Logo der Stadt Mechernich
Bilderleiste Kopf
Blauer Kasten
  Stadtplan // eCards // Impressum // Datenschutz // Sitemap // English
 
   Kontakt // Gästebuch
 

Erinnerung an eine große Zeit

Guenter Conrads (links) Buergermeister Dr. Hans-Peter Schick
Günter Conrads (li.) übergab Bürgermeister Dr. Schick ein Gemälde zur industriellen und landwirtschaftlichen Vergangenheit am Bleiberg. Es zeigt Landarbeiter mit einer Ackerwalze, wie sie ehedem in Mechernich von der Maschinenfabrik Michael Schmitz hergestellt wurden. Foto: ml/pp/Agentur ProfiPress
Günter Conrads übergab der Stadtverwaltung Mechernich ein Gemälde zur industriellen und landwirtschaftlichen Vergangenheit am Bleiberg, die in der Existenz der Mechernicher Maschinenfabrik Michael Schmitz kumulierte – Metallwalzen für Acker und Flugplatzbau im Rheinland und weit darüber hinaus bis Südostasien

Der frühere städtische Mitarbeiter Günter Conrads hat der Stadtverwaltung Mechernich ein Gemälde als Dauerleihgabe überlassen, das an die frühere Mechernicher Maschinenfabrik Michael Schmitz erinnert. Das Bild eines schwäbischen Malers zeigt zwei Arbeiter mit einer eisernen Feldwalze, wie sie in Mechernich zu Tausenden hergestellt wurde.

Bis zu hundert Beschäftigte hatte die Maschinenfabrik, die sich nachher auf Acker- und Bodenverdichtungswalzen spezialisiert hatte – viele davon für den Export nach Südostasien bestimmt. Ein besonderes Patent seien die „Schaffußwalzen“ gewesen, so Günter Conrads. Sie wurden mit Wasser oder Sandtanks auf Einsatzgewichte bis sieben Tonnen gebracht und für die Bodenverdichtung für die Start- und Landebahnen von Feldflugplätzen gebraucht.


Beate Meier (von links) Guenter und Anneliese Conrads  sowie Buergermeister Dr. Hans-Peter Schick
Stadtarchivarin Beate Meier (von links), Günter und Anneliese Conrads sowie Mechernichs Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick vor dem Gemälde, das jetzt in einem der Besprechungsräume des neuen Rathauses seinen Platz gefunden hat. Foto: ml/pp/Agentur ProfiPress

Ganze Güterzüge voll Metallwalzen


Ganze Güterzüge voll solcher Walzen verließen den Mechernicher Bahnhof. Conrads will mit der Überlassung des Gemäldes wie auch seines 15 000 Fotos umfassenden lokalen Bildarchivs an die Stadt Mechernich ein Stück Lokalgeschichte und eigener heimatforscherischer Tätigkeit der interessierten Nachwelt erhalten.
Insbesondere wolle er mit dem Gemälde darauf aufmerksam machen, dass die Wirtschaft in Mechernich insgesamt sehr erfolgreich

Kesselschmiede und Walzenfabrik Michael Schmitz mit Ansicht aus dem Jahre 1909
Die Kesselschmiede und Walzenfabrik Michael Schmitz in Mechernich hatte, wie dieser Briefkopf zeigt, im Jahre 1909 die Telefonnummer "4" in Mechernich. Repro: Stadtarchiv Mechernich/pp/Agentur ProfiPress
war und keineswegs nur der Bleibergbau. Die Firma MSM (eingetragenes Warenzeichen, siehe Briefkopf von 1925) existierte in Mechernich seit 1875. Und zwar in der Nähe des heutigen neuen Marktes.
Stadtarchivarin Beate Meier: „Im Juni 1894 beantragte der Firmengründer Michael Schmitz die Genehmigung des Schleidener Kreisausschusses, aus der bis dahin als Schlosserei betriebenen Firma eine Fabrikanlage zu machen.“ Schmitz hatte einige Artikel „unter amtlichen Musterschutz“ stellen lassen. Und die Nachfrage nach solcherart patentierten Metallerzeugnissen war so groß, dass Schmitz expandieren musste.

das 1925 eingetragene Firmenkuerzel \"MSM\" für Michael Schmitz Mechernich
Bereits 1925 war das Firmenkürzel für "Michael Schmitz, Mechernich", "MSM", ein eingetragenes Markenzeichen. Repro: Stadtarchiv Mechernich/pp/Agentur ProfiPress
1894 hatte der Betrieb eine solche Ausdehnung angenommen, dass er „als eine Fabrikanlage anzusehen ist“, so das amtliche Urteil. Er erhielt dann auch am 21.12.1894 eine „Urkunde über die nachträgliche Genehmigung einer Fabrik zur „Herstellung von Blechgefäßen mittelst vernieten“.


Der Zweite Weltkrieg brachte das Aus


1896 vergrößerte Schmitz den Betrieb abermals, 1898 schaffte er zwei bewegliche Dampfkessel (Locomobile) zum Verleihen an Landwirte an, die er aber bald wieder verkaufte. Beate Meier: „Von 1905 wissen wir von der Errichtung einer Sauggasanlage. 1909 wurde eine feststehende Acetylen-Schweiß-Anlage eingerichtet.“

Vor dem Zweiten Weltkrieg beschäftigte die Firma nach eigenen Angaben über 100 Leute, 1942 waren es nur noch 14. Die Firma sollte kriegsbedingt Landmaschinen reparieren, dagegen wehrte sich der damalige Firmeninhaber in einem Schreiben, das dem Mechernicher Stadtarchiv vorliegt. Nach dem Zweiten Weltkrieg habe das Unternehmen nicht mehr richtig Fuß fassen können, berichtete Günter Conrads bei der Übergabe des Gemäldes an Stadtarchivarin Beate Meier und Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick.


Ackerwalzen auf einem Gueterzuggebinde
Ackerwalzen und Dampfkochkessel, so genannte "Veehpännche", waren schon 1899 eine Spezialität der Maschinenfabrik Michael Schmitz in Mechernich. Die Walzen wurden oft in kompletten Güterzuggebinden von Mechernich bis Südostasien exportiert. Repro: Stadtarchiv Mechernich/pp/Agentur ProfiPress
Conrads hatte das Gemälde seinerseits von Christine Schmitz, der Witwe von Ludwig Schmitz, dem Enkel des Firmengründers übernommen, wie er dem Bürgermeister berichtete.
Schick sagte, das Relikt aus der großen Zeit der Fabrik wie der Landwirtschaft und des Mechernicher Bergbaus sei ein Zeugnis für die ökonomische Situation am Bleiberg des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Der Bürgermeister: „Wir leben in einer Landschaft und Gesellschaft, die nachhaltig von Industrie und Landwirtschaft geprägt worden ist!“
Weil das Gemälde für ganz Mechernich Symbolkraft besitzt soll es auch nicht in den Asservatenkammern des Stadtarchivs verstauben - es hängt mittlerweile in einem der Besprechungsräume im neuen Rathaus.

pp/Agentur ProfiPress

(23.04.2010)



Dampfkochkessel
Foto: Archiv Günter Conrads Mechernich/pp/Agentur ProfiPress





In Mechernich produzierte Dampfkochkessel.












Teilansicht einer Gueterzugladung von Schaffußwalzen 
Foto: Archiv Günther Conrads/pp/Agentur



Teilansicht einer kompletten Güterzugladung Schaffußwalzen am Mechernicher Bahnhof.










Schaffusswalzen
 Foto: Archiv Günther Conrads/pp/Agentur ProfiPress
Sogenannte "Schaffußwalzen" waren ein besonderes Produkt aus Mechernich. Sie konnten mit Sand oder Wasser befüllt werden und erreichten ein Gewicht von bis zu sieben Tonnen, erinnert sich Günter Conrads. Sie dienten nicht dem Ackerbau, sondern der extremen Bodenverdichtung, etwa beim Pistenbau auf Flugplätzen, berichtete der frühere Stadtbeamte dem Mechernicher Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick.