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Mechernich wird sparen

Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick

Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick: „Wenn wir uns um unsere Verantwortung drücken, entscheidet über kurz oder lang die Kommunalaufsicht, was in Mechernich getan wird oder viel mehr, was nicht getan wird.“ Foto: pp/Agentur ProfiPress
Und zwar 1,2 Millionen Euro im Jahr - Haushaltskonsolidierungskonzept: Vereine sollen Bauhof entlasten, Parkautomaten mit „Brötchentaste“ für den schnellen und auch weiterhin gebührenfreien Einkauf - Zuschüsse runter, mehr Kostenbeteiligung, Hundesteuer rauf

Die Frage ist nicht, ob die Stadt Kosten einsparen beziehungsweise mehr Geld einnehmen muss. Die Frage ist, wann sie das tut. Wenn sie durch ein so genanntes Haushaltssicherungskonzept von der Kommunalaufsicht dazu gezwungen wird? Oder bereits jetzt, wo die Zahlen zwar bereits in den Keller gehen, aber noch keine zwingende Notwendigkeit zur Haushaltskonsolidierung da ist?

Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick, die Verwaltung und unlängst auch der Stadtrat entschieden sich mehrheitlich dazu, sich jetzt der finanzpolitischen Verantwortung zu stellen und sofort Maßnahmen mit dem Ziel einzuleiten, die Mechernicher Etatsituation auf Sicht zu bereinigen. Dazu muss die Stadt per anno nicht weniger als 1,2 Millionen Euro weniger ausgeben, beziehungsweise mehr einnehmen. Natürlich haben sich die Stadtväter für eine Mischung aus beidem entschieden.
Fiktiver Ausgleich im Haushaltsjahr 2010

Im Haushaltsjahr 2010 kommt die Stadt Mechernich noch mit einem blauen Auge davon. Man wird einen fiktiven Haushaltsausgleich ausweisen, weil im Haushaltsjahr 2009 noch ein Überschuss von 780 000 Euro erwirtschaftet werden konnte, der 2010 mit weiteren Rücklagen als Ausgleich zur Verfügung steht. Die Stadt muss aber auch die voraussichtliche Haushaltsentwicklung der Jahre 2011 bis 2013 darlegen, um nicht ins Haushaltssicherungskonzept zu müssen.

Politisch unstrittig dürfte eine lineare zehnprozentige Haushaltskürzung in allen Bereichen sein. Darüberhinaus schlägt die Stadtverwaltung eine Beteiligung der Vereine an den Bewirtschaftungskosten der Sporthallen vor, allerdings nur für Erwachsene. Kinder- und Jugendsport sind nicht betroffen. Dennoch bedeutet das Mehreinnahmen von 36 675 Euro pro Jahr.

Auch sollen die Bolzplätze im Stadtgebiet nach Möglichkeit in die Bewirtschaftung von Vereinen übertragen werden  – eine Praxis, wie sie bei den Sport- und Fußballplätzen längst üblich ist. Einsparpotential, wenn der Bauhof die Mäharbeiten nicht mehr selbst erledigt: 16 500 Euro pro Jahr.

Musikschule und Volkshochschule sollen künftig vor dem Hintergrund der Gleichbehandlung mit den Vereinen und anderen Organisationen nach ihrem Umzug in die St.-Barbara-Schule im Sande ebenfalls die reinen Verbrauchskosten (Strom, Wasser, Heizung, Kanal) für die von ihnen genutzten Räume selbst bezahlen. Das sind 15 000 Euro im Jahr.

Ralf Claßen
Freiwillige Haushaltskonsolidierung statt „von oben“ angeordnetes Haushaltssicherungskonzept lautet die Devise von Kämmerer Ralf Claßen: „Sonst sind wir nicht mehr Herr im eigenen Haus.“  Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

KOT Kommern bleibt definitiv geöffnet

Die Kleine Offene Tür für Jugendliche in Kommern ist ebenfalls von Spaßmaßnahmen betroffen, wird aber nicht geschlossen. Die Gebäulichkeiten gehen aus der Bewirtschaftung der Stadt in die des Bürgervereins über, der die Räume unter anderem für die Probenarbeit des örtlichen Tambourkorps und der Greesberger-Tanzgarden nutzen will.

Der von Andrea Meurer geleitete Kommerner Jugendtreff (KOT) wird zwei bis dreimal die Woche geöffnet bleiben. Allerdings sinkt die Stundenzahl der Sozialarbeiterin in Kommern von zurzeit 28 auf zwölf bis 15 Wochenstunden. Ihre restliche Arbeitszeit investiert Andrea Meurer in die Betreuung des Jugendtreffs an der Hauptschule Mechernich, wo sie ja auch weiterhin für Kommerner Kindern da sein wird, wie Bürgermeister Schick betont:
„Es gibt keine Schließung und keine Entlassung!“ Haushaltsverbesserung: 10 000 Euro per anno.

Ab dem Jahr 2012 fallen die Pauschalzuschüsse von einem Euro pro Einwohner für Ortskartelle weg, das bedeutet 27 000 Euro Minderausgaben pro Jahr.

Die Ortskartelle werden damit leben können, hat die Stadt doch gerade erst im Zuge des Konjunkturpaketes II eine Menge Geld für Energieeinsparung an  Dorfgemeinschaftshäusern besorgt und ausgeschüttet.

Keine Parkgebühren für den schnellen Einkauf

Eine von der UWV angeregte 15prozentige Hundesteuererhöhung bringt der Kämmerei 20 000 Euro pro Jahr. 100 000 Euro erwartet die Verwaltung von Parkautomaten in der Innenstadt. Sie sollen in den Einkaufsbereichen mit einer so genannten „Brötchentaste“ versehen werden, die es ermöglicht, ein kostenloses 30-Minuten-Ticket für den zügigen Einkauf zu ziehen. Der Nyonsplatz bleibt im Übrigen auch in Zukunft von Parkautomaten und Tickets frei.

Beim Bergbaumuseum will man durch Reduzierung der Personalkosten und Erhöhung der Eintrittspreise 10 000 Euro Etatverbesserung erwirtschaften. Bei der Eifel-Therme Zikkurat soll die Notwendigkeit städtischer Zuschüsse um 50 000 Euro per anno reduziert werden.

75 000 Euro Einnahmeverbesserung ergeben sich aus der Beschäftigung von mehr Mitarbeitern der Bundesagentur für Arbeit (Arge) in der Stadtverwaltung Mechernich. Für die Bildung der nach Euskirchen und Kall dritten Arge-Niederlassung im Kreis Euskirchen sind die Mitarbeiter der Stadtverwaltung Mechernich räumlich enger zusammengerückt.

Rund 20 000 Euro sollen eingespart werden, indem die Stadt die Rabatte aus dem Schulbuchkauf nicht mehr an die Schulen abgibt, sondern behält. Da die Schulleiter in Mechernich heutzutage über eigne Finanzbudgets verfügen, mit denen sie auch über die Jahre frei agieren können, hält die Stadtverwaltung einen solchen  Konsolidierungsbeitrag zeitlich befristet für akzeptabel.

Insgesamt belaufen sich die städtischen Einsparungs- und Mehreinnahmen-Vorschläge auf zwischen 680 000 Euro (Haushaltsjahr 2011) und 830 000 Euro (2013). Zusammen mit der linearen Kürzung von zehn Prozent bringt es die Stadt Mechernich nach derzeitiger Steuerschätzung auf eine Haushaltsverbesserung zwischen 1,2 und 1,3 Millionen Euro pro Jahr.

Die Konjunktur kann ganz schnell helfen

Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick: „Bei etwas konjunkturellem Rückenwind und mehr Einkommensteueranteil können wir dem Haushaltssicherungskonzept entgehen und die finanzpolitische Lufthoheit am Bleiberg wahren.“ Kämmerer Ralf Claßen: „Wir haben 2008 und 2009 bewiesen, dass wir bei normaler und einigermaßen erholter Konjunktur den Haushaltsausgleich schaffen können.“

Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick sagte vor der Ratssitzung am Dienstag, 13. Juli, dass Kürzungen in den Bereichen Bildung, Jugend und Feuerwehr zurückgenommen werden, wenn sie nicht mehr zwingend erforderlich sind. Mittelfristig hält er eine Reform der Gemeindefinanzierung für unerlässlich, die einen höheren Anteil des Steueraufkommens in die Hand der Kämmerer bringt.

Insgesamt geht es um die politische Souveränität der Stadt, die mit den Sparbeschlüssen gewahrt werden soll. Bürgermeister Hans-Peter Schick: „Wenn wir uns um unsere Verantwortung drücken, entscheidet  über kurz oder lang die Kommunalaufsicht, was in Mechernich getan wird oder viel mehr, was nicht getan wird.“ Freiwillige Haushaltskonsolidierung statt „von oben“ angeordnetes Haushaltssicherungskonzept laute die Devise. Kämmerer Claßen: „Sonst sind wir nicht mehr Herr im eigenen Haus.“

pp/Agentur ProfiPress

(30.7.2010)