„Menschen wurden Monster“
Pastoralreferent Georg Toporowsky (ganz rechts) erklärt den angehenden polnischen Priestern und ihren Begleiter/inne/n von der Communio in Christo die Herrenmenschen-Phantasien der Nazi-Ideologen. Foto: Privat/pp/Agentur ProfiPressPolnische Priesterseminaristen besuchten während Pastoralbesuch bei der Communio in Christo in Mechernich auch die frühere Nazi-Ordensburg Vogelsang – Gestern war Empfang bei Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick
„Es ist nicht alles Gold, was glänzt im westlichen Kapitalismus“, warnte Mechernichs Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick seine polnischen Gäste:
„Bewahren Sie sich Werte, mit denen Ihre Vorfahren großgeworden sind: Glaube, Solidarität, Familienzusammenhalt.“
Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick (3.v.r.) mit den polnischen Priesterseminaristen und Angehörigen der Communio in Christo, insbesondere Generalsuperior Karl-Heinz Haus und Spiritual Pfarrer Hermann Walch (von rechts), auf dem Balkon des Mechernicher Rathauses. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress Dabei sprach der erste Bürger der Stadt am Bleiberg mit seinen jungen Gästen, die zum Zeitpunkt der Wende in Europa Kleinkinder waren oder noch gar nicht geboren – auch über den Wandel von Werten, Glauben und Mentalität in beiden Ländern. Thema war auch der Besuch der Polen auf der Nazi-Ordensburg Vogelsang.
Die Gedenkstätte Vernichtungslager Auschwitz kannten die polnischen Besucher aus eigener Anschauung bereits vorher – und das KZ Stutthof hatte in ihrer Seminarstadt Pelplin bei Danzig im Zweiten Weltkrieg ein Außenlager. Die frühere Nazi-Ordensburg Vogelsang beeindruckte die acht angehenden Priester aus der polnisch-pommerschen Kleinstadt auf andere Weise.
Sie waren ernsthaft und sichtlich betroffen aufgrund so landschaftlich Idyllischer Scheinheiligkeit.
Ob man der Nachwelt nur „Opferorte“ zeigen dürfe wie Auschwitz oder auch „Täterorte“ wie Vogelsang, wo die Nazis ihre Junker für die Zukunft ausbildeten, diese in Deutschland anhaltende Diskussion verstehen die Polen dennoch nicht.
Die Pastoralpraktikanten besuchten auch die Eifeler Regionalredaktion der KirchenZeitung für das Bistum Aachen in der Firmenicher Kultur- und Freizeitfabrik Zikkurat, ganz rechts der Redakteur und Diakon Manfred Lang. Foto: Gunnar Tameer Eden/pp/Agentur ProfiPress„Es war gut, zu sehen, wie und wo alles angefangen hat“, sagte Marcin Wojtasiak. „Es ist seltsam, wie sich ein Teil der christlichen deutschen Bevölkerung von dieser menschenverachtenden Ideologie infizieren ließ“, so Diakon Damian Szulman.
Marek Jazdzewski sprach von einer „Ersatzreligion“. „Die leeren Mauern von Vogelsang“ empfand Adam Lamkiewicz als „Zeichen der Lieblosigkeit dieser Zeit und dieses Systems.“ „Hier wurden Menschen zu Monstern“, urteilte Andrzej Wesierski. „Da sieht man, wozu der Mensch fähig ist, wenn er sich von Gott isoliert hat“, so Krzysztof Narloch, der Verantwortliche des Freundeskreises der Communio in Christo am Priesterseminar im polnischen Pelplin.
Dem „Herrenmenschen“, wie er im untersten Geschoss des Turms der Burg Vogelsang als eine Art Altarfigur dargestellt und verherrlicht ist, stellte Pastoralreferent Georg Toporowsky den gekreuzigten Jesus in der Kapelle als menschgewordenen Gottessohn entgegen. Ein Gottessohn, der sich mit allen Schwachen, Verfolgten und Geschundenen auf Augenhöhe begeben habe.

Schick redet: „Es ist nicht alles Gold, was glänzt im westlichen Kapitalismus“, warnte Mechernichs Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick seine polnischen Gäste. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPressDie acht angehenden Weihekandidaten verbrachten ihr Pastoralpraktikum in den Pflegeeinrichtungen und im Hospiz „Stella Maris“ der Mechernicher Ordensgemeinschaft Communio in Christo. Deren Gründerin Mutter Marie Therese, eine geborene Niederländerin, war ihrerseits als Angehörige eines „Opfervolkes“ nach Deutschland gekommen, um hier als „Deutsche“, wie sie sich selbst bezeichnete, Versöhnungsarbeit zu leisten.
Aus dem gleichen Grund hatte Mutter Marie Therese noch vor dem Fall des Eisernen Vorhangs Kontakte nach Polen geknüpft und Hilfsprojekte gestartet. Auch die Beziehung zum Priesterseminar Pelplin reicht in diese Zeit zurück, zu der die jetzt auf Pastoralbesuch in Mechernich weilenden Geistlichen zum Teil noch gar nicht geboren waren.
Gestern Vormittag wurden die künftigen Priester sowie Generalsuperior Karl-Heinz Haus, Spiritual Pfarrer Hermann Walch und Helmut Weber vom Ordenskapitel der Communio in Christo sowie Schwester Lidwina und die Dolmetscherin Ewa Bochynek gemeinsam mit den acht polnischen Gästen von Mechernichs Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick im Rathaus empfangen.
Dabei ging es auch um die schwindende Bedeutung der katholischen Kirche in Polen und um die schwindende Beachtung ethisch-moralischer Grundwerte im westlichen Kontext. Bürgermeister Schick warnte davor, alle vermeintlichen „Segnungen“ des Westens zu übernehmen, sondern eigene konservative Tugenden wie Familienzusammenhalt, Worttreue, Glaube und Solidarität zu bewahren: „Schmeißen Sie nicht alles über Bord, was gut ist und sich bewährt hat. Die westliche Gesellschaft ist insgesamt zu materialistisch ausgerichtet – und ich würde mir eine Rückbesinnung wünschen.“
pp/Agentur ProfiPress
(23.7.2010)
Foto:Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress
Im großen Ratssaal des Mechernicher Rathauses diskutierte Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick (links) mit Vertretern der Communio in Christo und ihren Pastoralpraktikanten aus dem polnischen Priesterseminar Pelplin.
Foto: Gunnar Tameer Eden/pp/Agentur ProfiPressDer Redakteur Manfred Lang (sitzend), der mit seinem Team ProfiPress auch die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Mechernich begleitet, erläutert den polnischen Priesterseminaristen die Layoutarbeit bei der Herausgabe der Eifelausgabe der KirchenZeitung für das Bistum Aachen, die in der Stadt Mechernich, und zwar in der Kultur- und Freizeitfabrik Zikkurat in Firmenich, redaktionell hergestellt wird. 
Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress
Bürgermeister Schick warnte davor, alle vermeintlichen „Segnungen“ des Westens zu übernehmen: " Ich würde mir eine Rückbesinnung auf Werte wünschen.“




















