Alarmübung im LVR-Freilichtmuseum Kommern
Ein vierjähriges Kind wird zwischen der Bockwindmühle und der Baugruppe Bergisches Land vermisst – dazwischen liegt ein großes, unübersichtliches Waldstück.

Uwe Bilo bekam über Funk die Meldung, dass ein Kind vermisst sei. Sofort spurtete er in das entsprechende Waldstück. Foto: gte/pp/Agentur ProfipressSofort machen sich Besucher-Betreuer, Aufsichten und weitere Mitarbeiter vom Auszubildenden bis zum Museumsdirektor auf den Weg: Zu Fuß im Laufschritt, mit dem Traktor oder im Transporter. Suchgruppen werden aufgeteilt, aus dem Gelände und in den historischen Häusern hallen laute Rufe: „Hallo!? Justus? Ist da jemand?“
Zehn Minuten nach dem Alarm findet ein Suchtrupp mitten im Wald das „Opfer“ – da es sich nur um eine Alarmübung handelte, war es nur eine zurechtgemachte Puppe in Kindergröße. Doch nur Museumsdirektor Dr. Josef Mangold und sein Stellvertreter Dr. Michael H. Faber waren eingeweiht. Für alle anderen war es bis zur Entwarnung bitterer und durchaus emotional mitnehmender Ernst. Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst waren ebenfalls vorab informiert, denn die Zentrale des Freilichtmuseums benachrichtige sofort auch die Einsatzkräfte. Wäre es während der Übung zu einem tatsächlichen Ernstfall gekommen, hatte man zur Sicherheit ein Codewort mit den Einsatzkräften vereinbart, um jegliche Verwirrung auszuschließen.
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Da es auch Teiche in dem Such-Bereich gab, rückten Mitarbeiter mit einer speziellen Such- und Rettungsstange aus. Foto: gte/pp/Agentur ProfipressDr. Mangold: „Wir sind durchaus zufrieden mit dem Verlauf der Übung. Die Mitarbeiter haben schnell und gut reagiert.“ Als langjähriger Angehöriger des Malteser Hilfsdienstes und Rettungssanitäter urteilte Michael Faber: „Auch als wir an der Puppe die Diagnose und Erstversorgung weiter geübt haben, lief alles recht gut.“
Das Museumsteam ist auf Ernstfälle gut vorbereitet, wie Josef Mangold berichtete. Es gibt nicht nur verschiedene Notfallpläne von Unwetter über Brand bis zur Großschadenslage, sondern auch professionelle Rettungsmaterialien. ![]()
Mitarbeiter aus den verschiedensten Bereichen des Freilichtmuseums sammelten sich für die Suche. Foto: gte/pp/Agentur ProfipressDr. Faber: „Die sind in einem mobilen Rettungs-Set untergebracht, darin sind neben normalen Erste-Hilfe-Materialien auch das komplette Instrumentarium für eine Wiederbelebung und Hilfsmittel zur Ruhigstellung bei Wirbelsäulenverletzungen enthalten.“
Als erstes der LVR-Museen hatte das Kommerner Freilichtmuseum auch schon vor Jahren einen Automatisierten Externen Defibrillator angeschafft. Mit diesem Gerät können auch medizinische Laien die Überlebens-Chance von Menschen, die einen Herzstillstand erlitten haben, erheblich verbessern. ![]()
Schnell machten sich Mitarbeiter auf, um den Wald nach dem „vermissten Kind“ zu durchkämmen. Foto: gte/pp/Agentur ProfipressMangold: „Und weil unser Gelände so weitläufig ist, bekommen wir jetzt ein zweites Gerät.“
Uwe Bilo, der bei der Alarmauslösung an der Bockwindmühle Aufsicht führte und sofort ins Gelände spurtete, sagte nach der Übung: „Es ist schon sehr wichtig, so etwas zu üben. Wir werden zweimal im Jahr geschult und bekommen dabei auch Anleitungen, was im Ernstfall zu machen ist.“ ![]()
Im Laufschritt ging es durch die historischen Häuser, um nach der „vermissten Person“ zu suchen. Foto: gte/pp/Agentur ProfipressZu der Logistik gehört auch, dass das Einfahrttor für den Rettungsdienst geöffnet wird und ein Mitarbeiter dort bereit steht, um dem Krankenwagenfahrer den Weg zu weisen.
Michael Faber: „Als in diesem Jahr ein Hochseilartist im Freilichtmuseum abgestürzt ist, haben die Mitarbeiter schon sehr gute Arbeit geleistet. Schnell und ruhig war der Unfallort für den Rettungsdienst geräumt – und da standen vorher rund 500 Leute.“ ![]()
Nach der Entwarnung sammelten sich ein Teil der Mitarbeiter sichtlich erleichtert an der Bockwindmühle. Foto: gte/pp/Agentur ProfipressFür Josef Mangold war die Übung nicht nur deshalb wichtig, um Details weiter zu verbessern, sondern auch, damit die Mitarbeiter sich ihrer Bedeutung und Verantwortung bewusst werden: „Dazu gehört ein emotionales Aufrütteln, denn im Ernstfall können Minuten über ein Menschenleben entscheiden. Wir müssen schnell und besonnen agieren und die Zeit bis zum Eintreffen des der Rettungsdienstes überbrücken.“
(8.10.2010)



















