Kallmuther St.-Georgs-Ritt - wie seit Hunderten von Jahren

Vor den Toren des Burgdorfs Kallmuth spalteten sich die Pilger in eine Reiter- (links) und eine Fußgängerprozession (rechts) auf. FOTO: AGENTUR PROFIPRESS
In Mechernich-Kallmuth gedachte auch dieses Jahr die halbe Nordeifel am 1. Mai des Reiterheiligen Georg
Mechernich-Kallmuth - Sankt Georg, der Reiterheilige aus Kapadokien, der seit dem Mittelalter in Kallmuth verehrt wird, wird seine Freude an dem Bild gehabt haben: Knapp über 200 Pferde und etwa zehnmal so viele Fußpilger zogen durch die Straßen und Fluren des Burgdorfs. Sie zogen in langer Prozession zum Georgspütz zwischen Kallmuth und Urfey, an dem seit vielen hundert Jahren am 1. Mai unter freiem Himmel Heilige Messe gefeiert wird.

Mit Zylindern und schwarzen Anzügen waren die Eskortenreiter des Sakramentenwagens so gekleidet wie seit Anbeginn der 54 Jahre alten Kallmuther Reiterprozession. Neben diesem Rheinisch-Deutschen Kaltblut gehörten zur Eskorte auch zwei Friesen und zwei Ardenner, alles Pferde des schwereren Schlages, mit denen in den 50er Jahren die Tradition des Kallmuther St.-Georgs-Rittes begründet worden war. FOTO: PROFIPRESS
Daran erinnerten auch in diesem Jahr zumindest fünf schwere Pferde und ihre traditionell mit schwarzen Anzügen und Zylinderhut gewandeten Reiter, die den Sakramentenwagen eskortieren durften.
Auf diesem reich mit Blumen und Girlanden geschmückten Ackerwagen hatte die Geistlichkeit Platz genommen, um das Allerheiligste zur Messe am Georgspütz und zurück ins Dorf zur traditionellen Pferdesegnung zu geleiten.
„Einer so eindrucksvollen Veranstaltung wie dem St.-Georgs-Ritt am 1. Mai konnte auch das Wetter mit seinen wenig frühlingshaften Temperaturen nichts anhaben“, schrieb Bernhard Romanowski im „Kölner Stadt-Anzeiger“.
Und Elvira Hilgers lobte in der „Kölnischen Rundschau“: „Gut geordnet bot die Reiterschar bei der Prozession durch den Ort den zahlreichen Besuchern am Straßenrand eine echte Augenweide.“
Das Allerheiligste, begleitet von der Geistlichkeit, wurde wie seit altersher auf dem Sakramentenwagen zum Georgspütz gefahren. Dort feierten die Kleriker unter Hauptzelebrant Pater Albert aus dem Kloster Arnstein Heilige Messe. Am Schluss der Prozession wurden im Dorf die am Sakramentenwagen vorbei ziehenden Pferde und Reiter gesegnet. FOTO: ROGGENDORF/PROFIPRESS
Zum 54. Mal stellte die Pfarrgemeinde St. Georg eine solche Reiterprozession auf die Beine. Rund 200 Reiter und mehr als zehnmal so viele Besucher zogen auf Schusters Rappen vom Schevener Weg zur Wiese am Georgspütz. Dort war bereits der Altar geschmückt, vor dem die Pastoren Kurt Hoberg aus Kallmuth, Karl-Heinz Stoffels aus Blankenheim und Albert Beulstein aus Arnstein sowie der Diakon Michael Ruland gemeinsam mit den Besuchern Gottesdienst feierten.
Das Thema der Predigt lag nahe: Der Ritter Georgius aus Kappadozien in der heutigen Türkei stand bis zu seinem gewaltsamen Tode im Jahr 303 im Dienste des römischen Kaisers Diokletian. Georgius wurde als Christ enttarnt und sollte unter Folter seinem Glauben abschwören.

Wie in jedem Jahr lenkten Johannes Seidenfaden und Heinz Rosemann (von links) den Sakramentenwagen mit einem Ardennergespann vom Sattel aus. FOTO: SABINE ROGGENDORF/AGENTUR PROFIPRESS
Doch er blieb standhaft und starb lieber den Märtyrertod, als seinen Gott zu verraten. Wegen seines unbeugsamen Charakters wird er seit dem Mittelalter von den Christen verehrt. Er zählt als „Drachentöter“, der das Böse bekämpft, seit dem 15. Jahrhundert zu den 14 Nothelfern.
Die Unbeugsamkeit dieser historischen Figur nahm Pater Albert vom Kloster Arnstein zum Anlass, in seiner Predigt das Thema „Zivilcourage“ zu erörtern. Gerade in der heutigen Zeit, mit dem Rückzug des Staates aus dem Bereich der sozialen Hilfe und der zunehmenden Kälte im Umgang der Menschen miteinander, sei diese Grundtugend eine Aufgabe, der man sich als Christ stellen müsse.
FOTO: SR/AGENTUR PROFIPRESS
Am Schevener Weg fanden die vielen Tausend nach dem St.-Georgs-Ritt die Gastfreundschaft der Kallmuther.
Es gab reichlich zu essen und zu trinken – und ein Platzkonzert des örtlichen Musikvereins.
Robert Ohlerth und sein Team bekamen wieder viel Lob für ihre glänzende Vorbereitung und Durchführung zu hören.
pp/Agentur ProfiPress



















