Logo der Stadt Mechernich
Bilderleiste Kopf
Blauer Kasten
  Stadtplan // eCards // Datenschutz // Sitemap // English
 
   Kontakt // Impressum
 

Nur die Namen zweier Opfer sind bekannt

gedenkstein der ermordeten Zwangsarbeiter mit Kerzen
Vor dem Gedenkstein, der an die im Stadtgebiet ermordeten Zwangsarbeiter erinnert, stellten die Menschen ihre Kerzen ab. Foto: Gudrun Klinkhammer/pp/Agentur Profipress
80 Menschen nahmen in diesem Jahr am Gedenkmarsch für die Opfer des Nationalsozialismus teil. Erstmalig wurde auch eine Station am neuen Gedenkstein eingelegt, der an die im Stadtgebiet ermordeten Zwangsarbeiter erinnert

Die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus gehört in der Stadt Mechernich zur festen Tradition Jedes Jahr am Gedenktag der Reichspogromnacht treffen sich viele Mechernicher, um an jene Menschen zu erinnern, die den Nationalsozialisten zum Opfer fielen. Franz Josef Kremer fächerte in diesem Jahr

junge interessierte Teilnehmer
Auch viele junge Leute nahmen an dem Gedenkmarsch statt und ließen sich von Franz Josef Kremer über die Ereignisse in ihrer Stadt zu Zeiten des Nationalsozialismus informieren. Foto: Gudrun Klinkhammer/pp/Agentur Profipress
entsetzliche Einzelschicksale auf, als er am neuen Gedenkstein in Mechernich in der Marienau der Opfer des Nationalsozialismus gedachte. Der  Gedenkstein, der in diesem Sommer an einer Kurve in der Straße „Marienau“ aufgestellt worden war, erinnert an Zwangsarbeiter  und Zwangsarbeiterinnen, die im Stadtgebiet von Mechernich ermordet wurden. „Rund 80 Besucher lauschten stillschweigend den Ausführungen von Franz Josef Kremer. Der Angehörige der katholischen Mechernicher Pfarrgemeinde wusste zu berichten, dass 4,6 Millionen Kriegsgefangene und 8,4 Millionen Zwangsarbeiter unter menschenunwürdigen Zuständen während des Zweiten Weltkriegs in allen Bereichen des öffentlichen und privaten Lebens in Deutschland eingesetzt wurden“, berichtet Gudrun Klinkhammer im „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Nur durch den völkerrechtswidrigen Einsatz von Zwangsarbeitern konnte das nationalsozialistische Regime die Lücken stopfen, die durch die stetig steigende Beanspruchung der deutschen Bevölkerung während des Krieges entstanden“, so Franz Josef Kremer in seiner Ansprache. Kremer habe weitere, unfassbare Zahlen genannt: „Zwischen Beginn des Russlandfeldzuges und dem Ende des Jahres 1941 waren von 3,35 Millionen russischen Kriegsgefangenen bereits zwei Millionen ums Leben gekommen.“ Natürlich sei es richtig, im Zusammenhang mit der Reichspogromnacht besonders an die

große Besucherschar
Rund 80 Besucher lauschten stillschweigend den Ausführungen von Franz Josef Kremer, der sich eingehend mit der Zeit des Nationalsozialismus in der Stadt am Bleiberg auseinandergesetzt hat. Foto: Gudrun Klinkhammer/pp/Agentur Profipress
jüdischen Opfer zu erinnern, doch hätten die Nationalsozialisten auch in ganz großem Maße an unzähligen anderen Menschen verbrecherisch und mordend gewirkt. Dass es in Mechernich Zwangsarbeiter gegeben habe, sei unbestritten. Doch wie viele es waren, dies sei nicht exakt dokumentiert. Nur die Namen zweier Opfer seien bekannt. „Stefan Kowalewski war Landarbeiter bei einem ortsansässigen Bauern. Als Gerüchte aufkamen, dass er eine Beziehung zu der Tochter des Bauern pflege, wurde er am 14. Juli 1941 in einer Kiesgrube bei Schaven erhängt. Zwangsarbeiter Josef Kujawinski, wurde ebenfalls vorgeworfen, sich an einem Mädchen vergriffen zu haben. Ihn erhängte

Redner Franz Josef Kremer
Franz Josef Kremer konnte am Samstagabend von vielen Einzelschicksalen berichten, die den Menschen sehr nahe gingen. Foto: Gudrun Klinkhammer/pp/Agentur Profipress
die Gestapo in einem Waldstück nördlich von Rissdorf“, so der „Kölner Stadt-Anzeiger“. An der Stelle, an der heute der Gedenkstein steht, ermordeten die Nazis im Winter 1944 eine 16-jährige Ukrainerin. Das Mädchen arbeitete im Krankenhaus, wie Franz Josef Kremer schilderte. Klinkhammer: „Nach einem verheerenden Luftangriff auf die Stadt, bei dem das Hospital schweren Schaden genommen hatte, wurde die junge Frau mit einigen Kleidungsstücken angetroffen, die sie in den Trümmern des Krankenhauses aufgelesen hatte. Dafür wurde sie an einem Baum unmittelbar in der Nähe des Gedenksteines erhängt. Einen weiteren Mann unbekannter Nationalität erschoss die Gestapo ebenfalls wegen Plünderns im Dezember 1944 in der Nähe von Gut Hombusch hinterrücks.“

Nach den Ausführungen Kremers hätten einige der Besucher
schweigend Grablichter angezündet und diese vor den Gedenkstein gestellt. „Anschließend führte der Weg gegen das Vergessen zur katholischen Kirche, wo Schüler des Mechernicher Gymnasiums Am Turmhof an die systematische Ermordung von behinderten und psychisch kranken Menschen erinnerten“, so der „Stadt-Anzeiger“ abschließend. Die letzte Station des Gedenkgangs war in diesem Jahr das Dietrich-Bonhoeffer-Haus, an dem Konfirmanden der
evangelischen Kirche das schreckliche Thema aufgriffen.

pp/Agentur ProfiPress

(09.11.2009)