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Museum feiert die wilden 60er

Besucher in zeitgenoessischer Kleidung
Die „ZeitBlende“ lebt vom Mitmachen. Viele Besucher erscheinen in zeitgenössischer Kleidung. Foto: Ludger Ströter/pp/Agentur ProfiPress
Mit der „ZeitBlende 1960“ blickt das LVR-Freilichtmuseum 50 Jahre zurück – „Museumsfest der Erinnerungen“ mit umfangreichem Programm – Fahrten mit den Oldtimerbus von Schäfer-Reisen – Große Modenschau und Heinz Erhardt Revue – Bands laden zum „Tanz in die Zeit“ ein – Museum samstags länger geöffnet

1960 wird auch das „Afrikanische Jahr“ genannt: 17 Kolonien werden auf dem schwarzen Kontinent in ihre „Unabhängigkeit“ entlassen. Darunter auch, völlig unvorbereitet, Belgisch Kongo. Patrice E. Lumumba, der die Kolonie in die Unabhängigkeit geführt hat,

Besucher steigen in den Oldiebus der Firma Schaefer-Reisen
Auf der „ZeitBlende“ werden auch Rundfahrten mit dem Oldiebus angeboten, der von der Firma Schäfer-Reisen zur Verfügung gestellt wird, die dieses Fahrzeug liebevoll restaurierte. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress
bleibt auch als erster Staatspräsident der neuen „Demokratischen Republik Kongo“ ein hoffnungsvoller Idealist. Vehement tritt er für die Menschenrechte in Afrika ein, greift die ehemaligen Kolonialherren als Sklavenhalter an. Nach wenigen Monaten Amtszeit wird er im Auftrag des Westens ermordet. So verrückt es klingt, doch „Lumumba“ wurde kurz darauf zum Inbegriff eines Longdrinks aus Kakao mit einem Schuss Rum und einer Sahnehaube, der eingedenk des kongolesischen Freiheitskämpfers bei jungen Leuten im Westen 1960 zum Partygetränk des Jahres wurde. Dieses Getränk bekommen die Gäste an der „Tiki-Bar“ gemixt, wenn das  LVR-Freilichtmuseum

vornehme Dame mit Hut vor der \"Rheinpreußen-Tankstelle\"
Diese Dame posierte im vergangenen Jahr an der „Rheinpreußen-Tankstelle“. Foto: Carla Slingerland/LVR//pp/Agentur ProfiPress
Kommern am 21. und 22. August mit umfangreichem Programm wieder zu einer Reise in die Zeit vor fünfzig Jahren einlädt. Auf der „ZeitBlende 1960“ wird es unter anderem die Schau „Ereignisse in der Welt und im Rheinland 1960“ geben, wobei auch „Unterdrückung und Migration“ ein Thema sein wird. Genauer: Das Museum wagt einen Blick auf den Schwarzen Kontinent unter der Perspektive der kulturellen Begegnungen afrikanischer Migranten mit den Rheinländern. Denn „Kulturelle Begegnungen“ sind schließlich das Jahresthema des LVR-Freilichtmuseums Kommern. Nach dem Erfolg der Veranstaltung vor zwei Jahren werden auch diesmal zum „Museumsfest der Erinnerungen“ wieder Tausende von Besuchern erwartet. Sonderausstellung von Museumsobjekten aus dem Jahr 1960, Inszenierungen und viele Aktionen zum Mitmachen rund um die Bühne auf dem Museumsplatz laden ein, Zeitgeist und Lebensgefühl von damals nachzuempfinden. Junge Besucher können mit „Brauner Bär“ und „Weiße Taube“ Kindertänze der Zeit einstudieren, Erwachsene sich in „Twist“, „Slop“ und „Bossa Nova“ üben. Die „Holly Hoppers“ bieten einen

Alltags- und Festkleidumg um 1960 in einer Modenschau
Alltags- und Festkleidung um 1960. Im Freilichtmuseum wird auch eine Modenschau geboten. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress
Hula-Hoop-Kurs an, „Carlotta’s Mode und Event“ präsentiert in einer Modenschau Alltags- und Festkleidung zu Beginn der 1960er Jahre. Samstags um 15.30 Uhr heizen „The Beafore“ mit frühem Beat kräftig ein, ab 19 Uhr laden „Mony Francis & The BeBops“ mit ihrer Rock’n’Roll Show zum Abtanzen ein. Das Museum ist an diesem Abend bis 22 Uhr geöffnet.


„Noch ein Gedicht!“


Sonntags präsentieren um 13 und um 16.45 Uhr „Teddy Technik & Effekthascher“ deutschen Rock’n’Roll im Stil der Zeit. Zwischendurch heißt es „Noch ein Gedicht!“, wenn Thorsten Hamer in seiner „Heinz Erhardt Revue“ den wohl besten Komiker der deutschen Nachkriegszeit parodiert.


Starenkasten aus den 60er Jahre vor einem VW-Kaefer-Oldie
So sah in den 1960er Jahren der erste Starenkasten aus, mit dem die Fahrgeschwindigkeit der Zeitgenossen überprüft wurde. Foto: LVR/pp/Agentur ProfiPress
Als besonderen Spaß hat sich das LVR-Freilichtmuseum Kommern für die „ZeitBlende 1960“ einen Wettbewerb im Zerdrücken von Luftpolsterfolie ausgedacht. Der an beiden Tagen stattfindende „Bubble Wrap“-Wettbewerb erinnert an die 50jährige Geschichte dieses Verpackungsmaterials. Ursprünglich auf der Suche nach einer abwaschbaren Tapete in den USA entwickelt, entdeckte man rasch das Luftpolster als Mittel zur sicheren Verpackung. 1960 begann die industrielle Herstellung der Folie und ihr Siegeszug durch die Verpackungswelt. „Fahrzeuge, die im Straßenbild 1960 zu sehen waren, treffen ebenfalls zur ZeitBlende 1960 ein. Im Korso ziehen die Oldtimer durch die Museumslandschaft. Motorroller und Traktoren, Klein-Personenwagen und Straßenkreuzer, Nutzfahrzeuge und komplette Löschzüge werden auch in diesem Jahr wieder zum Ausflug ins Museum erwartet“, berichtet Dr. Michael Faber vom Freilichtmuseum. Wer selbst Ausflugvergnügen wie um 1960 erleben möchte, dürfe in den alten Mercedes-Haubenbus einsteigen, der an beiden Tagen zu Rundfahrten durch den Fachwerkort Kommern einlade. Den Bus stellt das Traditionsunternehmen Schäfer-Reisen zur Verfügung, die das Fahrzeug liebevoll restauriert und wieder einsatzbereit gemacht hat.

Gaumenfreude der Zeit will das gastronomische Angebot bescheren: mit „Toast Hawaii“ und Currywurst an den Imbissbuden, mit „Russisch Ei“ und mehr in der Museumsgastwirtschaft oder mit dem 1960 erfundenen „Capri-Eis“ an der Milchbar. Abseits des großen „ZeitBlende“-Schauplatzes servieren Museumsbäuerinnen im Herdraum eines alten Bauernhofes frische Kuhmilch, „Muckefuck“ und „die“ Marken-Limonade der Zeit. Draußen vor dem Hof können derweil die Kinder spielen und dabei entdecken, was und womit 1960 gespielt wurde. Gesamtes Programm der „ZeitBlende 1960“ und Anmeldeformular für Oldtimer (nicht jünger als 1960!) findet man im Internet.
www.kommern.lvr.de.

pp/Agentur ProfiPress

(11.06.2010)