Baubeginn Bahnhofsberg

Seit der Streckenfreigabe Euskirchen-Mechernich im Jahre 1865 ist die Stadt am Bleiberg durch die Bahnlinie geteilt. Die Schranken an den zurzeit noch drei Übergängen sind rein rechnerisch vier Stunden am Tag geschlossen. Foto: Manfred Lang/pp/ Agentur ProfiPress
Das Ende einer geteilten Stadt: Bundesstraße 477 bald im Tunnel unter der Bahnlinie Köln-Trier hindurch – Planfeststellung abgeschlossen – 10,2-Millionen-Bau bis 2012 fertig – Bürgermeister Schick: „Städtebaulich größter Fortschritt seit Jahrzehnten“ – Komplettlösung mit barrieregleichen Bahnsteigen und einem modernen Bahnhofsbau – Auch für Strempt gibt es eine Lösung
Mechernich ist bald keine geteilte Stadt mehr. Der langersehnte Durchstich Bahnhofsberg steht unmittelbar bevor. Nach anderthalb Jahren Bauzeit sollen schon ab 2012 Fahrzeuge und Menschen die Bahnlinie Köln-Trier ungehindert in zwei Tunneln unterqueren können.

So stellen sich die Planer den Durchstich Bahnhofsberg vor, im Vordergrund der Kreisverkehr B 477/ K 81 am Abzweig Strempt / Roggendorf. Bild: a-Konzept21/pp/Agentur ProfiPressDie Bauarbeiten für den 10,2 Millionen Euro teuren „Durchstich Bahnhofsberg“ beginnen in der zweiten Jahreshälfte. Sie sind bereits vom Landesbetrieb Straßenbau in Euskirchen ausgeschrieben worden. Ab 15. März liegen die planfestgestellten Unterlagen im Mechernicher Rathaus aus.
Ziel ist es, die zurzeit noch vier schienengleichen Bahnübergänge in Mechernich zu ersetzen, vor denen sich zurzeit mindestens viermal pro Stunde, insgesamt 56mal an einem durchschnittlichen Werktag, die Autos stauen. Allein am meist frequentierten Bahnübergang Friedrich-Wilhelm-Straße sind das 12 000 Fahrzeuge pro Tag.

Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick bei der Verabschiedung des langjährigen Mechernicher Ratsherrn Winfried Simons, auf dessen Initiative die jetzige Tunnellösung zwischen zwei Kreisverkehren in Mechernich zurückgeht. Foto: ml/pp/Agentur ProfiPress
„Der Durchstich Bahnhofsberg ist städtebaulich und strukturpolitisch der größte Fortschritt seit Jahrzehnten“, sagt Mechernichs Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick zu dem bevorstehenden Jahrhundertbauwerk, das die Teilung Mechernichs durch die Bahnlinie nach 147 Jahren aufhebt.
Barrierefreier Mittelbahnsteig
Gleichzeitig will Schick einen barrierefreien Bahnhof Mechernich schaffen, auf dessen Bahnsteigen Rollstuhlfahrer ebenerdig in die Züge gelangen. Die Stadt verhandelt derzeit über die Investitionskosten von einer Millionen Euro für eine Stahlbrücke zu einem neuen barrierefreien 160 Meter langen Mittelbahnsteig.

So stellen sich Bauherr Rolf Schäfer und sein Architekt Peter Sampels aus Mechernich-Holzheim das neue Gesicht des Mechernicher Bahnhofs vor. Shops und eine 1-a-Bistrogastronomie sollen im Verein mit den beiden städtischen P & R -Parkplätzen und barrierefreien Bahnsteigen eine völlig neue, gastfreundliche Eingangssituation nach Mechernich schaffen. Bild: Architekturbüro Peter Sampels/pp/Agentur ProfiPressEine von der Bahn vorgesehene Unterquerung der Gleisanlage zu barrierefreien Bahnsteigen hätte nach Angaben der Stadt mehr als das Doppelte gekostet. Außerdem wären „die für eine Krankenhausstadt wie Mechernich unzumutbaren und unhaltbaren Einsteigbedingungen“, so Schick, seitens der Bahn erst 2018 oder 2020 mit der Einführung des elektronischen Stellwerks beseitigt worden.
Schick aber strebt eine Komplettlösung des Mechernicher Bahnanschlusses für 2011 an. Nachdem die Stadt selbst bereits zwei moderne Park & Ride-Parkplätze gebaut hat, bringt zurzeit die Mechernicher Traditionsbusfirma „Schäfer Reisen“ den Bahnhof selbst auf Vordermann.

So sieht die komplette Baumaßnahme vom Kreisverkehr Bahnhofsberg (oben links) bis zum Kreisverkehr Kreuserstift/Bahnstraße (unten rechts) aus.Neue Akzente im Bahnhof
Das alte Bahnhofsgebäude wird nach Plänen des Holzheimer Architekten Peter Sampels in einen lichtdurchfluteten modernen Glaskomplex verwandelt. Bauherr Rolf Schäfer will in der neuen „Gleis-Passage“, so der Name, Akzente setzen, die nichts mehr mit dem Bahnhofsklischee vergangener Jahrzehnte zu tun haben.
Wie Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick und Fachbereichsleiter Thomas Hambach bekannt gaben, zeichnet sich auch für Strempt eine Lösung ab.

Blick auf eine geteilte Stadt von der Fußgängerbrücke am Schulzentrum aus. Foto: gte/pp/Agentur ProfiPressDort sollen die beiden örtlichen Bahnübergänge ebenfalls 2011 durch Tunnel ersetzt werden. Und zwar durch eine Straßenunterführung vor Haus Rath und einen Fußgängertunnel in Höhe der St.-Rochus-Pfarrkirche.
Die Teilung Mechernichs durch die Bahnlinie war bereits Anfang der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts ein Thema im Mechernicher Gemeinderat. In den 1980er Jahren wurde zeitweise eine Tieferlage der Bahnstrecke durch ganz Mechernich diskutiert, um die Stadt am Bleiberg zu entlasten und weiterzuentwickeln.

So sieht die B 477 ab dem Jahr 2012 aus, wenn man aus Richtung Kommern oder Roggendorf/Strempt kommt und auf die Südseite Mechernichs will. Bild: a-Konzept21/pp/Agentur ProfiPressDie jetzige Planvariante mit einem Straßen- und einem Fußgängertunnel geht auf den unlängst verstorbenen Mechernicher Ratsherrn Winfried Simons zurück. Seine Pläne fanden politisch im Stadtrat eine große Mehrheit, den Bahnhofsberg zwischen zwei Kreisverkehren zu unterqueren, einen am Kreuserstift (Bahnstraße) und einen Kreisel am Abzweig Bundesstraße 477/ Kreisstraße 81 nach Roggendorf/Strempt.
Das Planfeststellungsverfahren ist in diesen Tagen abgeschlossen worden, die Baupläne sollen ab dem 15. März zur allgemeinen Einsichtnahme im Rathaus offengelegt werden.

So sieht die Studie des Planungsbüros a-Konzept21 aus Mühltal für den Fußgängertunnel Friedrich-Wilhelm-Straße aus. Dort gibt es zur Stunde noch einen täglich von 12 000 Autos passierten Bahnübergang. Bild: a-Konzept21/pp/Agentur ProfiPressDamit sind alle planerischen Voraussetzungen für die 10,2 Millionen Euro teure Untertunnelung der Bahnstrecke Köln-Trier erfüllt. Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick: „Die Stadt Mechernich hatte bereits im Vorfeld sämtliche Grundstücke im Baubereich erworben, das Planfeststellungsverfahren verlief deshalb zügig und problemlos.“
Baubeginn mit zwei Brücken
Thomas Hambach, der Fachbereichsleiter der Stadtverwaltung für Immobilien und Wirtschaftsförderung, sagte, die Arbeiten begännen in Kürze mit zwei Brückenbauwerken auf Bahngelände.
Auf ihnen werden die Gleise über den Untertunnelungsbereichen verlegt. Die größere der beiden Brücken entsteht in Höhe des Fahrzeugtunnels am Bahnhofsberg, die zweite kleinere an der heutigen Friedrich-Wilhelm-Straße, wo ein Fußgängertunnel die nördliche und südliche Seite der Bahntrasse verbinden soll.
Bis zu 12 000 Autos fahren täglich allein über den Bahnübergang Friedrich-Wilhelm-Straße (B 477). Es gibt noch zwei beschrankte Bahnübergänge mehr, an der Weierstraße und an der Turmhofstraße, ein weiterer wurde bereits geschlossen. Der Bahnhof Mechernich wird werktäglich 56 Mal von Personenzügen passiert. Dadurch sind die Bahnübergänge täglich für insgesamt vier Stunden geschlossen.
Den Löwenanteil der Baukosten für den Durchstich Bahnhofsberg trägt mit 6,25 Millionen Euro der Bund, 3,3 Millionen trägt die Deutsche Bahn AG, den Rest teilen sich Land Nordrhein-Westfalen und Stadt Mechernich.
pp/Agentur ProfiPress
(9.3.2010)




















