Kein Wort für Altenheim in ihrer Sprache

Dr. Hans-Peter Schick, Bürgermeister der Stadt Mechernich, schaute sich gleich am Eröffnungstag die neue Ausstellung über das Leben der Roma an und wies vor allem auf den starken Familienzusammenhalt hin. Foto: gte/pp/Agentur ProfipressAusstellung über Roma im Rathaus Mechernich – Familienzusammenhalt für Roma äußerst wichtig
Eine Ausstellung über das Leben der Roma ist noch bis zum 19. März d.J. im Mechernicher Rathaus zu sehen. Die Wanderausstellung der Kirche im Bistum Aachen will vor allem auf die Lebenssituation der Roma aufmerksam machen. Die Mechernicherin Hannelore Kurtenbach aus der Roma-Arbeitsgemeinschaft des Bistums berichtet: „Roma sind ein Volk ohne Land.“ Sie seien im 9.Jahrhundert aus dem indischen Raum über Persien, der Türkei und dem Balkan nach Europa eingewandert und verteilten sich heute auf alle Kontinenten.

Die Ausstellung zeigt großformatige Fotos von Roma. Informationsplakate bringen Geschichte und Leben des Volkes näher. Foto: Hannelore Kurtenbach/pp/Agentur Profipress„Es ist jedoch kein Wandertrieb, der sie zu Nomaden machte. Das Umherziehen ist eine Folge fortwährender Vertreibung“, so Hannelore Kurtenbach. In Europa leben schätzungsweise zehn Millionen Roma und bilden damit die größte ethnische Minderheit, wie es im Flyer zur Ausstellung heißt. Sie seien oft von Arbeitslosigkeit, sozialer Not und Ablehnung bedroht.
Auch die oftmals schlechten Wohnbedingungen seien ein großes Problem: Durch die daraus entstehenden Gesundheitsprobleme haben die Roma eine im Vergleich zur übrigen europäischen Bevölkerung um zwölf bis 15 Jahre kürzere Lebenserwartung.
Dr. Hans-Peter Schick, Bürgermeister der Stadt Mechernich, sah sich die Ausstellung gleich am Eröffnungstag an: „Wenn man sich die Geschichte der Roma anschaut, wird Verständnis leichter möglich. Sie wurden immer wieder vertrieben und in der Nazizeit auch systematisch verfolgt und ermordet.“ Der Familienzusammenhalt sei sicher beeindruckend. „Oft leben vier Generationen miteinander und unterstützen sich.“
So haben die Roma in ihrer Sprache kein Wort für „Altenheim“, denn die Alten bleiben in der Familie. Kinderreichtum gilt als Inbegriff des Glücks und Garant für ein sorgenfreies Alter, denn die Kinder kümmern sich wiederum um die Senioren.

Kinderreichtum gilt bei den Roma als Inbegriff des Glücks. Foto: Hannelore Kurtenbach/pp/Agentur Profipress
In der Ausstellung findet man ein Zitat von Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats der Sinti und Roma: „Unser Volk ist keine Leistungsgesellschaft und nicht bestrebt, seinen Lebensstandart immer weiter zu steigern.“
Ziel der seit 15 Jahren bestehenden Arbeitsgruppe „Roma“ des Bistums und der Ausstellung ist es, Verständnis für die Roma zu wecken und dabei zu helfen, dass die Roma-Kinder bessere Bildungschancen erhalten.
Die Ausstellung ist noch bis Freitag, 19. März, im Erdgeschoss des Mechernicher Rathauses während der Öffnungszeiten zu sehen.
pp/Agentur ProfiPress
(23.2.2010)

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