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Wanderrouten am Mechernicher Bleiberg


Eifelvereinsvorsitzender Horst Müller (links) und Fritz Hunsicker, der Vorsitzende des Fördervereins Besucherbergwerk Mechernich, an einer ihrer Lieblingsstellen, dem Baltesbendener Weiher im Mechernicher Bergwerksgelände. Die beiden haben zwei interessante Rundwege ausgeklügelt, die man am besten am Bergbaumuseum  Mechernich beginnt. Dort gibt es im übrigen auch kostenlose Flyer zu dieser Route. Foto: gte/pp

Tolles Panorama und jede Menge Relikte aus der großen Zeit des Bergbaus 

Neun und elf Kilometer lange Wanderrouten am Mechernicher Bleiberg sind auch was für jüngere Leute – Wege frisch markiert – Flyer im Bergbaumuseum

Ex-Bundespräsident Carstens machte es, sein Nachfolger Horst Köhler ebenso wie Compostela-Pilger Hape Kerkeling.

Für die beiden Mechernicher Horst Müller und Friedrich Hunsicker ist Wandern sogar eine Passion. Die beiden sind außerdem Funktionäre des örtlichen Eifelvereins bzw. des Mechernicher Bergbaumuseums.


Einst der höchste Kamin Europas  und Anfang der sechsziger Jahre von Grenzschutz-Pionieren gesprengt ist der Sockel des legendären "Langen Emil" heute nur noch ein Relikt, dessen meterdicke Mauern immer noch beeindrucken. Foto: gte/pp


Als solche stellten sie jetzt dem Live-Magazin des Wochenspiegels Wandern
ohne Klischee vor:

Wandern auf Routen, die so schön und interessant sind, dass sie auch jüngere Semester anziehend finden.

Die Rede ist vom „Bergbauhistorischen Wanderweg“ und vom „Panorama-Wanderweg“, zwei ausgesprochenen Leckerbissen für Naturfreunde, die gleichzeitig auf historische und soziologische Funde am Wegesrand aus sind.


Beide Routen führen nämlich nicht nur zu den grandiosesten Aussichtspunkten auf dem Bleiberg, sondern auch zu den Relikten aus Mechernichs großer Bergbauvergangenheit.


Der Malakow-Turm erinnert an den Teil einer Trutzburg, ist aber ein ehem. Bergwerksgebäude mit 110 m tiefem Förderschacht. Er liegt direkt am „Bergbauhistorischen Wanderweg“. Foto: gte/ProfiPress

„Panoramaweg, ein Leckerbissen“
 
„Der Panoramaweg ist ein echter Leckerbissen für Naturfreunde“, konstatiert Horst  Müller, der frühere Kämmerer der Stadt Mechernich und amtierende Eifelvereinsvorsitzende. Und Müller muss es wissen: Denn er ist Jakobspilger und hat die wohl berühmteste Wanderstrecke der Welt, den Fußweg jenseits der Pyrenäen zum Grab des Apostels Jakobus im nordspanischen Santiago de Compostela in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal zurückgelegt.

Zurück an den Bleiberg: Beide hier vorgestellten Erlebnis-Wanderrouten nehmen ihren Ausgang am Bergbaumuseum Mechernich. Auf dessen Parkplatz kann man den Pkw abstellen, denn es handelt sich um Rundwanderwege.
„Bei uns im Museum kann man sich einen kostenlosen Flyer abholen, auf dem nicht nur die Wegstrecke erklärt ist, sondern auch weitere Informationen über die Sehenswürdigkeiten“, berichtet Fritz Hunsicker vom Förderverein des Bergbaumuseums.

Ein Teil des „Panoramawegs“ ist mit dem „Bergbauhistorischen Wanderweg“ identisch, auf dem zahlreiche Attraktionen wie die Überreste des „Langen Emil“ zu finden sind. Das war einst mit 134 Metern der höchste Schornstein Europas.


Natur pur bieten die Wanderwege rund um  Mechernich wie der „Panorama-Wanderweg“ und der „Bergbauhistorische Wanderweg“, der auch noch ganz spezielle Attraktionen bereit hält. Foto: Gunnar Tameer Eden/pp/Agentur ProfiPress
Sehenswert auch die früheren Bleisandabsetzbecken, die Eindicker, Baltesbendener und Buchholzbacher Weiher, die einst riesige Wassermengen für die Erzwäsche zu liefern hatten, alte Sandhalden und der Malakow-Turm.

Höhepunkte im wahrsten Sinne des Wortes sind auf der weiteren Strecke des „Panorama-Wanderweges“ der Pflugberg mit einem tollen Blick auf das Bergbaugebiet und vor allem der als Eifel-Blick ausgezeichnete Galgennück.

Dort hat man einen wirklichen Panoramablick von mehr als 220 Grad Sicht über die grüne Eifel-Landschaft.

Bei gutem Wetter kann man bis zum Siebengebirge sehen. Eine reich illustrierte Hinweistafel erklärt die einzelnen Ortschaften und Sehenswürdigkeiten.

Bergbauhistorischer Wanderweg

Aber auch der Bergbauhistorische Wanderweg hat noch einiges zu bieten. An mehreren Stellen bekommt man einen guten Einblick in den damaligen Tagebau. Überraschend ist auch der Anblick der Reßhecke.


Ein grandioses Panorama mit über 220 Grad Blick bietet der Galgennück bei Lorbach, ausgeschildert auf dem „Panorama-Wanderweg“. Foto: gte/pp/Agentur ProfiPress

Dort sind die Untertagebaue eingebrochen, wodurch sich steile Abbrüche und schroffe Felskanten gebildet haben. „In der Vegetationsperiode fasziniert die begrünte Landschaft, in der Winterzeit sind die kantigen Felsstrukturen besser zu sehen“, so Friedrich Hunsicker.

Direkt am Wanderweg liegt der Malakow-Turm, ein festungsartiges Gebäude, welches zu Zeiten des Bergbaus einen 110 Meter tiefen Förderschacht barg. Er wurde in Mechernich auch „Dreckschacht“ genannt und diente bis zur Schließung des Bergwerks der Personenförderung.

Unter einem gigantischen Hügel daneben liegen die Trümmer des 1981 gesprengten Großen Förderturms.  

Die vielen Kiefernwälder entlang des Weges fallen auf. „Das Stützholz für die Stollen bestand früher immer aus Nadelholz“, erklärt Fritz Hunsicker.


Frisch markiert sind sämtliche Wanderwege  in und rund um  Mechernich – insgesamt eine Wanderstrecke von über 150 Kilometern. Foto: gte/pp/ProfiPress
Es sei zwar nicht so haltbar wie Buche oder Eiche, dafür würde es aber auch nicht bei zu hohem Druck plötzlich bersten wie Laubhölzer: „Nadelholz spricht zum Bergmann!“ Unter Knirschen und Knacken biege es sich und gebe so sichere Anzeichen für die Annäherung an die Bruchgrenze. Das habe den Bergleuten die Chance gegeben, rechtzeitig aus einsturzgefährdeten Stollen zu verschwinden.

Fritz Hunsicker und Horst Müller warnen

Friedrich Hunsicker und Horst Müller warnen übrigens davor, die ausgeschilderten Wanderwege, die gerade erst neu markiert worden sind, zu verlassen. Nicht nur wegen des Naturschutzes – auch der eigenen Sicherheit wegen.

„Abseits der Wege kann es jederzeit zu Einbrüchen von Stollen oder Füchsen kommen. Letztere sind ehemalige unterirdische Abzugs-Tunnel“, erklärt Eifelvereinschef Müller.


Aus dem Gipfel des Pflugberges  bei Lorbach ragt ein Teil des alten Westwall-Bunkers. Von hier aus hat man einen herrlichen Blick über das ehemalige Bergbaugebiet. Foto: Gunnar Tameer Eden/pp/ Agentur ProfiPress

Der „Bergbauhistorische Rundwanderweg“ ist neun Kilometer lang, der „Panoramaweg“ elf. Die Steigungen sind moderat und auch für Schulkinder zu bewältigen, aber durch Strecken mit losem Schotterboden nicht kinderwagengeeignet.

„Wir wollen noch so bald wie möglich Infotafeln an den interessantesten Stellen errichten“, sagte Müller. Die mit A1 (Bergbauhistorische Wanderweg) und A2 (Panoramaweg) in schwarzer Schrift auf weißem Grund gekennzeichneten Wege sind aber bereits jetzt ein abwechslungsreiches Erlebnis.

Gunnar Tameer Eden/pp/Agentur ProfiPress