wieder arbeiten würden. „Viele wollen ja gerne ihre Schulden reduzieren oder begleichen, aber sie können es nicht“, weiß sie aus langen Gesprächen mit verzweifelten Menschen. Vor allem, wenn sie als Leiharbeiter tätig sind.
„Oft schämen sie sich und haben auch Selbstzweifel“, ist ihre Erkenntnis. Natürlich kann Andrea Zens die Schulden ihrer Klientel im Beratungsgespräch nicht vom Tisch wischen, aber helfen kann sie dennoch. Mitunter ist der Einzelfall rechtlich so kompliziert, dass die Schuldnerberaterin den Ratsuchenden an einen Juristen verweisen muss, „denn wir dürfen als Sozialarbeiter lediglich im Bereich Schulden und Insolvenz Rechtsberatung durchführen, nicht aber darüber hinaus.“
Ursachen der Misere beheben
Eine gute Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur und den Sozialämtern gebe es, sagt Zens, die jeden Fall als Einzelfall sieht, die immer die Gesamtsituation des Hilfesuchenden ergründen muss und in der Regel auch gemeinsam mit der Klientel einen Haushaltsplan für die Entschuldungsphase erstellt. ![]()
Über 200 Männer und Frauen im Stadtgebiet Mechernich werden von 29 meist examinierten Pflegerinnen betreut, Inge Tobehn nutzt das Blutdruck messen aber auch zu einem persönlichen Gespräch. Foto: Rudolph Greuel/pp/Agentur ProfiPressAm wichtigsten sei, die Ursachen der Finanzmisere zu beheben. „Die Menschen kommen freiwillig zu uns und wir unterstützen sie. Wer allerdings nicht motiviert ist, an seiner Finanzmisere etwas zu ändern, dem können wir nicht helfen“, ist ihre Erfahrung.
Motivation – und nicht nur Hilfe – brauchen auch die Menschen, die bei Miriam Keutgen und Uschi Grab, beide Dipl. Sozialpädagogin, Rat suchen. Keutgen ist für die Allgemeine Soziale Beratung (ASB), eine sogenannte Clearing-Stelle, zuständig: „Ich bin in der Regel erste Anlaufstelle für Menschen, die nicht mehr weiterwissen, die den Überblick verloren haben oder nicht wissen, an wen sie sich wenden können.“
Dann versucht sie, sich in einem ersten Gespräch einen Überblick über die aktuelle Notlage zu machen und existenzsichernde Maßnahmen in die Wege zu leiten. Auch hier geht es mitunter um finanzielle Dinge, beispielsweise Sozialleistungen. Miriam Keutgen: „Es gibt einige Menschen, die Probleme mit dem Lesen und Schreiben haben. Das Ausfüllen von komplizierten Antragsformularen bereitet ihnen deshalb oft Schwierigkeiten. Zudem wissen viele nicht, welche sozialen Leistungen und Rechte ihnen zustehen.“ So bleibt es nicht aus, dass sie ständig in Kontakt zu Sozialämtern steht.
Ihre Kollegin Uschi Grab ist für die Schwangerschaftsberatung „Rat und Hilfe“ verantwortlich. Jede Schwangerschaft ist ein Schritt ein neues Leben und kann unterschiedliche Gefühle auslösen: „Dazu gehören Freude und Hoffnung, manchmal aber auch Unsicherheit und Angst bis hin zu Verzweiflung.“ Und bisweilen auch alles gleichzeitig. Uschi Grab ist beispielsweise Ansprechpartnerin, wenn es während der Schwangerschaft zu Konflikten zwischen den werdenden Eltern kommt, bei einer möglichen Behinderung des Kindes, bei der Familienplanung, aber ebenso bei wirtschaftlichen oder sozialen Problemen. „Wenn junge Frauen sich in der Ausbildung befinden und ungeplant schwanger werden, werden ihre beruflichen Pläne zwangsläufig verändert oder durchkreuzt,“ erläutert Uschi Grab. „Wir helfen, gemeinsame Perspektiven für die Eltern bzw. die Mutter und ihr Kind zu entwickeln.“
Nach Schwangerschaft weitere Betreuung
Ergänzend zur Schwangerschaftsberatung bietet die Caritas mit einer Familienhebamme nicht nur eine fachlich kompetente Betreuung während der Schwangerschaft, sondern nach der Geburt auch für weitere drei Jahre Hilfe an. Vielfach hilft man auch, Mutter-Kind-Kuren zu realisieren. In diesem Zusammenhang legt die Caritas mit ihrem Netzwerk großen Wert darauf, ehrenamtliche Familienpaten auszubilden und in jungen Familien helfend einzusetzen. Die Paten haben ein offenes Ohr für die jungen Familien und bieten in schwierigen Situationen Entlastung und Zeit zum Durchatmen. Sie übernehmen beispielsweise für ein paar Stunden die Kinderbetreuung, damit die Eltern in Ruhe einkaufen, Arztbesuche erledigen oder die Zeit einfach für sich nutzen, um Kraft zu tanken. Sie bieten Hilfestellung im Alltag, geben Tipps bei der Haushaltsführung oder sind bei einer sinnvollen Freizeitgestaltung behilflich.
www.caritas-eifel.de
Tel: 0 24 43/24 55
pp/Agentur ProfiPress
(10.2.2012)
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