Kiosk und Toilettenanlage an der Zumthor-Kapelle

Die Bruder-Klaus-Kapelle im Wachendorfer Feld wurde nach Plänen des Schweizer Stararchitekten Peter Zumthor vom Stifter, dem Wachendorfer Landwirt, Geschäftsmann und langjährigen Landjugend-Vorsitzenden Hermann-Josef Scheidtweiler, in Eigenregie errichtet. Sie zieht Kunst- und Architekturliebhaber, aber auch Gläubige und Kontemplation suchende Menschen aus aller Welt an. Foto: Gunnar Tameer Eden/pp/ Agentur ProfiPressTurbulente Debatte, aber einmütiger Beschluss im Mechernicher Stadtentwicklungsausschuss
Die von dem Schweizer Stararchitekten Peter Zumthor konzipierte und von dem Wachendorfer Landwirt und Geschäftsmann Hermann-Josef Scheidtweiler in Eigenregie errichtete Bruder-Klaus-Kapelle zieht inzwischen Scharen von Besuchern an. Und zwar nicht nur aus spirituellen Gründen – auch zahlreiche Kunst- und Architekturliebhaber pilgern zu dem außen profan kubistischen und innen unglaublich atmosphärischen, manche sagen kontemplativen, Kirchenbau. Es sind inzwischen so viele geworden, dass die Wachendorfer Bürger über wildes Parken der Kapellentouristen zu klagen beginnen.
Thomas Schiefer legte dem Gremium einen Bebauungsplan vor, der eine privatwirtschaftliche Lösung vorsieht. Ein privater Investor soll am Sportplatz ein Bistro mit Toilettenanlage errichten. Auch die dort bereits vorhandenen Parkplätze könnten genutzt werden. Der Ausschuss stimmte diesem Vorschlag zu – und beschloss die Offenlage des Bebauungsplans bei nur einer Gegenstimme.
Jetzt sollen detaillierte Planungen folgen. Dabei, so versicherte Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick, sollen die Wachendorfer Bürger mit einbezogen werden. Zeitnah soll es eine Bürgerversammlung geben, bei der eine für alle tragbare Lösung gefunden wird. „Es wird sehr offen diskutiert werden“, versprach Hans-Peter Schick.

Die Atmosphäre im Inneren des kleinen avantgardistischen Kirchenbaus ist kaum beschreibbar, sie will förmlich erlebt werden. Peter Zumthor ist mit dem Wachendorfer Bau ein architektonisches Meisterwerk des 21. Jahrhunderts gelungen. Kubisch, kompakt, etwas klotzig von außen, aber innen rustikal-erdverbunden und doch offen für den Himmel . . . Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPressTrotz des einmütigen Beschlusses am Ende der Debatte wurde auch bereits im städtischen Ausschuss offen und kontrovers diskutiert. Dabei wurde auch der Vorwurf erhoben, die Stadt habe die Kapelle des weltbekannten Architekten, die jetzt nicht nur Gläubige, sondern auch Kunst- und Architekturliebhaber vom ganzen Globus anlockt, erst gar nicht genehmigen dürfen. Es wurden aber auch Stimmen laut, die das Bauwerk und seine spirituelle Wirkung als Geschenk und Bereicherung für Mechernich bezeichneten.
Als ein Ausschussmitglied Regressansprüche gegen Stadtplaner Thomas Schiefer in Erwägung zog, mahnte Bürgermeister Dr. Schick dann doch, man solle die Kirche im Dorf lassen:
„So hoch brauchen die Gemüter nicht zu kochen“, wird Schick von Roland Larmann in der Kölnischen Rundschau zitiert: „Die Tragweite dieses Bauwerks wurde unterschätzt.“ „Es ist ein Wunder geschehen und Zumthor kam nach Wachendorf“, blies Dr. Arpad Konovaloff ins gleiche Horn. Jetzt müsse eben die entsprechende Infrastruktur nachträglich installiert werden. So sah es auch der Fraktionsvorsitzende Wulf-Dietrich Simon.
„Die Kapelle regt an, regt auf, sie ärgert - sie erzeugt also Emotionen. Man kann über sie schimpfen, aber das Bauwerk ist ein Gewinn für Mechernich“, fasste Ratsherr Peter von Wilcken (Grüne) die Diskussion zusammen.
Der Journalist Dr. Michael Thalken schlägt in seinem Bericht über die turbulente Ausschussdebatte im „Kölner Stadt-Anzeiger“ den Bogen zurück zu jenem Heiligen, dem der Zumthor-Kapellenbau nach dem Willen des Bauherrn Hermann-Josef Scheidtweiler geweiht wurde.
Thalken schreibt: „Niklaus von der Flüe, besser bekannt als Bruder Klaus, soll die letzten 19 Jahre seines Lebens außer der Eucharistie nichts zu sich genommen und lediglich das frische Quellwasser aus einem nahen Bach getrunken haben. Moderne Besucher, die heute die Bruder-Klaus-Kapelle der Eheleute Scheidtweiler in Wachendorf besuchen, sind von diesem nur der Kontemplation gelebten Leben Lichtjahre entfernt. „Sie springen aus ihren Fahrzeugen und hinterlassen dort das, womit Kritiker gern die Qualität der Kapellen-Architektur insgesamt bezeichnen“, berichtete Stadtplaner Thomas Schiefer im jüngsten Stadtentwicklungsausschuss.“
pp/Agentur ProfiPress
Wie es zu dem ungewöhnlichen Kapellenbau in Wachendorf kam:
Stifter Hermann-Josef Scheidtweiler (links) und sein Freund Helmut Weber erläuterten, wie es zu dem ungewöhnlichen Kapellenbau in Wachendorf kam. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPressStifter Hermann-Josef Scheidtweiler dachte anfangs an ein „ganz normales“ kleines Kapellchen, war aber dann erst nur offen, aber dann Feuer und Flamme für die avantgardistischen Pläne des Schweizer Architekten Peter Zumthor. Der baute gerade in Köln das neue Diözesanmuseum, war aber sofort dem Wachendorfer Landwirt zugetan, als der ihn mutig fragte, ob der große Zumthor nicht in Wachendorf eine kleine Kapelle bauen wolle. Als Zumthor hörte, dass sie dem Schweizer Heiligen Nikolaus von der Flüe, dem Patron seiner Mutter, geweiht werden sollte, sagte er spontan zu.
Bruder Klaus, dem Schutzpatron der Katholischen Landjugendbewegung, hat Hermann-Josef Scheidtweiler die Kapelle gestiftet. Foto: gte/pp
Scheidtweiler wiederum hatte sich für diesen als „Bruder Klaus“ in den Heiligenkalender eingegangenen Christen entschieden, weil der frühere Landwirt, Familienvater und Ratsherr und spätere Einsiedler Nikolaus von der Flüe auch der Schutzpatron der Landjugend ist, deren Vorsitzender Hermann-Josef Scheidtweiler Jahrzehnte lang war.
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