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Geburtstagsgrüße für Kommerner Jüdin

Klasse 7c der Hauptschule Mechernich
Die Klasse 7c der Hauptschule Mechernich hat zum 99. Geburtstag der Kommerner Jüdin Lilly Clyne Briefe geschrieben – das Schicksal der Frau und ihre Flucht nach London nach der Pogromnacht hatte die Jugendlichen sehr berührt. Foto: gte/pp/ Agentur Profipress
Klasse 7c der Mechernicher Hauptschule schreibt Briefe zum 99. Geburtstag von Lilly Clyne – „Mitgefühl entwickeln, damit so etwas wie in der Nazizeit nicht wieder geschieht“

Ihren 99. Geburtstag feiert Lilly Clyne, geborene Kaufmann, am Sonntag, 1. März, in London. Dorthin musste die Kommerner Jüdin 1939 vor den Nazis fliehen.

Die Klasse 7c der Hauptschule Mechernich hat jetzt Geburtstagsbriefe an Lilly Clyne geschrieben, nachdem die Schüler im Unterricht von ihrer Lehrerin Gisela Freier von dem Schicksal der Frau erfahren haben.

„Sie gehörte zu der Kommerner Familie Levano und hatte einen Führerschein, was für eine Frau zu dieser Zeit etwas Besonderes war“, berichtete Sabina. Diesen Führerschein konnte die Kommerner Jüdin auf ihrer Flucht retten. Klassenlehrerin Gisela Freier: „Und die Frau fährt sogar heute noch Auto.“

Sebastian berichtet in seinem Brief, dass er selbst in dem Haus gegenüber des ehemaligen Büros der Firma Levano gewohnt hat – dort arbeitet Lilly Kaufmann.

Wolfgang Freier und Lilly Clyne
Lilly Clyne, hier mit Wolfgang Freier, der sich zusammen mit der Lehrerin Gisela Freier gegen das Vergessen der Kommerner Juden engagiert, bei einem Besuch in London im vergangenen Jahr. Am Sonntag wird Lilly Clyne 99 Jahre alt. Foto: privat/ pp/Agentur Profipress
Sebastian weiter: „Mittlerweile gibt es in Kommern eine Straße, die Levano Weg heißt.“ Luca schreibt, nachdem sie von der Flucht nach der Pogromnacht gehört hat: „Mich hat ihr Schicksal sehr berührt.“ Noch könne man eben Kontakt zu den Zeitzeugen aufnehmen.

Die Klasse 7c hatte auch die erste Stolpersteinverlegung in Mechernich für die jüdische Familie Ruhr vorbereitet und begleitet. Freier: „Mir ist es nicht nur wichtig, dass meine Schüler die Fakten über diese schreckliche Zeit des Nationalsozialismus kennen, sondern auch gefühlsmäßig die Geschichte verarbeiten – damit die Schüler Mitgefühl entwickeln und so etwas nicht mehr geschehen kann wie in der Nazizeit.“

Dabei sei die Zeit um die Pogromnacht 1938 besonders bedeutsam, wie die Lehrerin sagt: „Damals fing die Verfolgung von Menschen mit anderer Religionszugehörigkeit offen an. Auch heute noch müssen wir aufpassen, dass Menschen nicht aufgrund ihrer Herkunft oder Religion ausgegrenzt werden.“

Schüler schreiben Geburtstagsbriefe an Lilly Clyne
Die Schüler schrieben zum Teil sehr persönliche Briefe über ihre Betroffenheit angesichts des Schicksals von Lilly Clyne. Sebastian (3.v.l.) wohnte in Kommern gegenüber des Büros, in dem die Jüdin vor ihrer Flucht arbeitete. Foto: gte/pp
Lilly Clyne wurde am 1. März 1910 als Lilly Kaufmann in Kommern geboren. Ihre Eltern waren Gustav und Elvira Kaufmann, geborene Levano. Sie wuchs auf einem Bauernhof in Hostel auf, den ihre Eltern bewirtschafteten. Nach ihrer Schulzeit begann sie eine Lehre in der Firma Levano, wo sie später in der Geschäftsleitung tätig war.

1939 gelang ihr die Ausreise aus „Nazi-Deutschland“, ihrer Schwester Eva war bereits 1938 die Flucht geglückt.  Es gelang den Schwestern nicht, auch ihre Eltern nach England zu holen. Gustav und Elvira wurden im Konzentrationslager Lodz ermordet.

In England schlug sich Lilly Kaufmann zunächst als Hausmädchen durch. Nach dem Krieg heiratete sie Aron Clyne, dem sie eine Tochter, schenkte. Lilly Clyne hat drei Enkelkinder und einige Urenkel.

pp/Agentur ProfiPress

(27.2.2009)