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12 000 Christbäume gehäckselt

Ein Lohnunternehmer rückte mit Großschredder und Raupenlader an, um in Mechernich 12 000 ausrangierte Weihnachtsbäume kleinzumachen. Foto: Joachim Sprothen/KStA/pp/Agentur ProfiPress Ein Lohnunternehmer rückte mit Großschredder und Raupenlader an, um in Mechernich 12 000 ausrangierte Weihnachtsbäume kleinzumachen. Foto: Joachim Sprothen/KStA/pp/Agentur ProfiPress Mechernicher Bio-Mulch geht komplett an eine Heidelbeerplantage – Nur vier große Kommunen im Kreis führen eine eigene Weihnachtsbaum-Abfuhr durch – Verarbeitung im Kompostwerk des Abfallwirtschaftszentrums bei Mechernich-Strempt

Früher dauerte die christliche Weihnachtszeit bis „Maria Lichtmess“, das ist der 2. Februar. Heutzutage sind die Christbäume bis dahin längst demontiert und „entsorgt“. Lametta, Kerzen und Kugeln werden abgehängt und sorgfältig bis zum nächsten Christfest wieder weggepackt.

Ebenso wie die Krippenfiguren und das Moos, das nach Eifeler Sitte mehrere Jahre hintereinander für die Krippendarstellung verwendet werden kann, in der nicht nur in Kirchen, sondern auch in vielen Privathaushalten die Geburt Christi und die Verkündigung der erlösenden Botschaft an die Hirten bildlich dargestellt wird.

Soweit, so gut: Aber was geschieht eigentlich mit den Weihnachtsbäumen, nachdem man sie vor die Tür gestellt hat? Der erste Schritt ist den meisten noch im Bewusstsein. Die Leute von der städtischen Mechernicher Müllabfuhr holen die ausrangierten Freudenboten ab – und bringen sie, soviel man weiß, irgendwohin, wo sie möglichst umweltschonend zu Kompost verarbeitet werden.

Norbert Lenzen, Betriebsleiter des Kompostwerks im Mechernicher Abfallwirtschaftszentrum
Norbert Lenzen ist Betriebsleiter des Kompostwerks im Mechernicher Abfallwirtschaftszentrum. Dort wurde vergangene Woche ein 2500 Kubikmeter großer, 1200 Weihnachtsbäume hoher und 160 Tonnen schwerer Grünabfallhügel zu Bio-Mulch für einen Heidelbeeren anbauenden Landwirt geschreddert. Foto: Joachim Sprothen/KStA/pp/Agentur ProfiPress
Der Journalist Joachim Sprothen vom „Kölner Stadt-Anzeiger“ ist der Sache jetzt nachgegangen – und hat als ersten Walter Thomaßen, den Pressesprecher des Kreises Euskirchen befragt, der auf der Kreismülldeponie nahe Strempt nicht nur einst Nordrhein-Westfalens größte Mülldeponie betrieb, sondern bis auf den heutigen Tag auch ein großes Kompostwerk unterhält. Doch Thomaßen entpuppte sich als ahnungslos, was den Verbleib der ausgedienten Weihnachtsbäume aus Mechernich und Umgebung angeht: „Ich habe davon gehört, dass die Nadelbäume für Elefanten ein richtiger Leckerbissen sind.“

Werden also halb abgenadelte Fichten, Tannen, Kiefern oder von der Nationalparkverwaltung Eifel der gnadenlosen Ausrottung preisgegebene Douglasien in den Kölner Zoo verfrachtet?

Mitnichten. Das Ziel ihrer letzten Reise ist das Kompostwerk des Kreises auf der früheren Kreismülldeponie, die sich heutzutage „Abfallwirtschaftszentrum (AWZ) des Kreises Euskirchen“ nennt.

Dort türmten sich die Christbäume beim Besuch des Stadt-Anzeiger-Reporters bis zur Hügelhöhe. Auf 2500 Kubikmeter schätzte Norbert Lenzen, der Betriebsleiter des Kompostwerks, das Volumen. Er verriet Joachim Sprothen auch, dass nur die großen Kommunen Mechernich, Zülpich, Euskirchen und Weilerswist spezielle Weihnachtsbaumabfuhren organisieren und durchführen. Auf diese Weise kamen diesmal 12 000 Weihnachtsbäume mit einem Gewicht von sage und schreibe 160 Tonnen zusammen, die auf der Mechernicher Deponie geschreddert und zu gutem Gartendünger verrottet werden. 

Dreiviertel der 48 000 Haushalte in den genannten größeren Kommunen haben nach Einschätzung des Kreiskompostwerksleiters entweder gar keinen Weihnachtsbaum aufgestellt, einen aus Kunststoff oder „einen offenen Kamin zu Hause“. Viele zersägen laut Lenzen ihre Fichten auch und werfen sie in die Biotonnen.

Auf dem Gelände der früheren Kreismülldeponie nahe Strempt befindet sich heutzutage ein Abfallwirtschaftszentrum, zu dem auch ein Kompostwerk gehört, das pro Jahr 13 000 Tonnen Kompost und 3500 Tonnen Bio-Mulch produziert
Auf dem Gelände der früheren Kreismülldeponie nahe Strempt befindet sich heutzutage ein Abfallwirtschaftszentrum, zu dem auch ein Kompostwerk gehört, das pro Jahr 13 000 Tonnen Kompost und 3500 Tonnen Bio-Mulch produziert. Foto: Joachim Sprothen/pp/Agentur ProfiPress
Joachim Sprothen schreibt in seiner lokalen Weihnachtsbaum-Entsorgungsreportage: „Am Kompostwerk rückte am Dienstag ein Unternehmen an, das den Weihnachtsbaumhügel in Lohnarbeit durch einen Häcksler beförderte. Anschließend waren die größten Teile kleiner als zehn Zentimeter und das Gesamtvolumen auf ein Fünftel der ursprünglichen Menge zusammengeschrumpft.“

Die Fichten, die vor einem Monat noch mit dem Lied „Oh Tannenbaum“ besungen worden waren, würden in Mechernich effektiv zu Bio-Mulch zerhäckselt, um auf Beete gestreut zu werden, den Böden Nährstoffe zuzuführen und vor Unkraut und Frostschäden zu bewahren.

Betriebswirtschaftlich spielten sie im Kreiskompostwerk kaum eine Rolle. Dort werden jährlich 26 500 Tonnen angelandete organische Abfälle zu rund 13 000 Tonnen Kompost verarbeitet. 3500 Tonnen Grünabfälle enden als Bio-Mulch. Sprothen: „Die Weihnachtsbäume fallen da kaum ins Gewicht.“

Der aus Christbaumhäcksel gewonnene Eifel-Mulch geht laut Stadtanzeiger-Informationen komplett an einen bestimmten Landwirt, der darauf Heidelbeeren anbaut. Nadelholzextrakte haben scheinbar einen positiven Einfluss auf den Geschmack der hierzulande „Worbele“ genannten Blaubeeren.


pp/Agentur ProfiPress

(30.1.2012)