Mechernicher wird „Lindenblütenritter“ in Nyons

Heinrich Beul hat viele Dokumente der Städtepartnerschaft Mechernich-Nyons gesammelt. Von ihm stammt eine Foto- Ausstellung im Stadtarchiv über die ersten 25 Jahre der Verschwisterung. Foto: Gudrun Klinkhammer/pp/ProfiPress
Heinrich Beul aus Bergbuir ist seit über 30 Jahren Fan der Städtepartnerschaft Mechernich-Nyons – Zusammenstellung einer Fotoausstellung über die ersten 25 Jahre der Verschwisterung
40 Jahre Partnerschaft zwischen Mechernich und Nyons, das sind auch vier Jahrzehnte, in denen sich sichtbare Spuren der Verschwisterung im Stadtarchiv Mechernich angesammelt haben. Tief im Keller der von Beate Meier betreuten Asservatenarsenale findet man Medaillen, Urkunden, ein speziell für die Partnerschaft bedrucktes T-Shirt, Bronze- und Olivenholzobjekte. In einem speziellen Bereich des Archivs lagern auch 120 großformatige Bilder, die Heinrich Beul 1992 zum 25-jährigen Bestehen der Städtefreundschaft Mechernich-Nyons zusammengetragen und ausgestellt hat. Lange Jahre war der in Bergbuir lebende frühere Stadtverwaltungsfunktionär Beul eine der Schlüsselfiguren der Städtepartnerschaft.
Die Bilder für die Fotoausstellung spiegeln die wichtigsten Eckdaten der ersten 25 Jahren der Verschwisterung wider. Heinrich Beul sammelte die Fotos bei Familien aus Mechernich und Nyons und forschte zusätzlich in den Archiven.
Bis es zu dieser Begeisterung über die Städtepartnerschaft kam, war allerdings ein Anstoß von außen nötig. Seit 1972 war Heinrich Beul in der Stadtverwaltung für den Ausschuss Schule, Kultur, Sport- und Vereinsförderung zuständig. Dessen Amtsleiter Heinz Kratz war mit den Angelegenheiten der Städtepartnerschaft betraut. „Von Amtsleiter Kratz wurde ich zum ersten Mal an die Sache herangeführt, begeistert war ich zunächst allerdings nicht“, sagt Beul, „Ich konnte damals so gut wie kein Französisch.“ Seine Neugierde wurde aber schnell geweckt.

In Mechernichs Partnerstadt Nyons wurde Heinrich Beul zum „Lindenblütenritter“ geschlagen. Danach gab es „nicht etwa Wein, sondern ein Glas Lindenblütentee“, berichtet Beul. Repro: Gudrun Klinkhammer/pp/Agentur ProfiPress1976 reiste der frühere Verwaltungsfachmann zum ersten Mal mit einer Gruppe von 30 Mechernicher Jugendlichen nach Nyons – den rudimentären Französischkenntnissen zum Trotz – und war „infiziert“. Daraufhin nahm Heinrich Beul Kurse an der Volkshochschule, und die praktische Erfahrung mit den Franzosen tat ihr übriges. Beul lernte, sich „in der so wunderbar liedhaft klingenden Sprache“ Französisch verständlich zu machen. Insgesamt reiste Heinrich Beul bisher 35 Mal nach Nyons, zwölf Mal davon mit Jugendgruppen. Er beobachtete die baulichen Veränderungen in der Partnerstadt und knüpfte viele Kontakte.
„Leider sind viele Bekannte nicht mehr da“, bedauert er. Früher nahm Heinrich Beul als Vorsitzender des Spielmannszuges des Kreises Euskirchen an einem regen Gedankenaustausch zwischen den Vertretern der musizierenden Bewohner beider Städte teil, den er heute vermisst.
Die Liebe zu Bruderschaften, die in Frankreich gerne ins Leben gerufen werden, erlebte der Bergbuirer hautnah. Am 30. Mai 1993 wurde ihm die Ehre zuteil, als „Lindenblütenritter“ in die Geschichte der Partnerschaft Mechernich-Nyons einzugehen. Die „Lindenblütenritter“ haben eine besondere Verbindung zur Linde (franz.: „Tilleul“), die „Olivenritter“ zum ebenfalls in der Provence reichlich vorkommenden Ölbaum.
Heinrich Beul berichtet über seine „Weihe“ in Nyons: „ Nachdem mir ein Lindenzweig über die Schulter geklopft worden war, gab es für den durstigen Herrn aus Deutschland nicht etwa Wein, sondern ein stilechtes Glas Lindenblütentee!“ Zu Olivenrittern wurden im Laufe der Jahre Stadtdirektor Helmut Rosen, Bürgermeister Peter Giesen, Bürgermeister Heinz Kehmeier, Wolfgang Müller, der „Vater“ der Städtepartnerschaft, Landrat Josef Linden, Bürgermeister Karl-Heinz Gehrke, Generalkonsul Schönwald, Eckard Böhlke, Bürgermeister Peter Schüller und Oberkreisdirektor Dr. Karl-Heinz Decker „geschlagen“.
Der amtierende Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick würdigt die Städtepartnerschaft als sehr praxisorientiert: „Es handelt sich bei der Städtepartnerschaft zwischen Mechernich und Nyons um eine beispielhafte Verbindung von Bürgerinnen und Bürger, nicht von Funktionsträgern.“
Sogar Eheschließungen seien aufgrund der partnerschaftlichen Verbindung schon zu Stande gekommen. Am 18. Mai 2007, wenn die Gäste aus Nyons zu Besuch in Mechernich weilen, wird erneut - wie in den vielen Jahren zuvor auch - ein Freundschaftsgeschenk für die Gäste bereitgehalten. Schick will noch nichts Näheres verraten, meint aber: „In diesem Jahr gibt es mal etwas echt Praktisches.“
Gudrun Klinkhammer/pp/Agentur ProfiPress

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