Krimischriftsteller erobern die Nordeifel

Die Eifeler Delegation hatte allen Grund zur Freude: Die diesjährige „Criminale“ wird an die 200 Kriminalschriftsteller in die Nordeifel locken. Iris Poth (Mitte) stellte das Programm vor. Foto: Reiner Züll/pp/Agentur ProfiPress
Pressekonferenz auf der ITB in Berlin: Das größtes Krimifestival deutschsprachiger Krimi-Schriftsteller findet in diesem Jahr in der Nordeifel statt – Fast 200 Autoren lesen an ungewöhnlichen Orten – Verleihung des Friedrich-Glauser-Preises im Großen Kursaal in Gemünd
Mit großem Interesse verfolgten am Mittwochnachmittag zahlreiche Pressevertreter den Ausführungen der Eifeler Delegation auf der ITB in Berlin. Iris Poth, Wirtschaftsförderin des Kreises Euskirchen, und Chefin der Sonderkommission „Criminale 2010“ berichtete, dass sich die friedliche Eifel im September für fünf Tage in ein „mörderisches Tollhaus des Verbrechens“ verwandeln werde.
Grund für dieses mysteriöse Geschehen ist das jährliche Treffen deutschsprachiger Krimi-Autoren, das vom 8. bis zum 12. September 2010 in der Nordeifel stattfinden wird. Beim letzten Treffen 2009 rotteten sich in der Region zwischen Bodensee und Rheinfall gleich 265 Autoren zusammen, die ihre mörderischen Geschichten an über 140 Orten zum Besten gaben. Der Schwerpunkt des Krimifestivals liegt auf einer Vielzahl öffentlicher Lesungen und Veranstaltungen rund um den Krimi, die an besonderen und ungewöhnlichen Orten in den Kreisen Euskirchen und Düren, der Städteregion Aachen sowie der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens stattfinden.

Alfred Schink, Holger Schmitz, Willi Goebbel, Elvira Steimann und Fritz Hunsicker (v.l.) suchten einen passenden Lesestandort untertage aus. Foto: mt/pp/Agentur ProfiPress „So wird es beispielsweise möglich sein, an einer Krimilesung untertage im alten Mechernicher Bergwerkstollen teilzunehmen oder aber auch in der düsteren Höhle eines Kalkfelsens, in der sich vor Zehntausenden von Jahren bereits die Neandertaler blutrünstige Geschichten erzählt haben“, so Iris Poth.
Des Weiteren wird es Lesungen in einer alten Bahn, in einem Burgkeller, in einem Hochseilgarten, auf einem Flugplatz, in einer Bunkeranlage aus den Zeiten des Kalten Kriegs, in einer ehemaligen Tonfabrik oder auch im LVR-Freilichtmuseum Kommern geben.
Doch wer glaube, mit der „Criminale“ werde auch die Eifel erstmals mit dem kriminalistischen Virus infiziert, der irre gewaltig. Vielmehr habe sich dieser Landstrich in den letzten Jahren zum Krimiland erster Güte gemausert. Hier lebt nicht nur Jacques Berndorf, der zu den deutschlandweit meist gelesenen Krimiautoren gehört, hier gibt es mittlerweile auch zahlreiche Autoren, die mit ihm die literarische Spurensuche vor Ort aufgenommen haben. Erst kürzlich verlieh die „Zukunftsinitiative Eifel“, die sich die gezielte gemeinschaftliche Entwicklung regionaler Kompetenzen zur nachhaltigen Stärkung des Wirtschaftsraumes Eifel auf die Fahne geschrieben hat, den „Eifel-Award“ – eine Art regionalen Nobelpreis – nicht von ungefähr an Berndorf und seinen Schriftsteller-Kollegen und Herausgeber Ralf Kramp. Die beiden nahmen den Preis stellvertretend für die millionenfach verlegte „Krimilandschaft Eifel“ entgegen.

Schon die Neandertaler suchten in dieser großen Höhle am Kartstein in Mechernich-Dreimühlen Schutz. Die Kakushöhle ist die größte offene begehbare Höhle der Eifel. Foto: mt/pp/Agentur ProfiPress
„Die »Zukunftsinitiative Eifel« betonte dabei, dass man mit diesem Preis nicht nur die Popularität der Eifelkrimis auszeichne, sondern vor allem auch die durch sie signifikant ausgelösten wirtschaftlichen Folgen für die Tourismusbranche, insbesondere für die Eifeler Hotelerie und Gastronomie“, so Iris Poth.
Neben den öffentlichen Veranstaltungen finden während der „Criminale“ Vollversammlung sowie interne Workshops für die Mitglieder des „Syndikats“ statt, einer Vereinigung von weit über 500 Krimischriftstellern aus dem gesamten deutschen Sprachraum, zu dem beispielsweise auch Ex-Tagesthemen-Moderator Ulrich Wickert gehört.
Ziel des „Syndikats“ ist es, die deutschsprachige Kriminalliteratur zu fördern, Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben sowie für die Mitglieder ein Forum des Austauschs zu schaffen und Kontakte zu ausländischen Kolleginnen und Kollegen zu pflegen.
Anthologie in Planung
Derzeit, so wurde auf der Pressekonferenz berichtet, mache sich auch die Gastronomie in der Eifel ihre Gedanken, welche mordsmäßig guten Menüs sie ihren Gästen anlässlich der „Criminale“ kredenzen könnte, denn vorgesehen seien auch eine Reihe von kulinarischen Abenden, die von den Krimi-AutorInnen lesend begleitet werden.
Zeitgleich zur „Criminale“ wird ein Sammelband mit brandneuen Kurzkrimis erscheinen, die allesamt in der Nordeifel spielen. Die Autoren recherchieren dafür eigens vor Ort, um besonders viel Lokalkolorit in ihre Geschichten einfließen lassen zu können.

Die Sonderkommission „Criminale“ rund um Iris Poth (4.v.l.), Susen Wulf (2.v.r.) und Ulrike Alder (2.v.l) sowie den Schriftstellern Ralf Kramp, Rudolf Jagusch, Andreas Izquierdo, Carola Clasen und Carsten-Sebastian Henn (v.l.) haben sich für die „Criminale“ so einiges vorgenommen. Ebenfalls mit zur Soko gehört Klaus Ring, der auf dem Bild nicht zu sehen ist. Foto: mt/pp/Agentur ProfiPressDie Eröffnungsveranstaltung der „Criminale 2010 Nordeifel“, 8. September, zu der zahlreiche Prominente erwartet werden und die mit vielen Überraschungen aufwartet, findet im historischen Pingsdorfer Tanzsaal von 1899 im LVR-Freilichtmuseum Kommern (Stadt Mechernich) statt. Ganze Generationen haben in diesem Saal das Tanzbein geschwungen, bevor das komplette Gebäude abgebaut und eins zu eins im Museum wieder errichtet wurde.
Für die Schlussveranstaltung „Tango Criminale“ am Sonntag, 12. September, geht es in den Großen Kursaal in Gemünd (Stadt Schleiden). An diesem letzten Abend gibt es auch einen ganz besonderen Höhepunkt: Die Verleihung des „Friedrich-Glauser-Preises“ für den besten Krimi des Jahres 2009.
Der in Wien geborene Friedrich Charles Glauser (1896-1938) gilt neben August Gottlieb Meißner als einer der ersten deutschsprachigen Krimiautoren.
Die „Krimi-Dinner“, bei denen man mit mörderischen Überraschungen rechnen muss, finden statt am Donnerstag, 9. September, im Parkhotel Euskirchen (0 22 51/77 50), am Freitag, 10. September, im Kloster Steinfeld (0 22 55/95 30 50) sowie im Hotel Friedrichs in Schleiden-Gemünd (0 24 44/95 09 50) und im Schlosshotel Burghaus in Dahlem-Kronenburg (0 65 57/90 19 00). Für die Dinner muss man sich anmelden.
www.die-criminale.de
pp/Agentur ProfiPress
(11.3.2010)




















