„Ich finde es traurig, dass nicht alle mitziehen“

40 bis 60 Kilometer „rennt“ Heinrich Reinartz (links) pro Woche durch die Eifel. Einer seiner Lieblingsplätze ist das Wegekreuz zwischen Urfey und Weyer. Gestaltet hat diesen Platz zum Innehalten der Vollemer Rentner Karl Scheuren (rechts). Er sorgt auch dafür, dass dieses Plätzchen so schön bleibt wie es ist. Foto: gte/pp/Agentur ProfiPressKarl Scheuren (72) aus Vollem umsorgt ein Wegekreuz und vieles mehr – Aktivrentner im Stadtgebiet Mechernich engagieren sich für die Allgemeinheit
Ohne Rentner sähen viele Dörfer im Stadtgebiet Mechernich nicht so adrett und sauber aus wie sie das tun. Es sind meist die sprichwörtlichen „Jonge uss em Levve“, die sich nicht lange bitten lassen, wenn im Dorf ohne großes Palaver und Bezahlung etwas für die Allgemeinheit zu regeln ist. Und meist bringen diese Rentner-Gangs einander auch über Dorf- und Gemeindegrenzen hinweg große Hochachtung entgegen. Und es kommt sogar vor, dass der eine ehrenamtliche Dorfarbeiter auf einen anderen ehrenamtlichen Denkmal- und Naturschützer aufmerksam macht, der selbst viel zu bescheiden gewesen wäre, von seinem Engagement Aufhebens zu machen.
So war es auch im Falle des Vollemer Pensionärs Karl Scheuren, der sich in seinem Dorf um Bachlauf, Böschungen und Wegekreuze kümmert. Auf das uneigennützige Tun seines Rentnerkollegen machte der Vussemer Heinrich Reinartz (64) die Medien aufmerksam. Der Mann ist selbst Mitglied jener bereits medienbekannten Rentnerband, die in Vussem unter anderem Ruhebänke, Wegekreuze und den Friedhof „in Schuss“ hält, wie der Eifeler sagt.
„Oft komme ich auch an Müll und Unrat vorbei“, berichtet er – und das treibt ihm die Zornesröte ins Gesicht. „Warum bringen die Leute ausrangierte Fernsehapparate, Kühlschränke oder Matratzen nicht dahin, wo sie hingehören, nämlich auf die Kreismülldeponie bei Strempt“, wettert Reinartz: „Das liegt doch gleich um die Ecke!“
Umso erfreulicher ist es, wenn Reinartz nicht nur eine von Unrat freie Landschaft antritt, die auch noch einen gepflegten Eindruck macht. Eine seiner Laufstrecken führt ihn an Urfey vorbei den Berg hoch bis nach Weyer. Auf etwa halber Höhe des recht steilen Anstiegs hat der sportliche Vierundsechzigjährige einen Lieblingsplatz: Dort lädt eine Bank neben einem Wegekreuz zum Verweilen ein.

Der Vollemer Karl Scheuren kümmert sich seit drei Jahren um das Wegekreuz zwischen Urfey und Weyer. Er hat das zerfallene Kruzifix in seiner Garage aufgearbeitet und dann den Standort mit Blumen, Pflastersteinen und einem „Ewigen Licht“ verschönert. Foto: gte/pp
„Das ist das schönste Eckchen auf der Strecke, dafür sorgt der Vollemer Karl Scheuren“, erzählt Reinartz. Der ist 72 Jahre alt und geht mit seiner Frau dort oben oft spazieren. Scheuren: „Vor drei Jahren war das Kreuz völlig kaputt. Ich habe das restliche Holz und die Christus-Darstellung aufgesammelt und mit nach Hause genommen – und dann das Kreuz in meiner Garage aufgearbeitet.“ Dabei ließ Scheuren es aber nicht bewenden. Er pflasterte die Stelle, an der das Kreuz aufgestellt war und setzte es nach seiner Renovierung auf Metallstützen, die es jetzt etwas höher ragen lassen. Scheuren: „So steht das Kruzifix auch bei Regen nicht im Wasser.“ Blumen und ein „Ewiges Licht“ in einer kleinen Laterne komplettieren den schönen Ort zum Innehalten. „Die Lampe baue ich aber immer vor Weihnachten ab und bringe sie vor Ostern wieder an“, berichtet der Vollemer Rentner.
Der Grund dafür ist allerdings nicht die Winterwitterung, sondern eine negative Erfahrung. „Sylvester vor zwei Jahren hat da jemand einen Knaller rein geworfen – da war das Glas natürlich kaputt“. Als Vorsichtsmaßnahme gegen unvorsichtige Autofahrer hat Karl Scheuren zusammen mit seinem Bruder auch zwei große Steine als Barrieren mit dem Trecker zum Wegekreuz gebracht.
Blumen gießen, den Ort sauber halten, das Gras mähen, nach dem Rechten sehen, die Böschung des Feybachs in der Nähe seines Hauses in Ordnung halten: „Das mache ich gerne“, bekundet der Aktivrentner, „aber ich finde es traurig, dass nicht alle mitziehen und sich ein wenig um ihre Umgebung kümmern“.
pp/Agentur ProfiPress




















