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Bischof zu Besuch beim Bürgermeister


Neben der Takenplatte mit dem Abbild der Heiligen Barbara stellten sich Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick, Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff und Dechant Erik Pühringer (von links) zu einem Erinnerungsbild auf. Foto: Manfred Lang/ProfiPress
Stadt und Kirche einig:
„Junge Menschen brauchen eine Chance!“
 Lebhafter Meinungsaustausch zwischen Bürgermeister Hans-Peter Schick, dem Aachener Diözesanbischof Heinrich Mussinghoff und Pfarrer Erik Pühringer 

Stadt Mechernich und Bistum Aachen haben weitgehende Übereinstimmung in Sachen Kinder- und Jugendarbeit. Das ist Fazit eines anderthalbstündigen Meinungsaustauschs zwischen dem Aachener Diözesanbischof Dr. Heinrich Mussinghoff und Bürgermeister Dr. Schick am Donnerstagnachmittag im Mechernicher Rathaus.
Schick empfing Mussinghoff, den Bischofskaplan Alexius Puls und Pfarrer Erik Pühringer im Rahmen der zurzeit laufenden Visitation von Bischof Heinrich im früheren Dekanat, der jetzigen „GdG Mechernich“ (GdG = Gemeinschaft der Gemeinden).

Dabei kamen sie neben allgemeinen schulpolitischen Fragen schnell auf das gemeinsame Jugendzentrum, die Kleine Offene Tür im Schulzentrum Mechernich zu sprechen, das Stadt und Kirchengemeinde seit geraumer Zeit gemeinsam betreuen. Und zwar mit großem Erfolg, das heißt großer Akzeptanz unter den jungen Leuten.


Gesprächspartner des Mechernicher Bürgermeisters waren am Donnerstagnachmittag Bischofskaplan Alexius Puls, Pfarrer Erik Pühringer und Bischof Heinrich Mussinghoff (von links). Foto: ml/pp/Agentur ProfiPress
Bürgermeister und Bischof unterstrichen, wie wichtig es sei, dass die Erwachsenenwelt die jungen Leute integriere. Kirchliche Gruppen leisteten da ebenso wertvolle Dienste wie die Vereine mit ihrer Jugendarbeit.
Bürgermeister Dr. Schick stellte dem Bischof die Stadt und dabei insbesondere auch ihre dichte Vereinswelt vor, in der viele Hundert junge Menschen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung, Anerkennung, Zuspruch und Erfolg finden.

Bischof Heinrich Mussinghoff berichtete in diesem Zusammenhang von der so nicht erwarteten Steigerung von Aktivitäten gerade in der jungen Kirche, in Jugendgruppen und Jugendchören. Als Beispiel nannte er „New Key“, die Jugendkirche in der Eifel, die der frühere Mechernicher Kaplan und jetzige Jugendseelsorger für die Region Eifel Hardy Hawinkels mit seinen Mitstreitern ins Leben gerufen habe. Mussinghoff: „Das ist eine gute Sache, das bringt wieder Dynamik in die Kirche!“ Der Bischof geht davon aus, dass der Weltjugendtag 2005 in Köln den jungen Christen im Bistum wichtige Impulse gegeben habe.


Bürgermeister Hans-Peter Schick, der sich selbst während des Gesprächs als Angehöriger der Pfarrgemeinde St. Agnes in Bleibuir zu erkennen gab, führte dem Aachener Hirten die Bedeutung der Dörfer vor Augen und betonte, wie wichtig diese „Mikrokosmen“ innerhalb des Gemeinwesens  seien. Dabei wurde nicht nur die Bedeutung der Vereine, Ortsvorsteher und Dorfgemeinschaftshäuser erörtert, sondern vor allem auch der Kirchen und Kapellen.

Bischof Heinrich Mussinghoff, der als stellvertretender Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz gerade am Vortag mit der Bundesregierung in Berlin verhandelt hatte, erkundigte sich auch nach der Struktur des Mechernicher Schul- und Kindergartenwesens. Dabei gab der Aachener Pontifex klar zu erkennen, dass er die Kritik des Augsburger Bischofs Mixa  am Kurs von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen keineswegs teilt. Es sei zwar „der Idealfall“, wenn Mütter sich die ersten drei Jahre zu Hause ihrem neugeborenen Kind widmen könnten, aber die moderne Gesellschaft müsse durch Kinderhorte und Kindergärten heutzutage „die Bedingungen so setzen, dass auch berufstätige Mütter in ihnen leben können“.


Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff und Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick führten ein lebhaftes Gespräch über das Miteinander von Kommune und Kirche in der Kinder- und Jugendarbeit wie im gemeinsamen Jugendzentrum, der Kleinen Offenen Tür im Mechernicher Schulzentrum. Foto: Manfred Lang/pp/ProfiPress
„Mit einem Familienbild wie vor hundert Jahren“, so der Bischof wörtlich, komme man da auch nicht weiter:
„Zumal da ja auch nicht alles ideal dran war!“ Pfarrer Pühringer, bis zur Umwandlung des Dekanates Mechernich in eine „GdG“  auch Dechant von Mechernich, wies in dem Zusammenhang auf die Umwandlung des kirchlichen Kindergartens St. Johannes Baptist in einen integrativen Kindergarten unter dem Dach der „Caritas Lebenswelten“ hin.

Pühringer und Bürgermeister Hans-Peter Schick wiesen den Bischof auch auf Integrationsprobleme aus ethnischen Gründen hin. Auch soziale Brennpunkte im Stadtgebiet und der soziale Mietwohnungsbau, der auf verschiedenen Dörfern Probleme mit sich brachte, wurden bei dem Gespräch zwischen dem Mechernicher Bürgermeister und den Kirchenvertretern nicht ausgeklammert.
Der Bischof berichtete in diesem Zusammenhang von Gesprächen mit seinen französischen Mitbrüdern nach den großen Jugendkrawallen in den Pariser Außenbezirken: „Es komme da drei Dinge zusammen: Die Familien sind oft nicht mehr intakt – beispielsweise auch bei muslimischen Familien nicht mehr, die Schulen sind auf die Situation nicht vorbereitet und es gibt keine Arbeit für die jungen Leute.“

Der Bischof vertrat die Ansicht, es müssten alle gesellschaftlichen Anstrengungen unternommen werden, jungen Menschen Perspektive und Chancen zu geben.

Die gute Zusammenarbeit von Kirche und Kommune in der Stadt Mechernich sei ein durchaus ermutigendes Zeichen in dieser Richtung. Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick: „Wenn es um die Kinder und die Jugendlichen geht, dann ziehen wir an einem Strang!“

Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress