„Es ist normal, verschieden zu sein“

Wollen sich gemeinsam Schwimmkurse für geistig Behinderte in der Eifel-Therme-Zikkurat anbieten: Andreas Tschauner, Präsident der Karnevalsgesellschaft der Lebenshilfe Bürvenich, Hans-Peter Jansen, Schwimmlehrer und DLRG-Rettungsschwimmer, Marion Braun, Betriebsleiterin der Eifel-Therme-Zikkurat, und Rolf Emmerich, Geschäftsführer der Lebenshilfe HPZ. Foto: gte/pp/Agentur ProfipressIn der Eifel-Therme-Zikkurat in Mechernich-Firmenich sollen künftig geistig Behinderte während der normalen Öffnungszeiten das Schwimmen erlernen – Lebenshilfe HPZ öffnet Angebot auch für Behinderte, die nicht in den hauseigenen Einrichtungen betreut werden
„Es ist normal, verschieden zu sein“, betonte Rolf Emmerich (51), Leiter der Lebenshilfe HPZ. Seit fast 26 leitet er das Heilpädagogische Eingliederungszentrum (HPZ), in dem Menschen mit geistiger Behinderung in ihrem unterschiedlichen Hilfebedarf unterstützt werden. Zusammen mit dem Rettungsschwimmer und Schwimmlehrer Hans-Peter Jansen stellte er jetzt in Kooperation mit der Eifel-Therme-Zikkurat ein Projekt vor, das wohl nicht nur im Kreis Euskirchen bisher einmalig ist:
DLRG-Rettungsschwimmer Peter Jansen: „Solche Angebote finden sonst immer in hauseigenen Schwimmbädern spezieller Einrichtungen oder Therapiebecken mit Extra-Zeiten statt. Aber uns geht es nicht nur um Integration von Menschen mit Behinderungen, sondern um Inklusion.“ Im Klartext: Sie sollen einfach dazugehören. Und so sollen sich diese besonderen Menschen zusammen mit den üblichen Badegästen des Freizeitbades der Zikkurat im Becken tummeln und lernen, wie man sich über Wasser hält. Da sei auch für das Selbstbewusstsein sehr förderlich.

Menschen mit geistiger Behinderung ans Wasser gewöhnen und mit Spaß das Schwimmen beibringen, das bietet künftig die Lebenshilfe HPZ in Kooperation mit der Eifel-Therme-Zikkurat während des normalen Badebetriebes in dem Firmenicher Freizeitbad an. Foto: DLRG/pp/Agentur ProfipressMarion Braun, Betriebsleiterin der Eifel-Therme-Zikkurat: „Wir haben sehr gute Erfahrungen mit Behinderten gemacht, das sind oft sehr herzliche Menschen, da ist absolut nichts Falsches in ihrem Charakter, das hat mich schon oft beeindruckt.“ Auch die Besucher der Eifel-Therme hätten da keine Probleme. Da das Firmenicher Bad ein Familienbad ist, sei die Atmosphäre freundlich und offen.
Wie der Leiter der Lebenshilfe HPZ bemerkte, sei es oft Unwissenheit und Scham, die zu Problemen im Umgang mit Behinderten führten. „Dabei ist es wie mit Prominenten: Die wollen auch nicht angestarrt, sondern ganz natürlich behandelt werden.
Also: Einfach ganz normal mit ihnen umgehen!“ Mit der gemeinsamen Aktion könne ein „Wir-Gefühl“ geschaffen werden, dass für alle Seiten sehr entspannend sei.
Das funktioniere auch in anderen Bereichen sehr gut, wie Andreas Tschauner, Mitarbeiter der Lebenshilfe Bürvenich, berichtete: „Wir haben in der Lebenshilfe eine eigene Karnevalsgesellschaft und treffen uns mit anderen Karnevalsgesellschaften, auch bei unseren Wandertagen haben wir hervorragende Erfahrungen mit Wandergruppen Nicht-Behinderter gemacht – und die mit uns natürlich auch!“
Rolf Emmerich berichtete: „Wir haben unseren Mitarbeiter Peter Jansen eigens auf eine Fortbildung geschickt, damit er diesen speziellen Unterricht anbieten kann.“

Hans-Peter Jansen (li.), DLRG-Rettungsschwimmer und Schwimmlehrer, bietet nach einer speziellen Fortbildung Wassergewöhnungs- und Bewältigungskurse für Menschen mit geistiger Behinderung an. Foto: DLRG/pp/Agentur ProfipressUnd der ist nicht nur offen für die Schützlinge der Lebenshilfe HPZ, die in Zülpich, Mechernich, Dahlem und Schleiden Menschen mit geistiger Behinderung von Kindes- bis zum Seniorenalter Wohnstätten und Förderung bietet. „Das Projekt ist offen für alle“, so Emmerich, der auch die gemeinnützige „Gala Tolbiac“ organisiert.
Beim heilpädagogischen Schwimmen will DLRG-Rettungsschwimmer Hans-Peter Jansen erst einmal mangelndes Vertrauen in das nasse Element oder auch Ängste behutsam angehen. „Geistig Behinderte reagieren wie Nichtbehinderte ängstlich oder aufgeschlossen auf das Element Wasser.
Bei Behinderten reicht aber oft eine einzige als bedrohlich empfundenen Situation im Wasser aus, um ihnen für den Rest ihres Lebens die Freude am Schwimmen zu nehmen.“ Deshalb beginnt er mit Wassergewöhnungs- und Bewältigungskursen, fördert Selbstbewusstsein und Spaß im Wasser. Rolf Emmerich: „Menschen mit geistiger Behinderung haben oft auch körperliche Einschränkungen. Im Wasser erfahren sie häufig eine große Befreiung, sie können sich selbst neu erleben, Verkrampfungen lösen sich.“
Ab etwa vier Jahren bis ins Seniorenalter kann man bei den Kursen teilnehmen. Die Eifel-Therme stellt kostenlos Materialien wie Schwimmhilfen oder passende Musik. Emmerich: „Wir sind sehr froh und dankbar für die Kooperation mit der Eifel-Therme: Auch weil es mitten im Kreis liegt, von Bürvenich sind es nur zehn Minuten, von Mechernich ist es ein Katzensprung. Das macht vieles einfacher.“
Weitere Informationen unter Telefon 0 24 25-70 91 00 oder im Internet: www.lebenshilfe-hpz.de
pp/Agentur ProfiPress
(8.3.2010)



















