Rheinischer Denkmalpreis 2006 für die alte Hosteler Kapelle

W. Thomas, A. Könen, W. Velser, C. Underberg, Pfarrer Arenz, O. Zanger E. von Reth, H. Hilger und P. Scheffler und S. Cornelius (von links nach rechts) scharten sich um den Altar der Kapelle in Hostel FOTO: EDEN/PP1492 erstmals erwähnt, seit fast 100 Jahren in den verlässlichen Händen des Kapellenvereins – Eigenleistung, Kontinuität und unbürokratische Lösungen
Weihbischof Karl Reger sagte einmal in einem Interview, eines der liebsten Gotteshäuser im ganzen Bistum Aachen sei ihm die kleine unscheinbare Kapelle zu den Heiligen Mauren im zur Stadt Mechernich gehörenden Dorf Hostel. Das 1492 ersterwähnte Gotteshaus sei ein Kleinod in der rheinischen Kirchenlandschaft.
Mit dieser Meinung steht der Eifeler Hirte nicht alleine da. Gestern herrschte großer Bahnhof im Wohnhaus des Hosteler Kapellenvereinsvorsitzenden Werner Thomas: Vertreter des Bistums, des Landeskonservators sowie die Unternehmerin Christiane Underberg hatten sich dort gestern um punkt 11 Uhr eingefunden, um die Vergabe des „Rheinischen Denkmalpreises 2006“ an eben den Kapellenverein Hostel bekannt zu geben.

Als Kleinod in der rheinischen Kirchenlandschaft und eines der ihm liebsten Gotteshäuser im Bistum hat vor Jahren der Eifeler Weihbischof Karl Reger die Hosteler Kapelle bezeichnet. Nach der Verlei-hung des Rheinischen Denkmalpreises wird man ihm gerne Recht geben. FOTO: GUNNAR TAMEER Der Hosteler Kapellenverein, der 2009 100 Jahre alt wird, wird mit dem mit 5000 Euro dotierten Preis für seine kontinuierliche Arbeit für das örtliche Gotteshaus ausgezeichnet. Und zwar unter besonderer Berücksichtigung der großen Innenrenovierung mit Freilegung alter Wandmalereien 1984-86 und der Altarrestaurierungen in allerjüngster Vergangenheit.
Das Preiskomitee des Rheinischen Denkmalpreises hatte die Hosteler Kirche, die dem Heiligen Hubertus und den „Heiligen Drei Mauren“ geweiht ist, unter 40 Bewerbungen ausgesucht. „Ein äußerst schwieriges Unterfangen, bei dem oft Äpfel mit Birnen verglichen werden müssen“, erklärte Komitee-Sprecherin Christiane Underberg in der gestrigen Pressekonferenz. So sei das vorbildlich und perfekt renovierte Fachwerkhaus eines Leichlinger Ehepaares im Angesicht der Hosteler Kapelle ins Hintertreffen geraten. Die Komiteesprecherin: „Wir mussten uns nun mal entscheiden!“

FOTO: GUNNAR TAMEER EDEN/AGENTUR PROFIPRESS Bei der feierlichen Überreichung des mit 5000 Euro dotierten Rheinischen Denkmalpreises 2006 am Sonntag ab 11. 30 Uhr im Hosteler Dorfgemeinschaftshaus (Heilige Messe ab 10.30 Uhr in der Kapelle) soll aber auch das Leichlinger Ehepaar eine Ehrenurkunde erhalten – ursprünglich aus der Hand von Landesbauminister Oliver Wittke. Doch der hat inzwischen abgesagt und wird von seiner Denkmalschutz-Referentin Dr. Brigitta Ringbeck vertreten.
Gastgeber der Feier ist Pfarrer Heinz-Josef Arenz, der die Gäste begrüßen und dem Preiskomitee am Ende danken wird. Ein Grußwort für das Preiskomitee entrichtet die Unternehmerin Christiane Underberg, Brigitta Ringbeck hält die Laudatio, bevor Hans-Bernd Wolberg von der Westdeutschen Genossenschafts-Zentralbank die 5000 Euro Preisgeld an den Hosteler Kapellenvereinsvorsitzenden Werner Thomas überreicht. Es spielt der Musikverein Eicks.
Neben Thomas berichteten gestern in der Pressekonferenz auch seine örtlichen Mitstreiter Hubert Hilger, Peter Scheffler und Wolfgang Velser von der engagierten Mitarbeit ihrer Dorfgenossen bei allen Arbeiten und Sammlungen: „Bei der großen Renovierung haben seinerzeit knapp 30 Leute mit angepackt – und nicht nur solche, die regelmäßig zur Kirche gehen.“

Im Zuge der "großen Renovierung" 1984-86 wurden an den Wänden und im Kreuzrippengewölbe der Hosteler Kapelle mittlalterliche Ma-lereien freigelegt. Das Langhaus zwischen romanischem Turm und gotischem Chor stammt von 1696. Foto: Eden/Agentur ProfiPress Octavia Zanger vom Rheinischen Amt für Denkmalpflege und der Aachener Diözesankonservator Elmar von Reth lobten die Hosteler gestern als „vorbildlich auch für andere Gemeinden“. Und zwar vor allem wegen der großen Kontinuität ihrer Bemühungen: „Ständig am Ball bleiben, keine großen Restaurierungsstaus entstehen lassen“. Außerdem hätten die Hosteler immer wieder selbst in die Hände gespuckt und Arbeiten unter sachlicher Anleitung selbst bewerkstelligt.
Immer wieder hätten sie auch intelligente „rheinische Lösungen“ gefunden, wie unlängst bei der Restaurierung der Seitenaltäre durch die Einbindung von Studenten der Kölner Fachhochschule für Restaurierung und Konservierung. Um die ohnehin geringen Kosten von knapp 8000 Mark überschaubar zu halten, durften die Studenten sogar im Haus des Kapellenvorstehers Werner Thomas kostenlos übernachten und essen. Eine Firma, so Wolfgang Velser, hätte für die gleichen Arbeiten 60 000 Euro haben wollen.
Auch das Preisgeld des „Rheinischen Denkmalpreises 2006“ ist bereits fest verplant, so Wolfgang Velser: „Damit wird im Altarraum neu verputzt.“ Peter Scheffler: „Und wir haben bereits zwei weitere Antragsverfahren bei der Kreissparkasse und der Nordrhein-Westfalen-Stiftung laufen, mit denen wir den Hauptaltar restaurieren wollen.“
pp/Agentur ProfiPress

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